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    Würzburg

    Ein taubstummer jüdischer Handwerker im Visier der Gestapo

    Gunter Demnig verlegt an diesem Dienstag 20 weitere Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Handwerker in Würzburg, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Foto: Norbert Schwarzott

    Zum 27. Mal kommt an diesem Dienstag, 24. September, der Künstler Gunter Demnig nach Würzburg, um zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus 20 weitere Stolpersteine im Würzburger Stadtgebiet zu verlegen. Dieses Mal stehen jüdische Handwerker im Mittelpunkt der Aktion.

    Einer dieser Handwerker war Adolf Stern. Er wurde am 9. Januar 1890 in Steinach/Saale geboren. Aufgrund einer Erkrankung war er seit seiner Kindheit taubstumm. Im Alter von 16 Jahren begann Adolf Stern eine Lehre als Graveur in Mannheim, wo er als Graveurgehilfe von 1910 bis 1912 arbeitete. Adolf Stern kam 1919 nach Würzburg. Er trat hier eine Stelle bei der Gravieranstalt Kilian Ruckert an, ging dann nochmal für kurze Zeit unter anderem nach Homburg, um schließlich ab 1924 endgültig in Würzburg zu bleiben. 

    Erste Festnahme in der Pogromnacht 1938

    Im Zuge der Verhaftungswelle während der Pogromnacht 1938 wurde Adolf Stern am 10. November verhaftet und am 11. November in Würzburg verhört. In diesem Verhör bestätigt er, dass er seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet und seit Jahren bei einer Würzburger Firma beschäftigt ist. Alfred Stern bat um die Entlassung aus der Haft, da er sich um seinen Lebensunterhalt kümmern müsse. Der Bitte wurde nicht entsprochen und er wurde ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht.

    Während die Würzburger Gestapo Adolf Sterns „Sprechvermögen und Sprachaufnahme“ als „sehr gut“ beschrieb und ihn für haftfähig erklärte, kam der Lagerarzt in Buchenwald zu einer anderen Einschätzung: In einem Telegramm vom 12.12.1938 an die „Stapo Würzburg“ wird diese aufgefordert, Adolf Stern abzuholen, da er wegen seiner Gehörlosigkeit als für „nicht haftfähig“ befunden wurde. Am 15.12.1938 erfolgte seine Entlassung. Bei der Gestapo Würzburg musste er sich fortan regelmäßig melden. 

    Sterns Arbeitgeber sorgte für Weiterbeschäftigung 

    Adolf Stern entging zunächst dem Schicksal vieler jüdischer Würzburger, die nach der Pogromnacht ihre Geschäfte aufgeben mussten, ihre Arbeit verloren oder schon verloren hatten und später vielfach zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Sein Arbeitgeber, bei dem er erstmals 1919 beziehungsweise dann ununterbrochen seit 1924 tätig war, konnte dafür sorgen, dass er seinen von ihm geschätzten Arbeiter weiter beschäftigen durfte.

    Seit 6. November 1939 wohnte Stern in der Glockengasse 6, einem der „Judenhäuser“ Würzburgs. Im Zuge der Anfang Dezember 1940 erfolgenden Hausdurchsuchungen von Wohnungen jüdischer Bürger nach eventueller „Hamsterware“, wurde auch seine Wohnung ergebnislos durchsucht. Die Gestapo befragte in diesem Zusammenhang seinen Arbeitgeber, der hervorhob, dass er ihn nun seit 20 Jahren beschäftige und dieser sehr „zuverlässig und fleissig“ sei. Mitte Mai 1941 stellte Kilian Ruckert den Antrag an die Gestapo, Adolf Stern von der Pflicht, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, zu entbinden, da er ihn „sehr dringend“ benötigte. Die Genehmigung wurde für drei Monate erteilt.

    1941 gab es für Adolf Stern keine Rettung mehr

    Bis in den November 1941 blieb Adolf Stern bei Kilian Ruckert beschäftigt, der ihm noch am 22. November 1941, fünf Tage vor der Deportation, ein Arbeitszeugnis ausstellte, in dem er seinem Mitarbeiter höchstes Lob zollte und betonte, ihn ungern zu verlieren. Am 23. November wurde Adolf Stern seine Evakuierung nach „Ostland“ eröffnet. Er musste sich am 26. November in der Stadthalle (Schrannenhalle) einfinden, um dann am 27. November vom Bahnhof Aumühle aus nach Nürnberg und von dort aus am 29. November 1941 nach Riga-Jungfernhof transportiert zu werden. Ob er sofort erschossen wurde oder ob er noch Zwangsarbeit leisten musste oder in einer anderen willkürlichen Tötungsaktion ermordet wurde, ist nicht festzustellen.

    Ein Stolperstein für Adolf Stern wird an diesem Dienstag um zehn Uhr in der Gertraudgasse 4 verlegt.

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