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    Obereisenheim

    Ein Fährmann geht von Bord

    Zum ersten Mal die Fähre über den Main bei Obereisenheim gefahren hatte Miroslav Neuzil am 14. Juni 2000. Nun gibt der 68-jährige Fährmann aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf auf.

    Damals vor 18 Jahren hatte die Fähre zur Absicherung noch ein sogenanntes Gierseil, erinnert sich Miroslav Neuzil und ergänzt: "Oh ja, das mit dem Seil war schon kompliziert. Aber es hat immer Spaß gemacht, die Fähre in die Strömung zu stellen und zu sehen, wie sie reagiert". Gierseilfähren nutzen die Energie des strömenden Wassers von Flüssen aus, indem sie ihren Rumpf schräg zur Strömung einstellen (also "gierend") und damit mit nur wenig Kraftaufwand von Ufer zu Ufer fahren. Damit das Ganze funktioniert, stehen an beiden Uferseiten rund zehn Meter hohe Masten, die miteinander mit einem Seil verbunden sind. Die Fähre selbst hängt dann über einer Rolle an diesem Seil und besitzt zum Antrieb eine Schiffsschraube, die von einem Motor angetrieben wird.

    Wird die Fähre in den Fluss geschoben, strömt das Wasser längs vorbei und durch Anstellen in die Strömung wird das Fahrzeug durch die Energie des Wassers bewegt. Eine einmal vorgenommene Fahrt ist so nur schwer zu ändern. Das Fahren mittels eines solchen Antriebs bedarf deshalb sehr viel Erfahrung und wird meist von den Schifffahrtsämtern wegen der komplizierten Steuerung nicht gerne gesehen.

    Anlegestellen wurden umgebaut

    Beim Mainausbau wurde vom Wasser-und Schifffahrtsamt von der Gemeinde verlangt, dass sie die Anlegestellen umbaut, sodass der Schiffskörper nicht mehr in die Fahrstraße hinein ragt. Dabei stellte sich die grundsätzliche Frage, ob man die Fähre, die seit 1453 eine viel genutzte Verkehrseinrichtung war, nicht aus Kostengründen auflassen sollte. Doch ein Bürgerentscheid sprach sich im Februar 2011 für den Erhalt der Fähre in Obereisenheim aus, sodass die renovierte und restaurierte Fähre mit einem eigenen selbständigen Antrieb ohne Halteseile seit ihrer Einweihung am 16. März 2013 wieder über den Main fährt.

    Doch zuvor stellte sich außerdem die Frage, ob man die in die Jahre gekommen Fähre nicht gleich umbauen sollte. Diesem Anliegen wurde mit Zustimmung und Bezuschussung von Freistaat und Landkreis nachgegangen, sodass die Fähre mit Fährrampe mit hohem finanziellem Aufwand von rund einer Million Euro umgebaut wurde. Die heutigen jährlichen Kosten belaufen sich für die Gemeinde auf rund 30 000 bis 40 000 Euro. Für die Fährmänner wurde dadurch ihr Arbeitsplatz erhalten - was auch Miroslav Neuzil freute, denn er liebt seinen Beruf. Doch seit einiger Zeit machen sich gesundheitliche Probleme bemerkbar, sodass er jüngst die Gemeinde um Auflassung seines Arbeitsvertrages als Fährmann bat.

    Und so nahm er fast genau auf den Tag vor 18 Jahren nun schweren Herzens von "seiner" Fähre Abschied.  Angesprochen auf seine Zeit als Fährmann hat er sich in einer Fernsehreportage beklagt, dass durch die Sportboote auf der Strecke zwischen Volkach und Wipfeld die Haubentaucher oder Enten verschwunden sind. Nur ein paar Schwäne seien noch da. Er habe früher gerne die eleganten, sanft dahin gleitenden Haubentaucher beim Brüten und später bei der Fütterung beobachtet, aber seit einiger Zeit sind sie weg. Er verstehe nicht, dass durch die Sportboote, die nur für ein paar Minuten "Lustgewinn" bringen, Fische, Vögel und Pflanzen extremen Verhältnissen ausgesetzt würden. "Ich bin der Meinung, das gehört nicht auf dem Main. Schon gar nicht in unsere schönen idyllischen fränkischen Heimat".

    Derzeit eingeschränkte Fahrzeiten

    Die Gemeinde wurde ob des schnellen Abgangs des Fährmann Miroslav Neuzil überrascht. Der Einzige, der derzeit noch die Fähre fährt, ist Jonas Feth (33 Jahre alt). Er kommt aus Dettelbach und ist neun Jahre auf hoher See gefahren. Doch kann er nicht allein den Betrieb aufrecht erhalten und so kann der Fährbetrieb derzeit nur vermindert angeboten werden. Die Fähre ist deshalb nur an jedem zweiten Wochenende in Betrieb. Das nächste Mal am 21. und 22. Juli. Sie fährt somit derzeit täglich in Obereisenheim von 7-9 Uhr und 12-19 Uhr sowie am Wochenende 21. und 22. Juli von 10-19 Uhr (und nicht am 28./29. Juli aber wieder am 4./5. August). 

    Ein neuer Fährmann wird gesucht

    Um wieder einen ordentlichen, regelmäßigen Fährbetrieb anzubieten sucht die Gemeinde dringend einen Fährmann.

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