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    Kirchheim

    Einsatzübung: Ein Güterzug erfasst mehrere Fahrzeuge

    Als Übungsszenario hat ein Zug am Bahnübergang zwischen Kirchheim und Gaubüttelbrunn mehrere Autos erwischt. Foto: Christian Ammon

    An einem beschrankten Bahnübergang erfasst ein Güterzug zwei Autos und schleift sie mit. Ein Linienbus kann gerade noch ausweichen. Es dauert nicht lange, bis die ersten Helfer eintreffen und sich der provisorisch eingerichtete Ablageplatz mit Verletzten füllt. Doch noch immer rufen Menschen um Hilfe. Einige liegen auf den Gleisen, sind in einem der beiden verunglückten Autos eingeklemmt oder liegen im Bus. Andere irren umher, machen den Einsatzkräften Vorwürfe. Gut 50 Verletzte sind von einem Moment auf den anderen zu bergen und zu versorgen. Für Außenstehende ist kaum zu erkennen, dass es sich hierbei um eine Übung der Kreisbrandinspektion handelt. So realistisch ist das Szenario gestaltet.

    "Eine Übung mit katastrophalen Ausmaßen und einer derart realitätsnahen Gestaltung haben wir nur alle paar Jahre", erklärt Kreisbrandrat Michael Reitzenstein (KBR). Besonderes Augenmerk habe bei der Einsatzübung "Muschelkalk" am Bahnübergang zwischen dem Kirchheim und Wittighausen auf der  bayerischen Richtlinie zur "Bewältigung von Schadensereignissen mit einem Massenanfall an Patienten" gelegen. Auch mussten sich nicht nur mehrere Feuerwehren aus der Umgebung, die Rettungsdienste und Notärzte miteinander abstimmen. Auch war es nötig, grenzübergreifend zusammenzuarbeiten und auch den Notfallmanager der Bahn, um die Hochspannungsleitung abzuschalten, einzubinden.  "Die Zusammenarbeit hat hervorragend geklappt", stellten er und der Einsatzleiter des Bayerischen Roten Kreuzes Paul Justice später fest. "Das war überhaupt nicht selbstverständlich."

    Minuten allein vor Ort vergingen quälend lang

    Die gesamten Planungen seien streng geheim verlaufen, sodass sie auch für die etwa 300 Helfer, die zum Einsatz kamen, überraschend gewesen sei. Ihnen war anzumerken, dass dies gelungen ist. Einer, der schon sehr früh mit dem eigenen Pkw am Einsatzort eintraf war Edwin Engert. Der erfahrene Feuerwehrmann aus Gaubüttelbrunn war selber gefahren, da die Einsatzfahrzeuge der Wehr, die mit 23 Feuerwehrleuten ausgerückt war, voll waren. Unerwartet befand er sich an dem havarierten Zug mit drei Verletzten, die unter Schock stehen. Was tun? Einen kurzen Moment der Ruhe nutzt er, um eine Decke aus dem Auto zu holen und die Verletzten mit seiner Einsatzjacke zu bedecken. "Es war keiner da und ich konnte kaum mehr tun, als erste Hilfe leisten und zu beruhigen", erzählte er nach der Übung. Die Minuten, die er allein vor Ort war, seien quälend lang gewesen.

    Was für den außenstehenden Beobachter wie eine gravierende Panne wirkte, hatte jedoch System. "Er hat getan, was er tun konnte", berichtet später Franziska Heck, die die junge Frau als Darstellerin spielte. Zuvor seien schon zwei Helfer dagewesen und hätten die junge Frau mit einer an die Stirn geschminkten blutigen Wunde und Schürfwunde am Bein als "mittelschweren Fall" eingestuft, was so viel bedeute wie: Andere, schwer und lebensgefährliche Verletzte gehen zunächst vor. Ihre Hilferufe und gespielte Verzweiflung gehörten denn auch zur Rolle als Opfer, erklärt sie. Geschult wurde sie dafür bei der BRK-Bereitschaftsgruppe in Schweinfurt.

    Ähnliche Unfälle sind jederzeit möglich

    Als Ideengeber und frühzeitig in die Planungen mit eingebunden waren die beiden Bürgermeister Marcus Wessels aus Wittighausen und Björn Jungbauer aus Kirchheim. Beide waren sich einig, dass die Übung gelungen ist. Ähnliche Unfälle seien jederzeit möglich. Um so wichtiger sei es, vorzusorgen, erklärten beide: Sowohl diesseits als auch jenseits der Grenze setzen die Gemeinden auf eine moderne Ausrüstung mit Einsatzfahrzeugen, Schere und Spreizer.

    Mit dem Bahnübergang, der in einer Kurve liegt, werden sie auf weiteres leben müssen. Bei 1200 Fahrzeugen am Tag bestehe kein Bedarf, erklärte Wessels, der im Zuge der Sanierung der Staatsstraße vergeblich bei der badischen Landesregierung darauf gedrängt hatte, dass zumindest zwei scharfe Kurven begradigt werden.

    Während die Helfer inzwischen wieder im Alltag angekommen sind, sind die Organisatoren nun dabei, die vielen gesammelten Informationen auszuwerten: Erstmals waren einige mit am Körper getragenen, kleinen Kameras ausgestattet. Auch hatten die Johanniter eine Drohne im Einsatz. Einen Punkt, bei dem es nachzuarbeiten gilt, konnte Reitzenstein auf Anhieb nennen: Es gibt im Landkreis nur ein Fahrzeug für die Einsatzleitung. Stationiert in Rottendorf, benötigte es bis an die Landesgrenze eine drei Viertelstunde. Es traf erst ein, als ein Großteil der Arbeit bereits erledigt war.

    Die Helfer der Feuerwehren und Rettungsdienste müssen knapp 50 Verletzte bergen und versorgen. Foto: Christian Ammon
    Es gibt im Landkreis nur ein Fahrzeug für die Einsatzleitung. Foto: Christian Ammon
    Mit dem Bahnübergang, der in einer Kurve liegt, werden die Gemeinden leben müssen. Foto: Christian Ammon
    Gemeinden setzen auf eine moderne Ausrüstung mit Einsatzfahrzeugen, Schere und Spreizer. Foto: Christian Ammon

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