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    Randersacker

    Eine Hoheit, die auch mal Hosen an hat

    Mit ihrem Krönungswein, einem Würzer, wollte Klara Zehnder bei ihrer Wahl im Vogel-Convention-Center in Würzburg das Publikum überraschen. Das ist der jungen Frau ebenso gelungen wie mit der Tatsache, dass sie sechs Fremdsprachen beherrscht und sich somit selbstbewusst auf offiziellem Parkett bewegen kann. Wie ist sie privat?

    Frage: Wir sitzen hier auf dem Rand von Balthasar Neumanns Badewanne in der Ortsmitte von Randersacker. Was macht die zu Ihrem Lieblingsplatz?

    Klara Zehnder: Um es ehrlich zu sagen, habe ich die Goldene Badewanne als Lieblings-Treffpunkt gewählt, weil sie einfach zu finden ist. Mein Lieblingsplatz befindet sich eher am Main an unserem Sandstrand, unter der Trauerweide - da finde ich es ganz schön. 

    Kennen Sie eigentlich das Lied "Die Wanne ist voll" von Helga Feddersen und Dieter Hallervorden?

    Zehnder überlegt: Nein, da muss ich passen.

    Was hat sich mit Ihrem Amt verändert? Gehen die Randersackerer jetzt anders mit Ihnen um als vorher?

    Zehnder: Es hat sich natürlich viel verändert. Ich würde nicht sagen, dass die Bürger anders zu mir sind, aber sie fragen natürlich viel nach, wie es mir gefällt, was ich so mache. Wenn ich durch den Ort laufe, bekomme ich schon viel Aufmerksamkeit. Insgesamt hat sich mein Leben sehr verändert, ich habe sozusagen keinen Alltag mehr, weil jeder Tag anders ist. Es warten immer neue Veranstaltungen auf mich, jeder Tag ist anders und das ist spannend. 

    Gibt es in Randersacker einen Bäcker, der eigens für Sie Königinnenbrezeln kreiert hat oder etwas ähnliches?

    Zehnder: Nee, das leider noch nicht.

    Vier Monate Ihrer Amtszeit sind um. Was waren bislang Ihr schönstes und Ihr schlimmstes Erlebnis?

    Zehnder: Ein schlimmstes Erlebnis hatte ich noch nicht. Ein schönstes Erlebnis fällt mir genauso schwer zu benennen, aber es gibt natürlich ein paar, an die ich mich sofort erinnere, wie beispielsweise die Best of Gold-Verleihung in Würzburg auf der Steinburg, wo wir die zehn besten Frankenweine ausgewählt haben. Ein weiterer außergewöhnlicher Termin war die Bischofsweihe  - das hat mich wahnsinnig beeindruckt. Ich durfte dem neuen Bischof ein Fass mit Silvaner übergeben und das hatte wohl noch keine Weinkönigin vor mir gemacht. Aufregend fand ich aber auch die Termine in Schwerin und Travemünde, wo ich mit den Winzern vom "Fränkischen Gewächs" war. Bislang war ich in dieser Gegend noch nie. Das war zwar ein bisschen mein Job, aber großenteils hat sich das wie Urlaub angefühlt.

    Ihre Vorgängerin Silena Werner hat Ihnen geraten, dieses Jahr zu leben, wie Sie es wollen. Gelingt Ihnen das?

    Zehnder: Ja, ich denke schon. Ich weiß natürlich nicht, wie meine Vorgängerinnen das angegangen sind, aber das ist wahrscheinlich auch gut so, weil jede ihren Weg finden soll. Und für die Mitarbeiter im Haus des Frankenweins, die sich gut um mich kümmern, kommt da ja auch jedes Jahr eine Neue. Da muss man halt zusammenfinden, aber das ist uns schnell gelungen. 

    Bleibt bei dem ganzen Terminstress noch Zeit für Familie und Freunde?

    Zehnder: Ab und zu schon. Im Juni und Juli ist natürlich super viel los. Das ist die Hochsaison für die Weinkönigin, aber ab und zu habe ich auch frei und kann mich mit meinen Freunden auf einen Kaffee treffen.

    Nervt Sie irgendetwas besonders an den offiziellen Terminen? Zum Beispiel Dirndl tragen?

    Zehnder: Auf den offiziellen Terminen trage ich auch Kleider sehr gerne. Ein Dirndl ist ja nicht unbedingt fränkisch und ich kann auch mal eine Hose auf Termin anziehen.

