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    Eisenheim / Würzburg

    Eisenheim-Prozess: Verkehrsclub für schnellere Fahrverbote

    Auf dieser Verbindungsstraße bei Untereisenheim (Lkr. Würzburg) erfasste ein betrunkener Fahranfänger eine 20-Jährige tödlich. Foto: Patty Varasano

    Knapp zwei Wochen nach dem Urteil im sogenannten Eisenheim-Prozess um den Tod einer 20-jährigen Fußgängerin im April 2017 ist noch nicht absehbar, wann der Fall erneut verhandelt wird. Derzeit warte man noch auf die schriftliche Urteilsbegründung, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Würzburg, Boris Raufeisen. Mit einer Verhandlung vor dem Landgericht rechnet er "eventuell in drei oder vier Monaten".

    "Früher, strenger und schneller" die Fahrerlaubnis entziehen

    Staatsanwaltschaft und Familie der Getöteten hatten noch am Tag des Urteils Berufung eingelegt. Das Jugendschöffengericht hatte vier junge Männer, darunter den damals 18-jährigen stark betrunkenen Unfallfahrer, zu Geldstrafen verurteilt. Die Strafen wurden von der Öffentlichkeit als zu milde wahrgenommen. Nicht wenige forderten strengere Gesetze.

    In diese Kerbe schlägt nun der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Mit Blick auf den Eisenheim-Prozess, aber auch vor dem Hintergrund der laufenden Hauptverhandlung um den tödlichen Unfall von Hettstadt (Lkr. Würzburg), fordert der VCD-Kreisverband Mainfranken-Rhön in einer Pressemitteilung, es müsse "früher, strenger und schneller die Fahrerlaubnis entzogen bzw. nicht mehr erteilt werden", wenn "aufgrund einer Sucht oder anderen Erkrankung die Fahreignung nicht mehr gegeben" sei.

    Ärzte unter Umständen von der Schweigepflicht entbinden

    In Deutschland werde mit Raserei und Fehlverhalten im Straßenverkehr "viel zu lasch" umgegangen, so Christian Loos vom VCD gegenüber dieser Redaktion. Als Arzt halte er es für notwendig, dass Autofahrer regelmäßig und verpflichtend ihre Fahrtauglichkeit unter Beweis stellen. Sei die Fahrerlaubnis einmal erteilt, "prüft da bisher keiner mehr nach", kritisiert Loos.

    Doch gerade gesundheitliche Einschränkungen könnten auch "schleichend" kommen. Wenn ein Arzt um die Erkrankung eines Patienten weiß, wegen der er "eigentlich nicht fahren kann, aber es weiter tut", dann sollten Ärzte das melden können, kritisiert der Neurologe die derzeitige Gesetzeslage zur ärztlichen Schweigepflicht. Loos hat dabei den Unfall von Hettstadt im Sinn: Hier hatte ein Autofahrer, der unter Epilepsie leidet, im Januar 2018 das Bewusstsein verloren und eine 26-jährige Spaziergängerin tödlich erfasst.

    Eine Engelsfigur, ein Grablicht und ein an einem Baum befestigtes Kreuz erinnerten nach dem Unfall auf dem als Gemeindeverbindungsstraße zwischen der Gemeinde Hettstadt und der B8 gewidmeten Gehägsweg an das tragische Ereignis. Foto: Herbert Ehehalt

    "Mentalitätstest" für Fahranfänger

    Im Zusammenhang mit dem Unfall von Eisenheim kritisiert Loos, dass bei jungen Leuten beim Führerscheinerwerb nicht auch "die sittliche Reife" überprüft werde. Es fehle eine Art "Mentalitätstest", ob man die notwendige "Reife habe oder ein Hitzkopf" sei.

    Dem VCD gehören in Unterfranken rund 500 Mitglieder an. Der Verein setzt sich für umweltbewusste und nachhaltige "Mobilität für Menschen" ein – insbesondere für den Rad- und Fußverkehr und den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs.

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