• aktualisiert:

    PÜSSENSHEIM

    Eine Glocke ruft zum Frieden

    Der Vorstand des SKV mit den Gästen bei der Jubiläumsfeier. Foto: Foto Rainer Weis

    In einer kurzen Ansprache zur Festgemeinschaft erzählte Manfred Kuhn eine große Besonderheit in der 130-jährigen Geschichte des Soldaten- und Kameradschaftsvereins. Neun Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, am 3. April 1954 wurde die größte Glocke im Kirchturm der katholischen Kirche Allerheiligen eingeweiht. Sie wurde zum großen Teil vom damaligen Kriegerverein gestiftet.

    Die Bronzeglocke trägt in der Mitte die Inschrift: „Gemeinde Püssensheim ihren gefallenen und vermissten Kriegern zum Gedächtnis + 1957 + Und am unteren Glockenrand steht: „+ Mehr uns St. Kilian das Glaubenslicht + Den Toten Kriegern erfleh ein gnädig Gericht +“

    Diese Glocke wurde immer an den jeweiligen Todestagen der Gefallenen fünf Minuten lang vor den abendlichen Ave Maria geläutet. Letztmals in der Zeit von Klara Müller, als sie die Glocken bediente. Jetzt läutet die Glocke am Volkstrauertag, wenn der Bürgermeister am Ehrenmal den Kranz niederlegt. Manfred Kuhn: „Welcher Verein kann schon von sich sagen, dass er eine Glocke im Kirchturm hängen hat. Sie wird sicherlich noch läuten, wenn wir oder unser Verein nicht mehr existieren.“

    Ende des Jahres 1886 setzte sich eine Gruppe von so genannten Kampfgenossen und Veteranen des deutsch-französischen Krieges (1870/71) zusammen und beschloss, eine Art Kameradschaftsverein in Püssensheim zu gründen. Ziel dieses Vereins war es zunächst einmal, das neu gewonnene Zusammengehörigkeitsgefühl zu pflegen und die im Krieg gewonnenen Erfahrungen über Not und Leid auszutauschen, zu bewahren und an spätere Generationen weiterzugeben.

    Deshalb habe man einen Vereinsgründung angestrebt und am 1. Oktober 1887 diesen gegründet. Das erste Mitgliederverzeichnis führt 22 Namen auf, von denen sieben sofort zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Zum ersten Vorsitzenden wurde Josef Popp gewählt. Schriftführer war Jakob Böhm, Kassier Johann Hofmann. Familiennamen, die es heute noch in Püssensheim gibt.

    Die Vereinsfahne wurde am 3. September 1893 geweiht. Unvergessen bleibe die Rettung der alten Vereinsfahne durch den damaligen Vorsitzenden und Bürgermeister von Püssensheim Michael Böhm. Er hatte den Mut, die Fahne vor den einrückenden Amerikanern zu verstecken und sie trotz wiederholter Aufforderung nicht preiszugeben. Durch diese Tat blieb er 32 Jahre Vorsitzender. Er wurde aber als Bürgermeister 1945 durch die US-Militärregierung abgelöst. Das Wiederaufleben des Vereins nach dem Verbot während der Nazi-Zeit war am 31. Mai1953.

    In der langen Vereinsgeschichte hat sich der Name mehrfach geändert. Bei der Gründung 1887 hieß er Veteran-Krieger und Kampfgenossen-Verein, 1953 Krieger- und Veteranenverein Püssensheim, 1975 Krieger- und Kameradschaftsverein. Seit dem Beitritt in den Verein Bayerischer Soldatenbund 1874 am 16. Mai 1997 führt der Verein den Namen Soldaten- und Kameradschaftsverein Püssensheim (SKV). Seit dem 9. Januar 2014 ist der Verein auch im Vereinsregister eingetragen.

    Der jetzige Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Manfred Kuhn, 2. Vorsitzender Volker Böhm, Schriftführer Norbert Brand und Kassier Edmund Markert.

    Zur Feier waren neben vielen Bürgern Bürgermeisterin Birgit Börger, einige Gemeinderäte, die Vereinsvorstände von Prosselsheim und Püssensheim sowie einige Ehrengäste gekommen.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!