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    Würzburg / Schweinfurt

    Ein Jahr Kreuzerlass: Halten sich unterfränkische Behörden dran?

    Das erste Kreuz hing Markus Söder in der Bayerischen Staatskanzlei selbst auf.  Foto: Peter Kneffel, dpa

    Am 1. Juni 2018 trat Markus Söders sogenannter Kreuzerlass in Kraft. Demnach müssen alle bayerischen Behörden "im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes" und "gut sichtbar" ein Kreuz aufhängen. Betroffen sind mehr als 1100 staatliche Stellen im Freistaat – darunter Landratsämter, Polizeidienststellen und Gerichte. Der Vorstoß hatte bundesweit für heftige Debatten gesorgt,  vor allem aus Kirchenkreisen gab es Kritik. Der Würzburger Staatsrechtsprofessor Horst Dreier sah gar Verfassungsprobleme. Ist nach all dem Streit der Kreuzerlass ein Jahr später umgesetzt?

    Söder selbst weiß es "nicht zu 100 Prozent", erklärte er kürzlich. Dafür sei das Innenministerium zuständig, "aber wir haben das immer sehr liberal gehandhabt". Eine Überprüfung finde nicht statt, heißt es auch aus dem Innenressort. Die Regelung sei – wie alle anderen Vorschriften der Geschäftsordnung – von den Behörden zu beachten und umzusetzen, so ein Sprecher. "Das hat in der Vergangenheit völlig problemlos funktioniert." Ob es auch jetzt funktioniert? Unsere Reporter haben sich in der Region umgehört.

    Sammelbestellung der Polizei

    Das Fazit: In vielen Amtsstuben – etwa im Finanzamt in Zeil (Lkr. Haßberge) – hingen schon Kreuze. Nicht wenige hatten aber Nachholbedarf. Besonders flexibel ging man dabei in Kitzingen vor: Während im Amtsgericht pflichtbewusst am 29. Mai 2018 im Eingangsbereich ein Kreuz angebracht wurde, hängt im Kitzinger Landratsamt keines. In der Polizeiinspektion hängt zwar aufgrund des Erlasses seit vergangenem Jahr ein Kreuz, allerdings nicht im Eingangsbereich und auch nicht für jeden Bürger, der die Inspektion betritt, sichtbar: Das Kreuz ist in einem Treppenaufgang angebracht, der nur von Personen genutzt wird, die zur Vernehmung geführt werden.

    Die Umfrage macht deutlich: Vor allem Polizeiinspektionen mussten sich erst Kreuze besorgen. Während etwa in den Dienstellen in Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) und Würzburg bereits vor dem Erlass ein Kreuz hing – in Würzburg wurde laut Polizei bereits 2017 nach der Renovierung des Dienstgebäudes "ein Holzkreuz an einer Wand im Eingangsbereich des Treppenhauses im Erdgeschoss angebracht" – wurde in Schweinfurt erst aufgrund des Erlasses eines angeschafft. In Main-Spessart gab es für die Dienststellen in Karlstadt, Gemünden, Lohr und Marktheidenfeld gar eine Sammelbestellung.

    Kurzifixe gegen Kreuze getauscht

    Die Design-Frage beschäftigte die Verantwortlichen im Würzburger Strafjustizzentrum. In neun Sitzungssälen wurden die Kruzifixe, also Kreuze mit einem Christus-Korpus, durch schlichte Holzkreuze ersetzt. Die abgehängten Kruzifixe "wurden bei der Würzburger Justiz eingelagert", so ein Justizsprecher. Eines "musste entsorgt werden, weil es defekt war". Sowohl im Straf- als auch im Zivilprozesszentrum wurde jedoch noch je ein Kreuz im Eingangsbereich aufgehängt. Auch im Würzburger Landratsamt kam zu den Kreuzen in allen Sitzungssälen noch eines im Eingangsbereich hinzu.

    Woher die Behörden sich Kreuze besorgten

    In Bad Neustadt hing im Landratsamt Rhön-Grabfeld bereits ein Kreuz im großen Sitzungssaal, vor einem Jahr wurde noch eines im Eingang aufgehängt. Im Amtsgericht wurde aufgrund des Erlasses ein Kreuz neu aufgehängt – genauso wie im Vermessungsamt Lohr (Lkr. Main-Spessart) und im Schweinfurter Finanzamt. Dort kostete es die Behörde übrigens keinen Cent: Das Kreuz habe ein Mitarbeiter gespendet.

    Überhaupt ist die Frage, woher die Kreuze in den Amtsstuben stammen, mitunter interessant. Die neuen Kreuze im Foyer und den Sitzungssälen des Haßfurter Amtsgerichts etwa wurden extra angefertigt: von Häftlingen der JVA Ebrach in der Gefängniswerkstatt.

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