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    Gerbrunn

    Ein Dorffest setzt Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz

    Dorffeste gehören zum Sommer dazu. Menschen feiern, essen, singen, tanzen und spielen miteinander. Das war auch beim Gerbrunner Dorffest am vergangenen Wochenende nicht anders. Für ein umfassendes Angebot sorgten Ehrenamtliche aus den örtlichen Kirchengemeinden und Vereinen, die Eichendorffschule, beide Kindergärten, die Tagesmütter, das Jugendzentrum und die Gemeindeverwaltung.

    Und doch gab es diesmal etwas Besonderes: das Aktionswochenende an der Schule. "Gerbrunn ist bunt - Keine Angst vor anderen Kulturen und Menschen!" - unter dieses Motto hatte die Kommune das Fest gestellt. Mit dem gemeinsamen Tun füllten alle Mitwirkenden diese Feststellung mit Leben - und dokumentierten anschließend die dahinter stehende weltoffene Grundhaltung in einem schriftlichen Manifest.

    In Gerbrunn leben Menschen aus 80 Nationen

    "Der Staat hat dafür zu sorgen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Der Staat sind wir alle. Deshalb sind wir alle dafür verantwortlich, dass dies für jeden in unserem Land gilt, egal wo jemand herkommt oder welche Hautfarbe jemand hat." Mit diesem klaren Statement hatten Bürgermeister Stefan Wolfshörndl (SPD) und seine Stellvertreter, Reinhard Kies (FWG) und Stephan Herbst (SPD), am Samstag hunderte fröhliche Festgäste begrüßt. "Wir appellieren an alle, unsere Gesellschaft vor Spaltung, Rücksichtslosigkeit und Radikalisierung zu schützen und so unsere Demokratie zu bewahren." Menschen aus über 80 Nationen machen Gerbrunn bunt. Das sei schön so und solle auch so bleiben. So die Intention des Festes - und des Manifestes, das die Anwesenden unterzeichneten und das diese eindeutige Aussage als Gerbrunner Grundhaltung in die Welt tragen soll.

    "Ich bin froh und ein bisschen stolz, dass es uns gelungen ist, so viele Menschen auf die Straße zu locken", sagte Pfarrer Johannes Riedel. Die Idee für das Aktionswochenende ging zurück auf den Kirchenvorstand der evangelischen Apostelkirche, berichtete er. Dieser hatte sich mit einem Grundsatzpapier der Synode befasst mit dem Titel: "Ja zur gelebten Menschenfreundlichkeit Gottes - Nein zum Rechtsextremismus". Schnell sei klar gewesen, dass "das kein Thema ist, das nur uns betrifft und schon gar keins, das wir alleine schultern können".

    "Lasst uns wenigstens in unserer Nachbarschaft beginnen, an einer gerechten Welt zu bauen."
    Johannes Riedel, Pfarrer

    Und so habe man den Schulterschluss gesucht, mit möglichst vielen, die das gleiche Ziel verfolgen. Wer immer eine Rangfolge aufmache - wie etwa, "Amerika, Europa oder Bayern first", der werte andere ab, insgeheim oder ganz offen. Wie Martin Luther King halte man in Gerbrunn alle Menschen für gleich erschaffen, schloss Riedel seine kurze Ansprache vor der Unterzeichnung des Manifestes. Wie Luther King träume man von einer gerechten Welt und einer versöhnten Menschheit. "Lasst uns wenigstens in unserer Nachbarschaft beginnen, an ihr zu bauen", so Riedel.

    Positive Stimmung bei Fest und Umzug

    Die Fäden für die unterschiedlichen Aktivitäten liefen bei Christiane Konrad, in der Gemeinde für die Kulturarbeit verantwortlich,  zusammen. Nicht alles funktionierte beim allerersten Nachbarschaftsfest aller Gerbrunner reibungslos, waren doch in relativ kurzer Zeit unerwartet viele Interessenten unter einen Hut zu bringen. Der positiven Stimmung bei Fest und Umzug tat dies keinen Abbruch. Flüchtlingsinterviews, Diskussionen mit Betroffenen, Workshops für syrische und ägyptische Küche, die Gestaltung eines großen "Gerbrunn ist bunt"-Puzzles, Gerbrunner Kabarett, Musik sowie Spiel- und Sportangebote für alle rundeten das Programm ab.

    Mithilfe eines iPads dokumentierten Schüler der Eichendorffschule den besonderen Tag. Einleitend hatten ihre Mitschüler gesungen: "Unsere Hände sollen eine starke Brücke sein / uns kann wirklich nichts geschehn, / wenn wir Hand in Hand zusammen stehn." Das soll in Gerbrunn gelten, egal, ob die Hände weiß oder schwarz, männlich oder weiblich, beeinträchtigt oder voll beweglich sind.
    Nachzulesen ist das Manifest demnächst auf der Homepage der Gemeinde

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