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    Ochsenfurt

    Ein Jahrhundert SPD und AWO

    Freuten sich über eine gelungene Feierstunde von SPD und AWO im Ochsenfurter Pfarrzentrum St. Andreas (von links): Schirmherr Volkmar Halbleib, der ehemalige Bundestagsabgeorndete Walter Kolbow, AWO-Ortsvorsitzender Peter Honecker, sein Stellvertreter Helmut Werner, die SPD-Ortsvorsitzende Ingrid Stryjski, ihr Vorgänger Anton Gernert, Kreisrätin Sibylle Gernert, der AWO-Ehrenvorsitzende Manfred Ragati, dritter Bürgermeister Joachim Eck und Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel. Foto: Walter Meding

    Seit einem Jahrhundert bestimmt die SPD die Geschicke im Ochsenfurter Stadtrat mit. Im gleichen Jahr wurde die deutsche Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegründet und Frauen durften erstmals wählen. In einer Feierstunde gedachten der SPD-Ortsverein und die Ochsenfurter Arbeiterwohlfahrt des dreifachen Jubiläums. Neben Bürgermeister Peter Juks und dem Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel konnte Schirmherr Volkmar Halbleib auch namhafte Sozialdemokraten aus Ochsenfurt, wie den früheren Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretär Walter Kolbow und den Ehrenvorsitzenden des AWO-Bundesverbands Manfred Ragati in Pfarrzentrum St. Andreas begrüßen.

    Der frühere Ortsvereinsvorsitzende Toni Gernert zeigte in seinem Beitrag „100 Jahre SPD im Stadtrat“ auf, wie die Veränderungen in Ochsenfurt sich aus den revolutionären Umbrüchen im Deutschen Reich und in Bayern entwickelten. Unter der Revolutionsregierung aus USPD und SPD mit dem ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, Kurt Eisner, an der Spitze bildeten sich nach Ende des Ersten Weltkriegs Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, die zunächst auch das Alltagsleben in Ochsenfurt mitbestimmten.

    Nach der Ermordung Eisners am 21. Februar 1919 entwickelten sich blutige Kämpfe. Auch in Ochsenfurt wurde deshalb eine Sicherheitswehr gebildet und Waffen an die Bürger ausgegeben, so Gernert. Nach der brutalen Niederschlagung der Räterepublik wurden am 15. Juni 1919 die ersten Kommunalwahlen im Freistaat durchgeführt. Erstmals konnten Frauen und Männer in allgemeinen, geheimen, gleichen und unmittelbaren Wahlen ihren Stadtrat bestimmen.

    Die SPD stellte sich neben der Bayerischen Volkspartei (BVP) und der örtlichen "Liste Aurich" der Wahl. Kandidaten der SPD waren der Steinmetz Otto Scholl, der Buchdrucker Hans Pabst, der Mälzer Johann Bayer, der Floßmeister Wilhelm Lutz, der Steinmetz Georg Stüdlein und der Gastwirt Josef Hofmann. Die Wähler konnten sich nur für einen Wahlvorschlag im Ganzen entscheiden. Die BVP erhielt 817 Stimmen somit zehn Sitze. Die SPD mit 237 Stimmen und die "Liste Aurich" mit 226 Stimmen zogen mit jeweils zwei Stadträten ins Rathaus ein. Für die SPD wurden Otto Scholl und Hans Pabst gewählt.

    In seinem Grußwort skizzierte Manfred Ragati den Weg, der ihn von der AWO Ochsenfurt an die Spitze des Bundesverbands führte und erinnerte dabei an örtliche Persönlichkeiten, wie die Kreisgeschäftsführerin "Mitzel" Prosch, die ihn in die AWO aufgenommen hat, oder den Mitbegründer des Ortsvereins, Franz Grünewald, mit dem zusammen er für die SPD im Stadtrat saß. 

    Kreisrätin Sibylle Gernert erinnerte an die Einführung des Frauenwahlrechts durch den Rat der Volksbeauftragten im November 1918. Diesen historischen Schritten waren jahrzehntelange Anstrengungen der SPD und ihres Vorsitzenden August Bebel vorausgegangen. Mit der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 zogen erstmals Frauen in das deutsche Parlament ein. Sibylle Gernert betonte, dass Kampf der Frauen um vollständige Gleichberechtigung bis heute andauere. 

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