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    Würzburg

    Eislauftrainer Fajfr: Misshandlung vermutlich kein Einzelfall

    Vorwürfe gegen Eiskunstlauftrainer Karel Fajfr: Der DEU liegt ein weiterer aktueller Fall vor.   Foto: Radek Pietruszka, dpa

    Hat Eiskunstlauftrainer Karel Fajfr im Bundesleistungszentrum in Oberstdorf Isaak Droysen körperlich und seelisch misshandelt? Der Fall des Würzburger Sportlers, über den diese Redaktion Ende Juli zuerst berichtete, wird mittlerweile bundesweit medial verfolgt. Aufgrund der ersten Berichte leitete die Polizei Vorermittlungen ein. Inzwischen, so bestätigt Sprecher Michael Zimmer vom Polizeipräsidium Unterfranken, habe man mit dem 19-jährigen Isaak Droysen gesprochen und den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Die prüft aktuell, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen Trainer Karel Fajfr einleitet. 

    Der Trainer indes betont gegenüber dieser Redaktion: "Ich habe Isaak Droysen zu keinem Zeitpunkt geohrfeigt, geschlagen oder gedemütigt und auch keine andere Form von physischer oder psychischer Gewalt gegen ihn ausgeübt." Der 75-Jährige hat laut Schreiben seines Anwalts Strafanzeige gegen Droysen wegen Verleumdung und vorsätzlich falscher Verdächtigung gestellt. Fajfr war 1995 in einem aufsehenerregenden Prozess vom Landgericht Stuttgart unter anderem wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen zu einer zweijährigen Haftstrafe und einem dreijährigen Berufsverbot verurteilt worden. Die Misshandlungen hatten zum größten Teil im Training  stattgefunden. 

    Der DEU liegt ein weiterer Fall vor 

    Im Bundesleistungszentrum in Oberstdorf herrscht seit Bekanntwerden der Vorwürfe Droysens frostige Stimmung. Fajfr-Kritiker wie Fajfr-Befürworter meldeten sich bei dieser Redaktion und äußerten sich. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) indes hat auf etliche Fragen der Redaktion - etwa, ob Fajfr als freiberuflicher Trainer dem Ehrenkodex unterliegt oder bezuschusst wird - seit Monaten nicht geantwortet, man behalte sich eine Stellungnahme vor. Eine Stellungnahme auf der Internetseite des Verbandes sorgte dann zuletzt für Aufruhr in der Eislaufszene: Der Verband versprach darin eine lückenlose Aufklärung des Falles, stellte sich aber gleichzeitig deutlich gegen den Würzburger Sportler. Mittlerweile löschten die Verantwortlichen ihre Behauptung, es lägen der DEU keine Aussagen vor, die Isaak Droysens Vorwürfe stützen.  

    Üble Beschimpfungen gegen Droysen

    Aktuelle Recherchen dieser Redaktion decken sich mit Berichten der Berliner Tageszeitung taz, nach denen Isaak Droysen nicht das einzige Opfer des Trainers in jüngster Zeit ist. Nach Informationen dieser Redaktion liegt der Deutschen Eislauf-Union schon seit längerem ein weiterer Fall vor: schwere Vorwürfe einer ehemaligen Läuferin gegen Trainer Karel Fajfr. Dessen Anwalt Thomas Eichhorn erklärte dazu auf Anfrage, dass bislang nichts offiziell an ihn oder seinen Mandanten herangetragen worden sei, insofern aktuell auch keine Stellungnahme dazu erfolgen könne. 

    Der Name der Läuferin ist der Redaktion bekannt, sie entschied sich ganz bewusst, nicht öffentlich über ihre Erfahrungen mit Fajfr zu sprechen. Zu heftig fallen die Reaktionen gegenüber Fajfr-Kritiker derzeit aus. In der Eislaufszene haben sich bundesweit zwei Lager gebildet, es wird mit harten Bandagen gekämpft. So erklärte der Vizepräsident des Eissportclubs Oberstdorf und Vater einer Tochter, die seit fünf Jahren bei Fajfr trainiert, gegenüber dieser Redaktion, die Vorwürfe Isaak Droysens seien "erstunken und erlogen" und eine "Schande". Er werde für Droysen Hausverbot beantragen in der Eishalle.            

