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    Güntersleben

    Eine Hochburg der Sozialdemokratie

    Die Proteste der der Sozialdemokratie nahe stehenden Bürgerinitiative Goliath gegen ein weiteres Munitionsdepot im Günterslebener Wald erreichten 1988/1989 weite Kreise der Bevölkerung Foto: SPD-OV

    Der ländliche Raum gilt gemeinhin als Heimspiel der Christlich-Konservativen. Blickt man jedoch genauer hin, ergibt sich ein differenzierteres Bild und es zeigt sich, dass es gerade im Landkreis Würzburg Hochburgen der Sozialdemokratie gibt: Mit dem SPD- Ortsverein von Güntersleben feiert nun eine ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum im Jahr 1919. Mit den beiden langjährigen Bürgermeistern Anton Kilian und Alfons Müller und als Konstante im Gemeinderat hat der Ortsverein entscheidend zur Entwicklung von Güntersleben beigetragen.

    Aus diesem Anlass feiert der Ortsverein seinen runden Geburtstag am Sonntag, 22. September, ab 11 Uhr in der Festhalle. Den Festvortrag hält kein geringerer als Sigmar Gabriel, der frühere Außenminister und Vorsitzende der Bundes-SPD. Mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Ortsvereins befassen sich die Günterslebener Sozialdemokraten Dr. Walter Kolb, Gemeinderat Gerhard Möldner und Fraktionsvorsitzender Maximilian Beck. Zum Jubiläum ist außerdem eine Festschrift erschienen, die über die Geschichte und die wichtigsten Akteure informiert.

    Wachsendes Selbstbewusstsein der Lohnarbeiter

    Bäuerlich strukturiert und von einem tiefgreifenden Katholizismus geprägt, blieb der Sozialdemokratie in Güntersleben anfangs wenig Spielraum. Lange dominierte die konservative Bayerische Volkspartei, der ausschließlich Landwirte angehörten. Allerdings zeigte sich das wachsende Selbstbewusstsein der vielen Lohnarbeiter, kleinen Handwerker oder Bauarbeiter, die oft in der Landwirtschaft beschäftigt waren, schon 1884 in einem Wahlergebnis von 28 Prozent.

    Darauf konnte der junge Ortsverein in der Weimarer Republik aufbauen. Von 1924 bis 1935 stellte die SPD mit dem Bauunternehmer Anton Kilian, der über eine gemeinsam mit der KPD aufgestellte "Arbeiterliste" gewählt wurde, den Bürgermeister. Nach dem Krieg fiel es den Sozialdemokraten dennoch schwer, wieder im Ort Fuß zu fassen. Bei den ersten Wahlen 1946 reichte es nur noch für einen Sitz im Gemeinderat.

    Die Gründung der Sozialistischen Jugend, den Falken, 1949 durch den Kriegsheimkehrer Rainer Spielnagel, später Geschäftsführer der Gewerkschaft ÖTV, war ein wichtiger Schritt, um die Basis zu erweitern. 1966 gelang dem gerade einmal 30 Jahre alten, studierten Volkswirt Alfons Müller schließlich das Kunststück, den langjährigen CSU-Amtsinhaber Karl Kunzemann als Bürgermeisterkandidat zu besiegen.

    Ortsentwicklung schritt voran

    Damit stand die nächsten 24 Jahre ein Genosse – zum Teil mit Wahlergebnissen von über 70 Prozent - an der Spitze des Ortes. Es herrschte Aufbruchstimmung. Der Nahverkehr, die Regulierung des Dürrbachs, neue Sportanlagen, der Bau der Mehrzweckhalle und die Ausweisung mehrere Baugebiete wurden zu entscheidenden Etappen in der Ortsentwicklung.

    Einen tiefen Einschnitt in die politischen Verhältnisse brachte das Jahr 1988. Damals wurden Pläne für ein zweitens Munitionsdepot im Günterslebener Wald bekannt, dem zwanzig Hektar Wald weichen sollten. Während sich unter Federführung der Ortsgruppe des Bund Naturschutz und dem Sozialdemokraten Dr. Walter Kolb die Bürgerinitiative Goliath gründete, spalteten sich von der CSU die Unabhängigen Bürger (UBG) ab. Die Gruppe stellt bis heute den Bürgermeister.

    Die Kandidaten der SPD erzielten in den folgenden Wahlen zwar gute Ergebnisse, blieben aber ohne entscheidenden Erfolg. Mit fünf oder sechs Räten ist der Ortsverein dennoch bis heute eine stete und aktive Größe im Gemeinderat.

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