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    Hettstadt

    Eindeutig bedruckte Planen gegen sensationslustige Gaffer

    Spendentermine sind eine schöne Sache. Die Empfänger freuen sich über die Zuwendung, die Spender darüber, anderen eine Freude zu machen. Bei dem Spendenübergabetermin, den Presse- und Luftbildfotograf Berthold Diem mit vier Feuerwehren aus dem Landkreis vereinbart hatte, war die Situation etwas anders. "Bei aller Freude über Bertholds Aktion, ist es traurig, dass wir so etwas überhaupt benötigen", bedauerte Kreisbrandinspektor Winfried Weidner die Situation.

    Diem überreichte den Feuerwehrverantwortlichen aus Hettstadt, Helmstadt, Waldbrunn und Waldbüttelbrunn vor dem Feuerwehrhaus in Hettstadt sogenannte Schutzwände gegen Gaffer. Die undurchsichtigen zwei mal drei Meter großen Planen sollen Unfallstellen - vorzugsweise auf Autobahnen - gegen ungebetene Blicke abschirmen und Foto- und Filmaufnahmen von Unfallopfern unmöglich machen. Zunehmende Behinderungen durch Sensationslustige und immer mehr die Menschenwürde verletzende Film- und Fotoaufnahmen, die öffentlich gemacht werden, machen solche Stellwände nötig. "Das ist der eigentliche Skandal", wird der Kreisbrandinspektor deutlich.

    "Irgendwie war das angesichts der Vielzahl der Verstöße hoffungslos"

    Auf die Idee, den Feuerwehren im Landkreis, mit denen er seit über 20 Jahren eng zusammenarbeitet, Schutzwände zu spenden, kam Diem bei einem Einsatz als Unfallfotograf. "Ich habe da einmal mehr versucht, die Gaffer mit den gezückten Handys dadurch abzuschrecken, das ich sie, in voller Montur mit orangfarbener Warnjacke, ebenfalls fotografierte. - Aber irgendwie war das angesichts der Vielzahl der Verstöße hoffungslos." Und so setzte sich der Hettstadter mit Weidner zusammen, um abzusprechen, wie ein Schutz gegen Gaffer am besten aussehen und beschaffen sein sollte.

    Herausgekommen sind luftdurchlässige, wetterfeste und noch leicht transparente Planen mit einer klaren, international verständlichen, aber nicht provozierenden Aussage. "Vor allem Letzteres war dem Kreisbrandinspektor besonders wichtig", berichtet Diem. "Er legte großen Wert darauf, die ohnehin an Unfallstellen meist aufgeheizte, sensible Stimmung nicht noch zusätzlich zu befeuern." Demzufolge entschieden sich die beiden Kooperationspartner für ein Foto mit Polizei- und Feuerwehrautos, überdruckt mit einem leicht verständlichen Piktogramm und der Aufschrift: "No Photos!"

    Knapp 70 Euro kostet eine Plane

    Knapp 70 Euro kostet eine Plane, die zusammengerollt aufbewahrt in jedes Feuerwehrauto passt. Aufgehängt wird sie mittels Karabinerhaken einfach an die Lichtmasten, die zur Grundausstattung der Fahrzeuge gehören. "Auch das war ein wichtiges Kriterium bei der Gestaltung", ergänzt der Spender. "Die Planen müssen einfach und ohne großen Personaleinsatz zu verwenden sein." Das sei der Fall sagen die Praktiker.

    Tatsächlich sparen die Wände Personal, denn momentan wurden im Einsatzfall notfalls Leute abgestellt, um abschirmende Decken hochzuhalten. So schützen sie Opfer, aber auch manchmal die eigenen Leute, vor ungebetenen Blicken und belastendem Anblick. Zwei Dinge spielen eine Rolle bei der zunehmenden Gaffermentalität. Das vermutet jedenfalls Stefan Schmidberger, erster Kommandant der Helmstadter Wehr: die Funktionalität der Smartphones und die Möglichkeiten der sogenannten sozialen Netzwerke im weltweiten Netz.

    Auch die Medien, sagt er, hätten einen Teil Mitschuld.

    Diem ergänzt einen weiteren Aspekt. Auch die Medien, sagt er, hätten einen Teil Mitschuld. "Manche zahlen Laien für ein sogenanntes Erstfoto oder -Video vom Unfallort mehr als wir Profis dafür bekommen." Die Kritik, dass er letztlich ja auch nichts anderes mache als Unfallfotos und nur genervt sei, wenn andere schneller sind als er, lässt er so nicht gelten. Zum einen behindere er niemals die Einsatzkräfte und kenne seine Grenzen, zum anderen gingen seine Fotos nur in die Öffentlichkeit, wenn alles, was Hinweise auf Personen geben kann, unkenntlich gemacht ist. Medien, die sich nicht an diesen Presseethos halten, sagt Diem, beliefert er grundsätzlich nicht mehr.


    Jetzt hofft er, viele Nachahmer für seine Spendenaktion zu finden. Die Foto-Datei stellt er gerne zur Verfügung. 85 Ortsfeuerwehren im Landkreis, ergänzt Weidner, würden sich über weitere Stellwände freuen.
    Kontakt: luftbild-teamdiem.de/

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