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    RANDERSACKER

    Ein Ort im Klara-Fieber

    Empfang Klara Zehnder: Randersacker empfängt die Fränkische Weinkönigin und Deutsche Weinprinzessin nach ihrer Rückkehr von der Wahl zur Deutschen Weinkönigin.
    Empfang Klara Zehnder: Randersacker empfängt die Fränkische Weinkönigin und Deutsche Weinprinzessin nach ihrer Rückkehr von der Wahl zur Deutschen Weinkönigin. Foto: Johannes Kiefer

    Die Entscheidung am Freitagabend fiel in Neustadt an der Weinstraße denkbar knapp aus. Von Enttäuschung, dass die Randersackerer Kandidatin Klara Zehnder sich als eine von zwei Weinprinzessinnen nun mit einem Ehrenplatz an der Seite der neuen Deutschen Weinkönigin Carolin Klöckner begnügen muss, dennoch keine Spur. Mit Trillerpfeifen, Klara-Schildern und Fahnenabordnungen und vor allem vielen fränkischen Fähnchen empfingen mehrere Hundert Randersacker Klara Zehnder im Rathaushof.

    „Ich hab richtig Bock drauf, als Weinprinzessin nochmal richtig was zu erleben“, freute sich die 22-Jähriger über ihren Erfolg. Bei so viel Jubel kein Wunder, dass bald vergessen war, dass es für ganz oben nicht gelangt hat. „Ich war absolut überzeugt davon, dass ich rausfliegen werde“, schilderte sie zudem ihren Eindruck vom Wettbewerb. „Die anderen waren einfach wahnsinnig gut“, erkannte sie die Leistung ihrer Konkurrentinnen neidlos an.

    Dabei gab es für Zurückhaltung keinen Grund, hatte sie doch das Meisterstück fertig gebracht, bei der Blindverkostung nicht nur die Rebsorte, sondern auch das Anbaugebiet zu erkennen. In den Herzen der Randersackerer hatte ohnehin die charmante junge Frau gewonnen.

    „Die rührt einen einfach an“, erzählt Ulli Röder, die sich ein überdimensioniertes Herz umgehängt hatte, auf dem zu lesen war „Unser Herz schlägt für Klara“. Sie hatte, als nach dem Vorentscheid deutlich wurde, dass es für Klara zum Titel reichen könnte, kurzerhand eine Public-Viewing-Veranstaltung des Elternbeirats und Fördervereins in der Schule angeleiert. „Da ging es natürlich hoch her, als sie es geschafft hat“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter und der Frau des Bürgermeisters hatte sie sich zudem zusammengesetzt und die Frankenhymne umgedichtet.

    Wie gut Wein, Klara und Frankenhymne zueinander passen, bewiesen die vielen Bürger, die auf dem Rathaushof mitsangen und die Musiker der Randersackerer Musikkapelle, die - soeben zurück vom Käppele, zu dem sie am Vormittag die Pilger begleitet hatten, noch einmal eine Schippe drauflegten und die Weinhoheit in die Turnhalle der Schule zum Empfang begleiteten.

    Die Redner auf der mit großen Klara-Buchstaben geschmückten Bühne in der Turnhalle der Schule waren sich einig: Alle sind stolz auf die Leistung, aber es herrscht auch Erleichterung: Ein Sieg hätte schließlich bedeutet, dass sie mit der Wahl ihre Krone als Fränkische Weinkönigin abgeben müsste. „Wir hätten sie sonst verloren, hier bei uns in Franken“, stellte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes fest und mutmaßte fränkisch-selbstbewusst, dass der Doppelgekrönten vielleicht doch das letzte Quentchen an Motivation etwas gefehlt haben könnte.

    Der Vorsitzende des örtlichen Winzervereins Bernhard König – „es war wie ein Traum“ – sieht sich nun gar vor die Wahl der Qual gestellt, wie er die Frischgekürte nun zu Veranstaltungen einladen soll, als königliche Hoheit von Franken oder als deutsche Prinzessin? „Setzt Du nun einmal die eine Krone auf und dann wieder die andere?“, stellt er eine Frage, die sich wohl nicht nur ihm stellte, während es für jedermann kostenlos Randersackerer Wein gab.

    Seinen eigenen Worten nach noch ganz im „Klara-Fieber“ hob Landrat Eberhard Nuß hervor, welch hervorragende Werbung der Wettbewerb für ein besonders „kostbares Kulturgut unserer Region“ gewesen sei, den fränkischen Weißwein, dem „besten Weißwein dieser Erde“. Als er diesen Zusatz seinem Jubel hinterherschob, waren die inzwischen weinselig Gestimmten vollends aus dem Häuschen, gratulierten mit rhythmischem Klatschen und Standing Ovations.

    „Klara hat mit ihrem tollen Art, ihrem Charme und Wissen vollkommen überzeugt“, schilderte Christiane Lörner im festlichen Dirndl, das sie mit einem der Klara-Buttons geschmückt hatte, die Vater Winfried an alle verteilt hatte, die am Freitag in einem der beiden Busse dabei waren: „Sie hat es einfach verdient, dass wir heute richtig feiern.“ Und Klara? Ihr dürfte es nicht langweilig werden: Ihren Plan, beim nächsten Fleckenfest in der Bocksbeutel-Bar hinter der Theke zu stehen und auszuschenken, kann sie jedenfalls nun „knicken“, wie sie selber behauptete.

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