    Gibt es eigentlich Neid im Freundeskreis ob dieser tollen Gelegenheiten, die sich Ihnen nun bieten?

    Zehnder: Neid gibt es überhaupt nicht. Die freuen sich alle sehr für mich. Ich habe zum Beispiel eine Kommilitonin, die mir erzählt hat, dass ihre Mama überall in ihrem Freundeskreis erzählt, dass ihre Tochter mit der Fränkischen Weinkönigin befreundet ist und total mitfiebert.

    Wie gehen Sie überhaupt mit schwierigen oder unsympathischen Charakteren um?

    Zehnder: Das ist wie im echten Leben auch, mit manchen Menschen kommt man sofort zurecht, mit manchen muss man sich erst einmal ein bisschen warm quatschen. Es ist aber auch noch nie jemand auf mich zugekommen, der mich niedermachen wollte. Die meisten sind sehr offen und das macht es einem leicht, recht schnell ins Gespräch zu kommen. 

    Worüber können Sie am meisten lachen?

    Zehnder: Ich kann über vieles lachen (lacht). 

    Was schätzen Sie an Menschen?

    Zehnder: Wenn sie einfach ehrlich sind. Wenn sie sagen, ach, in Franken war ich schon mal oder in Bayern gibt es doch nur Bier, das kam auch schon vor. Da musste ich schon schmunzeln, aber dann klärt man die Leute auf, dass es hier in der Silvaner-Heimat wahrlich sehr gute Weine gibt. 

    Was ist Ihr Lieblingswein?

    Zehnder: Ich mag ganz gerne Gewürztraminer. Der ist so präsent. Wenn man ins Glas riecht, ist sofort etwas da. Er hat Power und die Aromen finde ich einfach ganz toll - das Würzige, das Rosige.

    Haben Sie ein Lieblingsbuch?

    Zehnder: Ich habe letztens ein Buch gelesen, das ich ganz toll fand. Das war "Sieger. Das Leben des Gerd Schönleber". Ich habe ihn in meiner Amtszeit getroffen, als er mir das Buch signiert hat. Ein toller Mensch. Er ist Paraolympic-Skifahrer und darin sehr erfolgreich. Das Buch beschreibt seine Geschichte, wie er bei einem Unfall seinen Arm verliert und den Mut zum Leben zurückfindet, sich bis zu diesem Starathleten entwickelt  - eine sehr beeindruckende Geschichte.

    Haben Sie einen Lieblingsfilm oder Genre?

    Zehnder: Ich finde "Blind Side" ganz toll mit Sandra Bullok, wofür sie auch den Oscar bekommen hat. Das ist ein so ergreifender Film, man kann lachen, gleichzeitig reflektiert man die Gesellschaft. Der Film zum Thema Integration mit seinen alltäglichen Themen wie Highschool und Football ist eine schöne Mischung für mich. Außerdem schaue ich gerne Football.

    Gilt das auch für Fußball? Haben Sie die Fußball-WM verfolgt? Und wenn ja, wegen des Spiels oder eher wegen der attraktiven Spieler?

    Zehnder: Zwei deutsche Spiele habe ich tatsächlich gesehen - von den dreien, die es gab (lacht). Eines habe ich in München geschaut, wo wir vorher noch die FRANK-Wein-Bar in der Residenz eröffnet haben und anschließend sind wir zum Public Viewing. Ansonsten habe ich geschaut, wenn ich Zeit hatte. Ich versuche am Ball zu bleiben - und ich kenne mich sogar mit den Regeln aus. Also so gesehen: ich schau mir Fußball um des Fußball willens an. Das entspannt mich sogar, ich nutze das, um runter zu kommen. Und nachdem es schnell keine deutsche Beteiligung mehr gab, war es umso entspannter.

    Sie machen gerne Zumba. Bleibt da noch Zeit für?

    Zehnder: In dieser Woche war ich seit längerem mal wieder beim Zumba. Wenn ich Zeit habe, tut es gut, sich auszupowern.

    Sie sprechen sechs Fremdsprachen? Welche sind das?

    Zehnder: Ursprünglich hat alles mit Latein angefangen. Darauf aufbauend habe ich Englisch, Französisch, Spanisch, Norwegisch und Portugiesisch gelernt - wenn Letzteres auch eher nur notdürftig. 

    Was ist Ihr nächstes Urlaubsziel?

