• aktualisiert:

    RANDERSACKER

    Ein Silvaner für die Universität

    Der neue Würzburger Universitätswein, ein 2017er Silvaner vom Randersackerer Pfülben im Bocksbeutel. Foto: Uni Würzburg GmbH

    Vor 200 Jahren verkaufte die Universität Würzburg eine ihrer Weinbergsflächen in der Winzergemeinde Randersacker. Von eben dieser Stelle in der Lage Pfülben stammt nun auch der neue Universitätswein, ein 2017er Silvaner im Bocksbeutel. Das Etikett des Weins zeigt in einer Zeichnung den Weinberg Pfülben und das Universitätssiegel. Auf der Rückseite der Flasche befinden sich ein Hinweis auf die Geschichte des universitären Weinbaus und ein QR-Code. Dieser führt zu einer Webseite mit der ausführlichen Geschichte.

    Beim Stiftungsfest der Universität wurde der Wein zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt und ausgeschenkt. Hergestellt wurde der Tropfen vom Randersackerer Weingut „Trockene Schmitts“, zu dem der frühere Weinberg der Uni jetzt gehört, berichtet die Universität in einer Pressemitteilung.

    Die Universität Würzburg GmbH für Bildungs- und Campusdienstleistungen hat mit dem Weingut vertraglich geregelt, dass der gesamte Bestand des Silvaners von der ehemaligen Uni-Fläche exklusiv als Universitätswein verkauft wird. Dennoch hat die GmbH vorsichtig kalkuliert. Wer sicher gehen möchte, dass er auch zu Weihnachten den Wein verschenken oder selbst genießen kann, sollte sich seinen Bedarf schon jetzt sichern. Der Wein kostet 9,80 Euro.

    Hintergrund: Julius Echters Weingärten

    1582 erneuerte der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Universitätsgründung von 1402. Um seine Hochschule finanziell abzusichern, stattete er sie mit einem ansehnlichen Grundbesitz aus. Neben Wiesen, Feldern und Wäldern besaß die Universität auch viele Weinberge und Weingärten. Diese waren weit verstreut und hingen selten in größeren Flächen zusammen.

    1814 übernahm der bayerische Staat das Würzburger Gebiet und entzog auch der Universität rasch ihre Herrschaftsrechte. Der stark zersplitterte Grund- und Güterbesitz der Uni wurde 1821 durch einen umfassenden Tausch mit dem Staat bereinigt. Dabei verlor die Universität all ihre Weingüter.

    Schwierige Suche nach früherem Universitätsbesitz

    Trotz einer schwierigen Quellenlage ist es dem Universitätsarchiv kürzlich gelungen, am Randersackerer Pfülben eine Fläche von 6.000 Quadratmetern als ehemaligen Universitätsbesitz ausfindig zu machen.

    „Die Identifizierung ehemaliger Besitztümer der Universität gestaltet sich äußerst schwierig“, sagt Dr. Marcus Holtz, Leiter des Universitätsarchivs. Das liege an der komplizierten Wirtschaftsordnung des Alten Reiches, an einem lange Zeit „unbekümmerten“ Umgang mit alten Quellen und an der Zerstörung vieler Universitätsakten beim Bombenangriff des 16. März 1945.

    Die Echter-Zeit sei zudem eine höchst quellenarme Zeit gewesen. „Vieles wurde durch Feldgeschworene vor Ort nur mündlich überliefert und mit Grenzsteinen und ähnlichen Hilfsmitteln markiert“, sagt Holtz. Grundbücher und Flurkarten habe man noch nicht gekannt. Im 20. Jahrhundert schließlich hätten die Flurbereinigungen in Bayern die Landschaft so massiv verändert, dass frühere Strukturen heute kaum noch nachvollziehbar seien.

    Universität baute in Randersacker über 250 Jahre Wein an

    Trotz dieser Herausforderungen hatte das Universitätsarchiv Erfolg. Aus Unterlagen des Staatsarchivs ließ sich erkennen, dass die Universität im Jahr 1740 am Randersackerer Pfülben drei Morgen Weinberg von der Kartause Engelgarten erworben hatte.

    „Durch die Verbindung zur Kartause und ein zufällig gefundenes Zinsbüchlein konnten wir die weitere Geschichte der Weingärten nachvollziehen“, erzählt Holtz. Bis dahin sei die Forschung davon ausgegangen, dass die Universität ihre Gebiete in Randersacker Ende des 18. Jahrhunderts verkauft habe. Doch nun zeigen die Archivrecherchen, dass die Weinberge dort über 250 Jahre lang kontinuierlich im Besitz der Universität waren – bis 1818.

    Weingärten der Universität exakt verortet

    Dr. Holtz: „Ein höchst arbeitsaufwändiger Vergleich mit Häuserbüchern und Flurkarten verschiedener Epochen ermöglichte schließlich eine konkrete Lokalisierung der ehemaligen Besitzungen.“ Es handelte sich dabei um zwei längliche Areale am Pfülben, die direkt nebeneinanderlagen. Sie erstreckten sich fast über die ganze Länge des Weinbaugebietes – von der unten verlaufenden Straße bis an den oberen Feldrand. Insgesamt umfassten sie rund 6.000 Quadratmeter.

    Von dieser Fläche stammt nun der neue Universitätswein. Bevor man ihn trinkt, könnte man passenderweise auf die lange Tradition der Universität Würzburg anstoßen.

    Wer den Universitätswein privat erwerben möchte, kann ihn beim Weingut „Trockene Schmitts“ oder bei der Buchhandlung Schöningh am Franziskanerplatz in Würzburg kaufen.

    Bearbeitet von Robert Menschick

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!