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    Greußenheim

    Ehrenbürger und Pfarrer in Reichweite

    Innehalten, Zeit schenken - das war Pfarrer i.R. Eberhard Ritter in seinem Leben schon immer wichtig - ganz besonders aber an seinem 80. Geburtstag, den er am Donnerstag feiert.

    Sich Zeit nehmen abseits des Trubels der Feierlichkeiten - für Freunde, Weggefährten und seine Greußenheimer - ein Herzenswunsch. "Jeder kommt einmal an einen Punkt, an dem er innehält und zurückblickt. Das Leben, wie es gelaufen ist, reflektiert, abwägt und schließlich Bilanz zieht." Dafür hat er sich Zeit genommen und mit seinem Freund und Weggefährten, Landrat Eberhard Nuß zurückgeblickt.

    Getroffen haben sie sich am Kirchplatz in Greußenheim und so manche Anekdote erzählt. Hier, wo er 36 Jahre als Pfarrer gewirkt hat. In direkter Nähe zu seinen größten Baustellen, für die er als Pfarrer Verantwortung getragen hat: Innen- und Außenrenovierung der Pfarrkirche, Pfarrhaus und Pfarrheim. "Da steckt viel Arbeit drin", erinnert er sich und ergänzt verschmitzt: "In der Bauzeit haben mich die Greußenheimer öfters im Blaumann als im Messgewand gesehen."

    Geboren wurde Pfarrer Eberhard Ritter am 6. September 1938 in Alzenau. Als vierjähriger erlebte er den Bombenangriff in Hanau und floh mit seiner Mutter zu den Großeltern in die Rhön. Nach dem Tod seines Vaters 1944 beschloss seine Mutter in Reyersbach zu bleiben und übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern. Schnell erkannten die Lehrer, dass mit dem Jungen etwas anzufangen war. Musisch und handwerklich gleichermaßen begabt, stillte er seinen Wissensdrang durch immerwährendes Fragen, beobachten und zuhören. Trotz seiner überdurchschnittlichen Begabung sah Ritter seine Zukunft in Reyersbach. Kuratus Herold nahm Ritter mit 15 Jahren, als er bereits die Berufsschule besuchte, unter seine Fittiche.

    Er überzeugte die Mutter, paukte mit Ritter Latein und ermöglichte ihm den Übertritt ins Kilianeum. Eins fügt sich ins andere, Steine die seinen Weg versperrten, räumte er mutig zur Seite: Er flog aus dem Kilianeum, weil er der Mutter bei der Ernte helfen wollte und musste, und dafür die Vorbereitung zu Schuljahrbeginn ausfallen ließ. Er schaffte einen Neuanfang an der Oberschule, schrieb dort 1959 sein Abitur und entschied sich spontan für ein Studium der Theologie.

    Nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1965 durch Bischof Josef Stangl in Bad Kissingen verbrachte Eberhard Ritter seine Kaplans-Jahre in den Gemeinden Heigenbrücken, Kleinostheim, Kitzingen Sankt Johannes und Würzburg Sankt Elisabeth, bevor es ihn nach Greußenheim verschlug. Gleich nach dem Umzug hat er sich in der Dorfgemeinschaft engagiert.

    Ritter hat da angepackt wo er gebraucht wurde, hat Ideen umgesetzt und seine Mitstreiter begeistert. Erst in Greußenheim, später auch als Pfarrer von Roßbrunn, Mädelhofen und Uettingen. Der Seelsorger, der Mensch, der Musiker hat in seinen Gemeinden viel bewegt. Brach mit verstaubten Regeln und brachte Schwung in den Gottesdienst und in seine Gemeinden.

    Die fünfte Jahreszeit war Ritter schon immer wichtig. Mit Freunden gründeten sie die "Zwieweltrater". Stand 33 Jahre als Sitzungspräsident auf der Bühne, wofür er in diesem Jahr den FFG-Oskar der Faschingsfreunde erhielt. Er motivierte, begeisterte, plante und legte selbst Hand an. Er integriere Jugendbands und Musikgruppen in den Gottesdienst.

    Dekan Julian Paul sagt: Pfarrer Eberhard Ritter war ein Seelsorger mit Herzblut und wie er mir mal von sich erzählte ein "Stammtisch Seelsorger." Mit 70 wurde er aus gesundheitlichen Gründen in den dauerhaften Ruhestand als Pfarrer in Reichweite, wie er seinen Namenszusatz gerne interpretierte, verabschiedet. 2014 ist er nach Würzburg gezogen, wo er jeden Donnerstag in der Himmelspforte Gottesdienst hält.

    Ehrungen erhielt er viel und die hat er auch verdient, erzählt Nuß. Den Stanislaus Orden, den er 1996 zusammen mit Altbürgermeister Bruno Scheiner für deren gemeinsame Fahrten mit Hilfsgüter nach Polen bekam. Und die Ernennung 2008 zum Ehrenbürger von Greußenheim.

    Gefeiert wird mit einem Festgottesdienst am Donnerstag um 19 Uhr in der St. Bartholomäus Kirche in Greußenheim und einem anschließenden Empfang der Gemeinde im Pfarrheim.

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