    "Wir haben keinen Zugriff auf die Eislauftrainer, wir können immer nur wieder appellieren, das Verhalten zu ändern."
    Florian Kuiper, Leiter des Skiinternats in Oberstdorf 

    Diesen Aussagen setzt nun der Geschäftsführer des Skiinternats, das unmittelbar an die Oberstdorfer Eishalle angrenzt und in dem auch Eisläufer und Eisläuferinnen wohnen können, auf Anfrage entgegen, dass es einen zweiten Fall mit Vorwürfen gegen Fajfr jüngeren Datums gebe. Dieser Fall, so Florian Kuiper, habe dazu geführt, dass das Internat keine Fajfr-Schüler mehr aufnehme. "Wir haben keinen Zugriff auf die Eislauftrainer, wir können immer nur wieder appellieren, das Verhalten zu ändern", erklärt Kuiper, der auch Bundesstützpunktleiter Ski Nordisch in Oberstdorf ist. Aktuell wohne eine Eisläuferin im Internat. Sie trainiert nicht bei Fajfr.  Kuiper betont: "Die jüngsten Vorwürfe haben sich nicht direkt im Internat ereignet." Er sagt auch: "Ich würde mich freuen, wenn die betroffene Eisläuferin den Mut aufbringt, sich selbst dazu zu äußern."        

    Fajfr: Seit elf Jahren Hausverbot im Internat

    Zu den Räumen des Internats hat Trainer Karel Fajfr keinen Zutritt mehr. Gegen ihn wurde schon 2008 ein Hausverbot verhängt. Es habe Vorfälle gegeben, so Internatsleiter Kuiper, "die aus pädagogischer Sicht und dem Bereich der Privatsphäre nicht mit unseren Leitsätzen und Überzeugungen in Einklang zu bringen waren." Was genau geschehen sei, könne er nicht sagen, das sei vor seiner Zeit gewesen. Fajfrs Anwalt Thomas Eichhorn erklärt indes zum Hausverbot auf Anfrage, dass Fajfr damals vom Parkplatz  an der Eishalle aus gesehen habe, dass in den Zimmern seiner Sportlerinnen nach 22 Uhr noch Licht brannte. "Er ist dann in ihre Zimmer gegangen und hat sie ermahnt, Ruhe zu geben, damit sie ausgeruht am nächsten Morgen zum Training kommen können", so Eichhorn. "Das war eine erzieherische Maßnahme."

    Konfrontiert mit schweren Vorwürfen von ehemaligen Schülern: Eiskunstlauftrainer Karel Fajfr. Foto: Imago Sportfotodienst

    Tägliches Wiegen mit Fajfr im Internat 

    Zum Hausverbot habe zudem der Umstand geführt, dass Fajfr täglich im Internat das Körpergewicht seiner Athletinnen überprüft habe. "Das ist wichtig, weil sich bei Gewichtszunahme die Sprünge nicht mehr wie gewünscht darstellen lassen", erklärt der Anwalt. Laut Schilderung seines Mandanten habe es damals nur im Internat eine Waage gegeben. Fajfr sei zum Wiegen mit den Mädchen dort in einen meist abgeschlossenen Physiotherapie-Raum gegangen, für den er sich vorher den Schlüssel geholt habe. "Diese Vorfälle stehen aber in keinem Zusammenhang mit Vorwürfen hinsichtlich physischer und psychischer Übergriffe", so Eichhorn, das weise sein Mandant entschieden zurück.   

    Derweil hat es laut Informationen der Redaktion Gespräche zwischen Vertretern der DEU und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gegeben. Man wolle gemeinsam versuchen, eine Lösung im Fall Droysen zu finden. Die DEU agiert unter dem Dach des DOSB. Schon zu Beginn der Recherchen über Fajfr Anfang des Jahres waren deutliche Differenzen im Umgang mit dem einstigen Skandaltrainer aufgefallen: So nimmt der DOSB Fajfr nach wie vor nicht mit zu Olympischen Spielen, während die DEU den Standpunkt vertritt, jeder habe eine zweite Chance verdient.

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