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    Gerbrunn

    Ein klares Ja zum Konzept aber nicht am Apostelweg

    Vor zwei Jahren, am 26. September 2016, entschieden die Gerbrunner Bürger sich in einem Bürgerentscheid mehrheitlich gegen die vom Gemeinderat bereits beschlossene Wohnbebauung am Apostelweg. Statt Wohnhäuser hatten die Initiatoren des Bürgerbegehrens dafür plädiert, das Gelände unbebaut zu lassen und freizuhalten für Parkplätze, öffentliches Grün und möglicherweise in der Zukunft zukünftig benötigte Erweiterungen von Schule oder Kindergarten.

    Am vergangenen Montag war das Grundstück der evangelischen Kirche, Flurnummer 232, jetzt erneut Gegenstand der Beratung im Gerbrunner Gemeinderat. Der Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Unterfranken stellte eine Bauvoranfrage für den Neubau eines Sozialzentrums mit Tagespflegeeinrichtung, ambulant betreuter Wohngemeinschaft und ambulant betreuten Wohnungen auf dem Gelände neben der Schule. Bürgermeister Stefan Wolfshörndl (SPD) als Vorsitzender der AWO Unterfranken übergab die Sitzungsleitung für diesen Tagesordnungspunkt an den stellvertretenden Bürgermeister Reinhard Kies (FWG).

    Viel in Bewegung in Sachen Schule und Kinderbetreuung

    Zuvor hatten Günter Seufert und Herbert Brand, zwei der Initiatoren des Bürgerbegehrens, unter dem Tagesordnungspunkt eins - "Möglichkeit zum Vortrag von Anträgen, Wünschen und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern" - an den Gemeinderat appelliert, die Beratung über das Vorhaben von der Tagesordnung zu nehmen. Die Gerbrunner hätten sich eindeutig dafür ausgesprochen, argumentierten sie, auf dem Grundstück nichts anderes als eine Nutzung für Bildungseinrichtungen zuzulassen. Derzeit sei so viel in Sachen Schule und Kinderbetreuung in Bewegung, dass man nicht wissen könne, ob man das Gelände hierfür in naher Zukunft brauchen werde. Auch wenn im beginnenden Schuljahr nur zwei Kinder aus Gerbrunn die dortige Mittelschule besuchen. "Wo hat Gerbrunn dann Flächen zur Verfügung, wenn das einzig in Frage kommende Grundstück bebaut ist?", fragten sie.

    Anschließend stellte Ulrike Hahn, Fachbereichsleiterin Senioren und Rehabilitation, das Vorhaben des AWO Bezirksverband konzeptionell vor. In dem geplanten dreigeschossigen Gebäude würden im Erdgeschoss 18 bis 25 Tagespflegeplätze entstehen, im ersten Stock könnten dann acht bis zehn Senioren mit Betreuungsbedarf ein neues Zuhause finden. Daneben und im dritten Stock stünden außerdem insgesamt sechs bis acht barrierefreien Sevice-Wohnungen zur Verfügung.

    Anders als im Seniorenheim, erläuterte die Fachfrau, die bei der AWO für derzeit rund 1500 Pflegeplätze in stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen zuständig ist, könne man im ambulanten Sozialzentrum wesentlich individueller auf die ganz speziellen, sich immer wieder verändernden Bedürfnisse der Bewohner und Gäste eingehen. Durch die Möglichkeit, sich benötigtes Personal, Leistungen und Hilfsmittel zu teilen, blieben auch die Kosten für die Bewohner überschaubar. Allerdings, erklärte sie, seien die Angehörigen wie die Pflegebedürftigen selbst in diesem Modell wesentlich stärker eingebunden als in einer stationären Einrichtung.

    Neues Zuhause in alter Heimat für Senioren

    Die Organisation der ambulant betreuten Wohngemeinschaft werde über einen Verein gelöst, den die Angehörigen gründen. Der regele alle Belange der WG und entscheide bedarfsgerecht über die notwendigen Leistungen. Das Zentrum, machte Hahn deutlich, ermögliche Gerbrunnern, die im bisherigen Wohnumfeld nicht mehr alleine zurechtkommen, in ihrer Heimat ein neues Zuhause für den letzten Lebensabschnitt zu finden.

    Einen kurzen Abriss über die baurechtliche Seite der Planung gab Geschäftsführer Markus Meyer. Für eine Umsetzung, erläuterte er, sei in jedem Fall eine Änderung des Bebauungsplanes notwendig. Das Grundstück sei vom Stifter dem Gemeinschaftsnutzen in Form eines Kindergartens gewidmet worden. Die neue Nutzung falle nicht darunter, sei aber zumindest gemeinschafts-orientiert, eine Erweiterung der Widmung für soziale Zwecke, daher rechtlich umsetzbar, so Meyer. Auch ansonsten erfülle das Vorhaben die Vorschriften des Bebauungsplanes weitgehend. Näheres, wie beispielsweise auch die Festschreibung auf den Nutzen als Sozialzentrum - unabhängig vom Träger - könne man durch entsprechende Vorgaben im Bebauungsplan regeln.

    Kein Beschluss in der Sitzung

    Beschlossen wurde nach der ausführlichen Projektvorstellung in der Sitzung nichts. Die AWO-Vertreterin zog vor der Abstimmung den Antrag zurück. Denn Gabriele Gottwald (CSU) und ihre Fraktion schlossen sich klar dem Votum des Bürgerbegehrens an.

    Kommen soll das Sozialzentrum der AWO aber möglichst trotzdem, mit möglichst genau dem vorgestellten Konzept. Da waren sich die Vertreter aller Fraktionen einig. Im nächsten Schritt soll die Verwaltung daher prüfen, ob andere Standorte innerorts in Frage kommen und gleichzeitig beim Schulamt nachfragen, welcher Bedarf in Gerbrunn mittelfristig bestehe.

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