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    WÜRZBURG

    Eintauchen ins zerstörte Würzburg

    Julian Michel veranschaulicht mit seinem Projekt „Monument“ anhand eines interaktiven Mediums die Bombennacht in Würzburg am 16. März 1945.FHWS/ JULIAN MICHEL Foto: Foto:

    Flugzeuge der Royal Airforce fliegen über das zerstörte Würzburg. Dunkle Wolken werfen ihre Schatten auf die Altstadt. In der Ferne sind Bombeneinschläge zu hören. Mit seinem Projekt „Monument“ stellt Julian Michel den 16. März 1945 durch Fotoaufnahmen so unmittelbar dar, wie kaum ein Geschichtsbuch oder eine Dokumentation es vermag.

    Der 23-Jährige studiert Kommunikationsdesign im siebten Semester an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Das Modell der Zerstörung ist als Semesterprojekt im Bereich interaktive Medien entstanden und war erstmals bei der Ausstellung der Fakultät Gestaltung im Februar zu sehen. In Michels Installation nimmt der Betrachter die Vogelperspektive ein und hat dabei selbst in der Hand, welche Teile der zerstörten Stadt er ansieht.

     

    Möglich macht das ein „Gesten-Controller“, der die Bewegungen der Hand erkennt. Also eine neue Art für den Betrachter, mit einem Computer zu interagieren. Das Bild Würzburgs wird mit einem Beamer auf einen mit Jerseystoff bespannten Tisch projiziert. Durch eine Handdrehung kann der Betrachter dann zwischen dem historischem und dem aktuellem Luftbild wechseln.

    Die aktuelle Aufnahme aus der Luft bekam Julian Michel vom Vermessungsamt in Würzburg, die historische Aufnahme hat er aus einzelnen Luftbildern, die er aus dem Stadtarchiv bekam, zusammengeschnitten.

    Taucht man die Hand weiter in den flexiblen Stoff hinein, zoomt man damit näher an das Luftbild heran. An 30 verschiedenen Orten kann man sogar so weit eintauchen, dass das Bild zu einer Detailaufnahme wechselt.

    Um auch hier einen Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen, hat Michel alle 30 Orte aufgesucht und sie aus der gleichen Perspektive wie in den Aufnahmen von 1945 fotografiert, so zum Beispiel die Residenz. „Das ganze habe ich noch akustisch untermalt. Sobald man sich aber eine Detailaufnahme ansieht, verstummt die Musik und man hat einen Moment der Stille“, erklärt Michel.

    Der Name „Monument“ hat zwei Bedeutungen: Einerseits will der FH-Student mit seinem Projekt zum 70. Jahrestag der Zerstörung ein Denkmal setzen. Andererseits sind Fotografien immer auch Momentaufnahmen. Und genau darum geht es Michel: Man soll bei „Monument“ den Moment erleben können, der Würzburgs Geschichte ausmacht.

    Auf die Idee kam Michel durch die Schwarzweiß-Fotografien seiner Großmutter. „Ich finde es spannend wie sich die Architektur im Laufe der Zeit verändert hat.“ Den Abend des 16. März 1945 habe seine Großmutter aus sicherer Entfernung erlebt. Ihre Erinnerung an den Tag war die riesige Rauchwolke über Würzburg.

    Mit seinem Projekt möchte der junge Kommunikationsdesigner auch die jüngere Generation ansprechen. „In der Schule hatte ich keinen Zugang zu Geschichte, weil es nur darum ging Fakten zu lernen“, sagt Michel. Deshalb habe er bewusst auf Zahlen verzichtet, um nur die Bilder sprechen lassen. „Fotos verschönern nichts und zeigen nur die rationale Wahrheit. Alles andere lenkt nur ab.“ Genau deshalb könne der Betrachter auf emotionaler Ebene berührt werden.

    Seine Installation stellte Michel erstmals bei der Ausstellung „Bergwerk 311“ der FH-Fakultät Gestaltung aus. Anschließend schnitt er noch ein Video zusammen, um es auch im Internet präsentieren zu können. Noch in diesem Jahr will er seine Arbeit im „einraum.atelier“ in der Laufergasse 14 ausstellen. Das Atelier wird unter anderem von Michels Brüdern betrieben. Dann kann jeder Interessierte in die Geschichte Würzburgs eintauchen.

     
    Fast zum Greifen: Julian Michel und sein interaktives Zerstörungsmodell zum 16. März.THERESA MÜLLER Foto: Foto:

    Kristin Bässe

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