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    Leinach

    Eine Drohne soll klären, wie es um die Schwarzkiefern steht

    Aus der Luft per Drohne erfolgt im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forst (LWG) in Freising auf einer Fläche von 430 Hektar eine Waldzustandserhebung des klimageschädigten Schwarzkiefernwaldes. Foto: Herbert Ehehalt

     Düster, ja beinahe resignierend, blickt der zuständige Revierförster Wolfgang Fricker auf einen mannshohen Stapel an gefällten Schwarzkiefern. Die Szenerie könnte symbolischer nicht sein, angesichts zahlloser schlafloser Nächte, die der Forst-Experte derzeit verbringt. Ursache sind die allgegenwärtigen Auswirkungen der klimatischen Veränderungen.

    Diesen auf den Grund zu gehen, hat sich zwischenzeitlich die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising zur Aufgabe gemacht, seit in Folge des Hitzesommers 2018 fortlaufend die Bäume in Deutschlands größtem Schwarzkiefernwald im Bereich der Gemeinden Leinach und Erlabrunn absterben. Nichtsdestotrotz geht Hans-Joachim Klemmt, Leiter der Abteilung Boden und Klima der LWF "nach wie vor von Schwarzkiefern als klimaresistente Baumart auch für die Zukunft aus." Diese Thesen bekräftigen soll eine intensive Untersuchung des betreffenden Bereichs, zu der derzeit die Kartierung per Drohnen-Beflug erfolgt.

    Ein Hotspot des Klimawandels

    Den vielfältigen Waldbestand der Gemeinde Leinach betrachtet Revierförster Wolfgang Fricker als einen Hotspot des Klimawandels. Vergleichbare Auswirkungen sind dem Förster aus seinem Zuständigkeitsbereich lediglich noch aus Greußenheim und Uettingen bekannt. Auf der Landkarte betrachtet, bilden diese Gemeinden eine fortlaufende Achse von Südwest in nordöstliche Richtung. Dieser Bereich wird bei Gewittern oder Unwettern zwar häufig verschont. Allerdings fehlt es im Umkehrschluss hier auch grundsätzlich an ausreichendem Niederschlag.

    Eine aktuell laufende Waldzustandserhebung im Bereich des Schwarzkiefern-Vorkommens soll jedoch noch weitaus tiefgründigere Ergebnisse liefern - und möglichst auch Strategien aufzeigen zur Sicherung des Waldbestandes. In diesem Zusammenhang wird nach Aussage von  Hans-Joachim Klemmt neben einer großflächigen Kartierung auch eine ernährungskundliche Untersuchung des Waldbodens durchgeführt. Hierbei wird unter anderem auch der, für die Keimung wichtige, vorhandene Calium-Anteil ermittelt.

    Drohne überfliegt 430 Hektar große Fläche

    Zur Kartierung kommt modernste Technik zum Einsatz, die der LWG in Freising erst seit Kurzem zur Verfügung steht. Per Drohne wird zunächst eine Fläche von 430 Hektar überflogen. Dieser Bereich erstreckt sich auf Leinacher Gemarkung vom Wartturm am Eschberg über den Mühlberg, Volkenberg, Königsberg, sowie über den Pfaffenberg und oberhalb des Hüttental auf die Gemarkung der Gemeinde Erlabrunn. Den zeitlichen Aufwand für die Ausgangskartierung schätzt Klemmt auf etwa zweieinhalb Wochen. Die Drohne verfügt über eine hochauflösende Kamera. "Dabei werden auf einer Fläche von jeweils fünf Hektar etwa 250 Aufnahmen erstellt. Um eine größtmögliche Erfassung zu gewährleisten, werden die Aufnahmen zu 85 Prozent überlagert. Somit kann mit hoher Sicherheit eine flächendeckende Dokumentation sichergestellt werden", erklärt Drohnen-Pilot Steffen Döring.

    Die Aufarbeitung der Daten am Computer wird wegen der großen Datenmenge mehrere Wochen dauern, schätzt Döring. Geschätzt müssen etwa 21500 Aufnahmen mit einem Umfang von annähernd einem Terabyte zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden. Eine stereoskopische Bildauswertung ermöglicht eine dreidimensionale Erfassung. Somit lassen sich Auffälligkeiten leicht lokalisieren und örtlich zuordnen.

    Schwarzkiefern nur noch in Mischkulturen

    Von der Kartierung verspricht sich Hans-Joachim Klemmt Erkenntnisse zum aktuellen Schadensausmaß, die Feststellung verschiedener Schädigungsgrade und einen Abgleich mit bereits vorhandenen Standort-Daten. Zudem ist bei künftigen Wiederholungen auch ein fortschreitender Verlauf erkennbar.

    Übereinstimmend gehen Hans-Joachim Klemmt und Revierförster Wolfgang Fricker davon aus, dass Schwarzkiefern grundsätzlich auch in Zukunft als klimaalternative Baumart angesehen werden können. Jedoch nicht in Monokulturen sondern in Mischkulturen, ergänzen die Experten einschränkend, noch bevor ein Ergebnis der Kartierung vorliegt. Nach Fertigstellung der Waldzustandserhebung wird das Bayerische Landwirtschaftsministerium die Ergebnisse veröffentlichen und daraus resultierende Strategie-Empfehlungen geben.

    Anhand einer Karte verdeutlicht der zuständige Revierförster Wolfgang Fricker dem Leiter der Abteilung Boden und Klima der LWF, Dr. Hans-Joachim Klemmt (links), die besonders stark geschädigten Bereiche des Schwarzkiefernwaldes. Foto: Herbert Ehehalt
    Per Drohne erfolgt im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forst (LWG) in Freising auf einer Fläche von 430 Hektar eine Waldzustandserhebung des klimageschädigten Schwarzkiefernwaldes. Im Hintergrund Revierförster Wolfgang Fricker, LWG-Vertreter Hans-Joachim Klemmt und Drohnen-Pilot Steffen Döring. Foto: Herbert Ehehalt
    Per Drohne erfolgt im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forst (LWG) in Freising auf einer Fläche von 430 Hektar eine Waldzustandserhebung des klimageschädigten Schwarzkiefernwaldes. Im Hintergrund Revierförster Wolfgang Fricker, LWG-Vertreter Hans-Joachim Klemmt und Drohnen-Pilot Steffen Döring. Foto: Herbert Ehehalt
    Aus der Luft per Drohne erfolgt im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forst (LWG) in Freising auf einer Fläche von 430 Hektar eine Waldzustandserhebung des klimageschädigten Schwarzkiefernwaldes. Foto: Herbert Ehehalt
    Aus der Luft per Drohne erfolgt im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forst (LWG) in Freising auf einer Fläche von 430 Hektar eine Waldzustandserhebung des klimageschädigten Schwarzkiefernwaldes. Foto: Herbert Ehehalt
    Düster, ja beinahe resignierend, blickt der zuständige Revierförster Wolfgang Fricker auf einen mannshohen Stapel an gefällten Schwarzkiefern. Foto: Herbert Ehehalt

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