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    Würzburg

    Ein Würzburger und der Traum vom Deutschen Engagementpreis

    Der Deutsche Engagementpreis ist eine große Auszeichnung für bürgerschaftliches Engagement. Unter den Nominierten ist nun auch Julian Wendel. Warum er auserwählt wurde.
    Der Deutsche Engagementpreis ist eine große Auszeichnung für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Unter den Nominierten ist in diesem Jahr auch der Würzburger Julian Wendel.
    Der Deutsche Engagementpreis ist eine große Auszeichnung für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Unter den Nominierten ist in diesem Jahr auch der Würzburger Julian Wendel. Foto: Daniel Peter

    Als Julian Wendel ein Kleinkind war, merkten seine Eltern, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Er konnte weder krabbeln, noch laufen lernen. Ärzte stellten später fest, dass der Junge an einer schweren Form der Spinalen Muskelatrophie leidet, weshalb Julian fortan lebenslang auf Pflege und Unterstützung angewiesen sein würde. Heute ist Wendel 35 Jahre alt und merkte nach dem Abschluss seines Psychologiestudiums, dass er andere Betroffene gut beraten kann. Nun wurde er für den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreis nominiert. 

    Bereits Preisträger des Würzburger Bürgersozialpreises

    Es wäre nicht die erste Auszeichnung, die der leidenschaftliche E-Hockey-Spieler wegen seines Engagements erhalten würde. Im November 2018 hatte Wendel als einer von zwei Preistragern den Burgersozialpreis der Stadt Wurzburg gewonnen. Ausgezeichnet wurde er fur sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement fur gelebte Inklusion.

    Julian Wendel mit Sozialreferentin Hülya Düber bei der Verleihung des Bürgersozialpreises.
    Julian Wendel mit Sozialreferentin Hülya Düber bei der Verleihung des Bürgersozialpreises. Foto: Dita Vollmond

    Er ist Kontaktperson der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke und Delegierter im Bundesverband. Er berät dort in Workshops und Seminaren zu Fragen von Ausbildung, Studium, Freizeit, Sport, Reisen, Krankheitsverarbeitung, Partnerschaft, Pflege und Assistenz. "Ich bin eine sogenannte Kontaktperson, ich berate ehrenamtlich Menschen, die Beratung suchen und brauchen", erzählt er. Darüber hinaus ist er aktiv im Arbeitskreis Inklusion der FHWS, Mitglied des Behindertenbeirats der Stadt Würzburg, Abteilungsleiter, Trainer und Organisator im Rollstuhlsportverein „Ballbusters“ und Coach für die deutsche Nationalmannschaft der Elektrohockeyspieler. Zudem ist er Schöffe am Würzburger Landgericht.

    „Es ist wirklich bewundernswert, wie Herr Wendel sich für die Belange von Menschen mit Behinderung einsetzt und ihnen neue Möglichkeiten und Türen öffnet. Ein Vorbild auf allen Ebenen“, sagte damals Sozialreferentin Hülya Düber. 

    Das Ziel: Stärkung der öffentlichen Anerkennung von bürgerschaftlichem Engagement

    Der Deutsche Engagementpreis wurde erstmals 2009 bei der Kampagne "Geben gibt." ausgelobt. Das Ziel der Initiative ist bis heute die Stärkung der öffentlichen Anerkennung von bürgerschaftlichem Engagement. Inzwischen hat sich der Deutsche Engagementpreis laut seiner Website als die "deutschlandweit wichtigste Würdigung für bürgerschaftliches Engagement" etabliert. Wendel ist in diesem Jahr neben dem AWO-Internetcafé für Senioren Ochsenfurt der einzige Vertreter aus Stadt und Landkreis Würzburg und darüber hinaus der einzige Vertreter mit einer schweren Körperbehinderung.

    Rund 700 Wettbewerbe und Preise gibt es in Deutschland für freiwilliges Engagement. Sie können ihre Preisträgerinnen und Preisträger für den Deutschen Engagementpreis nominieren. So wurde Wendel vom Bürgersozialpreis für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

    "Diese Ehrenämter geben meinem Alltag nicht nur Struktur, sondern auch Sinn."
    Julian Wendel, Nominierter für den Deutschen Engagementpreis

    Vier Stunden am Tag bringt er im Schnitt für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten auf. "Ich bin zwar ausgebildet als Diplom-Psychologe, aber bin nicht erwerbstätig", erzählt er. "Deshalb kann ich auch so viel Zeit in meine Ehrenämter investieren." Diese Stunden am Tag sind für Wendel Gold wert: "Die Ehrenämter geben meinem Alltag nicht nur Struktur, sondern auch Sinn."

    Noch bis zum 24. Oktober kann für Julian Wendel online abgestimmt werden. Über 600 Projekte und Personen haben die Chance, den mit 10 000 Euro dotierten Publikumspreis zu erhalten. Die Top 50 der öffentlichen Abstimmung gewinnen zudem die Teilnahme an einer Weiterbildung in Berlin. "Die Nominierung an sich ist schon eine Ehre. Aber der Preis würde mir zeigen, dass das was ich mache, honoriert wird", hofft Wendel. Denn: "Oft wird sich im Alltag für das Engagement nicht wirklich bedankt." 

    Was er mit den 10 000 Euro anfangen würde, wisse er auch schon bereits. "Ich würde es für die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke einsetzen", sagt er. Die Gesellschaft hat ihn damals für den Bürgersozialpreis nominiert. Das Geld möchte er für Workshops, Veranstaltungen oder Ausflüge für Menschen mit Muskelerkrankungen nutzen. "Ich würde in dem Sinne also wieder etwas zurück geben." 

    Über den Deutschen Engagementpreis
    Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Er würdigt das freiwillige Engagement der Menschen in Deutschland und all jene, die dieses Engagement durch die Verleihung von Preisen unterstützen.
    Initiator und Träger des Deutschen Engagementpreises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Dachverbänden und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors, von Expertinnen und Experten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Förderer des Deutschen Engagementpreises sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Deutsche Fernsehlotterie und die Deutsche Bahn Stiftung.
    Abstimmen kann man für Julian Wendel online auf www.deutscher-engagementpreis.de/wendel
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    Kommentare (1)

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