    Zehnder: Ich habe noch gar keinen Urlaub geplant. Dieses Jahr wird es wohl auch nichts mehr werden, denn wie gesagt, mir ist das Amt sehr, sehr wichtig und ich hätte Angst, etwas zu  verpassen. Ich denke, Urlaub steht nach der Wahl meiner Nachfolgerin im kommenden März an. Dann können ja noch einige Skitage drin sein. 

    Möchten Sie den Titel der Deutschen Weinkönigin holen?

    Zehnder: Die Wahl der Deutschen Weinkönigin ist ja schon im September, fällt also mitten in meine Amtszeit. Mal schauen, was das wird. Ich gehe da auf jeden Fall unverkrampft rein. Wenn es klappt,freue ich mich sehr, und wenn nicht, dann kann ich noch mehr Termine als Fränkische Weinkönigin wahrnehmen. Ich bin mir -ehrlich gesagt - noch nicht ganz sicher, ob ich zurück an die Uni gehe. Vielleicht tun sich ja auch andere Gelegenheiten auf. Sollte ich zur Deutschen Weinkönigin gewählt werden, verlängert sich meine Amtszeit eh um ein halbes Jahr und dann müsste ich die Entscheidung über meine Zukunft ohnehin noch einmal vertagen.

    Haben Sie einen Traumberuf?

    Zehnder: Den Traumberuf schlechthin habe ich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass ich nach meinem Romanistikstudium noch eine Ausbildung mache oder weiterstudiere, um anschließend etwas in Sachen Tourismus zu machen. Da sind internationale Kontakte, die man über sechs Sprachen knüpfen kann, natürlich von Vorteil.

    Könnten Sie sich vorstellen, in die Politik zu gehen?

    Zehnder: Wenn überhaupt kommunalpolitisch, in die große Politik eher nicht. Aber ich glaube, ich sehe mich eher im Randersackerer Weinbauverein aktiv als im Kreistag.

    Ihre Familie betreibt Weinbau im Nebenerwerb. Sicher haben Sie seit Ihrer Kindheit mitgeholfen. Haben Sie auch schon mal gesagt, da habe ich jetzt aber so überhaupt keinen Bock mehr drauf?

    Zehnder: Auf Lese hatte ich schon immer Lust. Und jetzt seit meiner Amtszeit habe ich mich  natürlich auch um das Drumherum interessiert. Was passiert vor und nach der Lese. Ob ich jetzt den Winzer oder Kellermeister interessanter finde, kann ich gar nicht sagen, da wir ja nur Weinberge haben. Aber es gibt über beide Zweige immer etwas neues spannendes zu lernen.

    Wie handwerklich geschickt sind Sie? Sind Sie schon mal an einem Ikea-Regal gescheitert?

    Zehnder: Ich würde sagen, dass ich handwerklich ganz gut aufgestellt bin. Dabei bin ich mehr der Typ für Gröberes als für filigrane Bastelarbeiten. In Norwegen beispielsweise haben wir einen Hühnerstall gebaut und den komplett selbst zusammengezimmert. Der Hühnerstall steht noch und ich glaube ganz so untalentiert bin ich nicht.

    Wenn Sie Kummer haben, bei wem holen Sie sich Rat?

    Zehnder: Ich gehe oft zu meiner Mama oder eben auch zu Papa. Aber meistens hole ich mir Rat bei meiner Cousine, zu der ich einen ganz besonderen Draht habe.

    Gibt es Prinzipien, wonach Sie leben oder was Sie Ihren Kindern mitgeben würden?

    Zehnder: Dass man auf sich selbst achten sollte. Dass man mit der Entscheidung, die man trifft, gut leben kann und auch bei aller Kompromissbereitschaft dazu steht.

    Zur Person: Klara Zehnder
    Klara Zehnder, Jahrgang 1996, wuchs in Randersacker auf und stammt aus einem Nebenerwerbswinzerbetrieb. Nach dem Abitur begann sie ein Studium der Romanistik. Am 23. März stellte sie sich mit fünf weiteren Kandidatinnen der Wahl der Fränkischen Weinkönigin in Würzburg. Im zweiten Wahlgang wurde sie, aufgrund ihrer Fachkompetenz und Ausstrahlung, als Nachfolgerin von Silena Werner aus Stammheim, gewählt. Im September wird sie auch an der Wahl zur Deutschen Weinkönigin teilnehmen.
    Das Sommerinterview 
    Für unsere Reihe "Sommerinterview" haben wir Menschen aus der Region Würzburg gebeten, sich mit uns an ihrem Lieblingsplatz zu treffen.

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