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    FUCHSSTADT

    Einkorn und Emmer für den Naturschutz

    Emmer, Einkorn, Mohn, Rotkornweizen, Gelbweizen, Dinkel – uralte Kulturpflanzen haben es Helmut Kleinschroth angetan. Immer wieder versucht sich der experimentierfreudige Landwirt an neuen alten Sorten. Für seine naturnahe Wirtschaftsweise bekam er jüngst die Auszeichnung „Naturschutzpartner Landwirt“.

    Sanft wiegen sich die schwarzen Ähren mit den langen Grannen im Sommerwind. Der Schwarzemmer wächst inzwischen schon seit fast zehn Jahren in Fuchsstadt. Bis er reif ist, wird es aber noch bis Ende Juli dauern. Den Urweizen hat Landwirt Helmut Kleinschroth beim Verein „Artenreiches Land“ in Feuchtwangen entdeckt, der sich schon seit Jahren um die Wiedereinführung bemüht.

    Uralte Sorte ist gut für die Hasen

    Die uralte Sorte kommt auch mit schwierigen und trockenen Böden gut zurecht. Auch darf man nicht zu dicht säen, denn die Pflanze wird sehr hoch, weiß der Landwirt. Gut für Hasen und Rebhühner, die sich hier pudelwohl fühlen. Ein im Altmühltal gebrautes Emmer-Bier heißt deshalb auch Rebhuhn-Bier.

    Gleich neben dem Emmer wächst Einkorn, das Urgetreide schlechthin, auf einem 1,5 Hektar großen Feld. Zwischen den filigranen Pflanzen, die eher an Gras als an Getreide erinnern, leuchten immer wieder Dinkelähren hervor. Die waren im Saatgut mit dabei und lassen sich bei der Ernte schlecht herausreinigen, da Dinkel auch ein Spelzgetreide ist, sagt Kleinschroth.

    Urgetreide ist reicher an Vitaminen

    Ertragsmäßig können die Urgetreide den modernen Hochleistungssorten nicht das Wasser reichen. Dafür punkten sie bei den Inhaltsstoffen mit einem dreifach höheren Gehalt an Vitaminen. Und sie müssen nicht gedüngt und mit Chemikalien behandelt werden. „Nur den Emmer müssen wir gegen den Rostpilz spritzen, sonst ernten wir nichts“, erklärt der Landwirt.

    Dass die Urgetreide ganz ohne Dünger auskommen, hat noch einen weiteren entscheidenden Vorteil für die Umwelt. „Für das Würzburger Wasserschutzbrot wird der Weizen mit 150 Kilogramm Stickstoff pro Hektar gedüngt, wir düngen gar nichts, das ist noch viel besser für das Trinkwasser“, meint Kleinschroth. Für ihn selbst ist das folgende besonders wichtig: „Alle alten Sorten kann ich ohne Probleme selbst nachbauen und bin damit unabhängig von Monsanto und Co.“ Und den Minderertrag kann er durch einen höheren Preis auf dem Markt ausgleichen.

    Emmer und Einkorn sind gut für Allergiker

    Zur Unkrautbekämpfung und Stickstoffbindung hat Kleinschroth Weißklee mit eingesät. Doch der hat die Trockenheit der letzten Wochen nicht überlebt. Im vergangenen Jahr war das anders und der Landwirt konnte damit den Ertrag beim Einkorn steigern. Wird das Getreide Mitte August gedroschen, bleibt der Weißklee als Zwischenfrucht stehen und wird im Herbst als Gründünger mit eingepflügt.

    Rund 10 000 Jahre sind Emmer und Einkorn schon alt, ohne dabei eine züchterische Veränderung erlebt zu haben. „Je älter ein Getreide ist, umso weniger Gluten hat es. Sie sind nicht komplett glutenfrei, aber glutenarm“, erläutert er. Gut also auch für Allergiker.

    Auf dem Mohnfeld tummeln sich Insekten

    Ohne Fungizide und Herbizide kommt auch der Mohn aus, den der Fuchsstädter Landwirt auf rund sechs Hektar anbaut. Einzig eine Düngung mit Stickstoff braucht die alte Kulturpflanze. Gerade fängt er an, seine leuchtend rosa Blüten zu zeigen. „Der Bestand steht in diesem Jahr gut und ist eine absolute Bienen- und Hummelweide“, sagt Kleinschroth. Aber nicht nur das. Auch andere Insekten fühlen sich hier wohl, das ganze Feld lebt, es summt und brummt überall.

    Neuerdings nimmt Kleinschroth auch an einer Studie der Uni Bonn über den Mohnanbau in Deutschland teil. Dabei geht es unter anderem auch um den Austausch von Informationen, um Vermarktung und Anbaukriterien.

    Ackerränder mähen statt mulchen

    Stolz ist Kleinschroth auf den kürzlich in München erhaltenen Preis „Naturschutzpartner Landwirt“. Denn außer den Anbau von alten und außergewöhnlichen Kulturen hat er noch mehr Naturschutzmaßnahmen in seinen Alltag integriert. „Bei uns werden die Ackerränder nicht gemulcht, sondern gemäht, und das auch nur zweimal im Jahr“, sagt er.

    Beim Mulchen werden nämlich alle Insekten zerstört, gibt er zu bedenken. Deshalb dürften Weg-, Straßen- und Grabenränder nicht mehr gemulcht werden, das gehöre verboten, meint der Landwirt.

    Beim Wettbewerb „Naturschutzpartner Landwirt“ konnten landwirtschaftliche Betriebe teilnehmen, die sich freiwillig am Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) beteiligen oder sich anderweitig besonders für naturschutzfachlich wertvolle Tier- und Pflanzenarten sowie alte Rassen und Sorten einsetzen. Ziel des Wettbewerbs „Naturschutzpartner Landwirt“ ist es, vorbildliche Möglichkeiten für eine naturschonende Bewirtschaftung artenreicher Äcker, Wiesen und Weiden aufzuzeigen und innovative Kooperationen zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus zu fördern, heißt es in einer Pressemitteilung des bayerischen Bauernverbandes.

    Weitere Informationen unter www.natur.bayern.de

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