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    REMLINGEN

    Ein Leben im Zeichen des Faschings

    Ute Siegordner hatte schon als junges Mädchen den Traum Prinzessin zu werden. 1988 wurde er wahr. Im Alter von 22 Jahren wird sie die Faschingsprinzessin in der ein Jahr zuvor von ihr mitgegründeten Remlinger Faschingsgesellschaft (RFG). Ihr Mann Norman und sie waren damals jung verheiratet. Er hatte mit Fasching zuvor noch nichts am Hut, sie sich schon immer dafür begeistert. Seit der Gründung der RFG bestimmt der Fasching einen Großteil ihres Lebens, sie ist Närrin durch und durch.

    Remlingen feiert Auftakt der Faschingssaison mit Nachtwächterführung

    Am tollsten findet die gebürtige Remlingerin am Fasching die Spannung und die Aufregung. „Man sieht dann erst am Ende, was man alles in der Saison erreicht hat“, sagt sie. Und das ist bei ihr so einiges. Hinter der 51-Jährigen liegt eine steile närrische Karriere. Sie war Büttenrednerin, Tratschweib, Organisatorin der Tombola, Gründerin und Leiterin der Sketchgruppe und vieles mehr. Vor kurzem wurde sie auf drei Jahre zur Leiterin der Kinder- und Jugendsitzungen wiedergewählt.

    Auch am 11.11., dem Tag, an dem die Faschingssaison wieder losgeht, ist Ute Siegordner mit vollem Einsatz dabei. Die Remlinger feiern den Beginn der Saison am Abend mit einer Nachtwächterführung. Die Nachtwächterin gibt sie. „Ich habe schon immer gesammelt, was in Remlingen so passiert ist“, erklärt sie. Dann habe es im Verein geheißen „Fang doch mal an, mach doch mal was damit“. Das Resultat sind die Nachtwächterführungen, die sie auch außerhalb der Faschingszeit manchmal anbietet. Am 11.11. folgt auf die Führung noch ein Umtrunk auf dem Marktplatz. Das Kostüm, dass sie als Nachtwächterin trägt, wurde von einer Schneiderin eigens angefertigt.

    Schlaflose Nächte vor Aufregung

    Ute Siegordner ist die Kostümierung sehr wichtig. Als Elferratsdame bei den Prunksitzungen habe sie zwar nicht so viel Spielraum, weil man dort einheitlich den roten Kittel trage. Doch mit einem Blick in ihr Fotoalbum sieht man, dass das Verkleiden nie auf der Strecke blieb. Mit den „Mädels“ fährt sie jedes Jahr zur Weibersitzung ins hessische Karben. Und da wird sich verkleidet. Sie war schon Teufel, Rocker oder Stewardess. Etwas außergewöhnlichere Verkleidungen waren ein Bett oder eine Killertomate.

    „Es soll immer was Verrücktes sein“, lacht sie und ruft „Ach Gott, das war eine Arbeit“, als sie ein Foto von einem Faschingsumzug findet, wo alle als Dinos verkleidet waren. „Da haben wir die Köpfe selber aus Pappmaché hergestellt“, erzählt sie.

    Doch der Fasching kostete sie auch manchmal schlaflose Nächte. Von 2000 bis 2010 traten sie und eine Freundin als „Tratschweiber“ bei den Prunksitzungen auf. Dafür sammelte Siegordner alles, was übers Jahr im Dorf passiert war und schrieb es dann in einen Dialog um. „In dieser Zeit bin ich oft nachts aufgestanden und habe daran weitergeschrieben“, erzählt sie. Getreu dem Motto „Wenn's läuft, dann läuft's“. Ihre Familie habe dafür aber immer Verständnis gehabt.

    Auch ihr Sohn und ihre Tochter, die mittlerweile 26 und 22 Jahre alt sind, sind im Fasching fest verankert. Wie ihre Eltern haben die beiden schon einige Stationen in der RFG durchlaufen. „Die kennen das einfach nicht anders. Ihnen wurde das schon in die Wiege gelegt“, sagt die 51-Jährige. Sie fände es toll, dass jeder dem anderen bei den Vorbereitungen seinen Raum lasse. „Aber wenn man Hilfe braucht, hat man auch immer einen Ansprechpartner“, erklärt sie.

    „Fasching leben hat nichts mit sinnlosem Betrinken zu tun“

    Derzeit sind ihre Tochter Ramona und ihr Freund Fabian noch das Prinzenpaar in der Remlinger Faschingsgesellschaft. Doch mit der traditionellen Bierprobe wird sich das wieder ändern. Die wird vom Sitzungspräsidenten, Ute Siegordners Mann Norman, organisiert und dort wird dann das alte Prinzenpaar verabschiedet. Es folgt die Inthronisierung des neuen Prinzenpaars. Das sucht der Sitzungspräsident aus. Wer das neue Prinzenpaar wird, bleibt jedoch bis zur Inthronisierung ein Geheimnis.

    Eine Bierprobe als Anlass zur Einführung des neuen Prinzenpaars. Oft wird dem Fasching nachgesagt, es gehe dabei nur um den Konsum von Alkohol. „Fasching leben hat nichts mit sinnlosem Betrinken zu tun“, sagt Ute Siegordner dazu. Denn Fasching machen sei ein harter Job. Und Siegordners Engagement in der RFG ist enorm. „Wir sind auch schon nach Bonn gefahren, um Stoffe und Kostüme für die Prinzengarde zu besorgen“, erzählt sie.

    Gefeiert habe sie im Rheinland und vor allem in der Faschingshochburg Köln aber noch nicht. „Das ist ein großer Wunsch von mir, dort einmal Fasching zu erleben“, sagt sie. Bei den Jecken im Rheinland heißt die fünfte Jahreszeit Karneval, das sage man hier in Unterfranken aber nicht. Trotzdem findet sie es toll, dass sich so verschiedene Traditionen im Fasching entwickelt haben. „Man sagt immer ,Die Franken gehen zum Lachen in den Keller‘. Das stimmt aber überhaupt nicht“, erklärt sie. Auch hier würde immer ordentlich gefeiert werden.

     

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