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    Würzburg

    Ein DenkOrt soll den Würzburger Ringpark aufwerten

    Im Glacis östlich des Bahnhofs wurde ein Platz für den DenkOrt Aumühle gefunden, der an die Judendeportationen erinnern soll, die zwischen 1941 und 1944 von Würzburg ausgingen. Foto: Daniel Peter

    Ursprünglich sollte der „DenkOrt Aumühle“ zur Erinnerung an die aus Unterfranken deportierten Juden am ehemaligen Güterbahnhof Aumühle entstehen. Doch die Pläne, den Aufgang zum ehemaligen Ladehof als Standort für das Denkmal zu nutzen, zerschlugen sich im letzten Jahr, als sich herausstellte, dass die Fassung der in diesem Bereich verdolten Pleichach marode ist. Deshalb plant die Deutsche Bahn AG eine Freilegung des Baches in diesem Bereich. Also musste für das geplante Denkmal ein neuer Standort ausfindig gemacht werden. Der wurde inzwischen am Bahnhofsvorplatz gefunden. Der Ausschuss für Planung, Umwelt und Mobilität stimmte am Montag der Aufstellung des Denkmals an dieser Stelle einstimmig zu. Die endgültige Entscheidung trifft der Stadtrat bei seiner Sitzung am 4. Juli.

    Der neue Denkmal-Standort am Hauptbahnhof mag sich vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließen, hat aber seine historische Berechtigung. Der größte Teil der unterfränkischen Juden musste den Weg von der Schrannenhalle beziehungsweise dem Platz’schen Garten aus zum Güterbahnhof an der Aumühle zurücklegen. Deshalb war dieser Ort erste Wahl für das Denkmal. Es gab jedoch auch einen Deportationszug auf der Strecke Max-, Textor- und Bahnhofstraße bis zum Hauptbahnhof. Daher ist der neue Standort als Erinnerungsort durchaus geeignet.

    Gepäckstücke aus allen jüdischen Gemeinden erinnern an Deportation

    Darauf hatten sich Anfang 2019 nach intensiven Beratungen alle Beteiligten geeinigt: der Verein DenkOrt  Aumühle, Josef Schuster als Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, die beteiligten Referate der Stadt Würzburg sowie der vom Verein mit dem Entwurf für das Denkmal beauftragte Architekt und Künstler Matthias Braun. Dessen Entwurf sieht vor, dass jede Kommune in Unterfranken, in der 1932/33 noch eine jüdische Gemeinde bestand, ein Gepäckstück aus einem Material ihrer Wahl anfertigen lässt. Diese Gepäckstücke sollen dann auf einer Rampe aus niedrigen Betonquadern befestigt werden. Ein identisches Gepäckstück soll in der jeweiligen Gemeinde verbleiben und dort aufgestellt werden.

    Ringpark in der Umgebung des Denkmals soll aufgewertet werden

    Die Aufstellung des Denkmals auf der Ostseite des Bahnhofsglacis soll auch dazu genutzt werden, diesen Bereich aufzuwerten. Er sei in den letzten Jahren zunehmend als "Freilufttoilette" genutzt worden, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Auch gärtnerisch sei die heutige Situation „unbefriedigend“, konstatierte Umweltreferent Wolfgang Kleiner in der Sitzung. In einem zweiten Bauabschnitt, für den 100 000 Euro veranschlagt sind, sollen auch Hecken lockerer und flacher gestaltet werden, dazu sollen Flächen und Wege eingeebnet und begradigt werden. Auch ein beleuchteter Weg durch den Ringpark ist vorgesehen.

    Der DenkOrt Aumühle Im Modell: Der Entwurf stammt von dem Würzburger Architekten und Künstler Matthias Braun. Foto: Matthias Braun

    Alles in allem sieht Kleiner in der jetzigen Planung eine "würdige und gute Lösung" für den DenkOrt Aumühle bei einer gleichzeitigen Aufwertung des Ringparks. Nach seiner Ansicht könne mit den Arbeiten  noch in diesem Herbst begonnen werden. Dann könnte das Denkmal Anfang 2020 der Öffentlichkeit übergeben werden.

    Der neue Standort fand im Planungsausschuss große Zustimmung

    Von den Ausschussmitgliedern gab es für den neuen Standort nur Zustimmung. Auf Nachfrage von Silke Trost (Grüne) sicherte der Umweltreferent zu, dass das Denkmal barrierefrei zugänglich sein werde. Baureferent Benjamin Schneider sagte, dass für die heute in diesem Glacisbereich abgestellten Fahrräder ein neuer Platz gefunden werden soll. Denkbar sei eine Verlagerung auf die heutige Taxispur, die dann ihrerseits verlegt werden müsste.

    Projektträger für die Realisierung des DenkOrtes Aumühle ist der gleichnamige Verein. Er soll weitere Zuschüsse von den unterfränkischen Gebietskörperschaften und Drittmittelgeber generieren. Außerdem soll sich der Verein um die erforderlichen Anträge und Genehmigungen, die Überwachung des Kosten- und Finanzierungsplans sowie die begleitende kulturvermittelnde Arbeit kümmern.  Nach der Fertigstellung des Denkmals geht dieses ins Eigentum der Stadt Würzburg über, die sich bereit erklärt hat, die laufenden Reinigungs- und Unterhaltskosten zu tragen.  

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