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    Rottendorf

    Erdaushub am Bahnhof soll entsorgt werden – doch wer zahlt?

    Mittlerweile grün zugewachsen: Die Erdhaufen am Bahnhof in Rottendorf. Doch wer zahlt für deren Entsorgung?  Foto: Thoma...

    Fast ein Jahr ist vergangen seit am Rottendorfer Bahnhof große Erdhaufen liegen.  Auf den ersten Blick  wirken die mittlerweile grün bewachsenen Erhebungen wenig spektakulär, doch in ihnen befindet sich mit Schadstoffen belastetes Material – ein Überbleibsel vom Bau des Pendlerparkplatzes. Wer diese mit teerhaltigen Substanzen kontaminierten Haufen entsorgen soll, war bisher strittig. Nun bringt ein Entschluss des Rottendorfes Gemeinderats neuen Schwung in die Angelegenheit. 

    Gemeinde will in Vorleistung gehen

    Ursache für die Streitigkeiten: Das Grundstück, von dem der Erdaushub stammt, gehört immer noch der Deutschen Bahn und ist lediglich gepachtet. Ursprünglich wurde mit Kosten zwischen 60 000 und 80 000 Euro für die Entsorgung des Erdaushubs gerechnet. Doch dann hat die Fachfirma "A&K - UmweltConsult" aus Volkach festgestellt, dass sich mehr Schadstoffe im Aushub befinden als vermutet, wodurch eine besondere Form der Entsorgung nötig wird. Die geschätzten Kosten dafür liegen nun deutlich höher bei 230 000 Euro.

    Im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatsitzung am 13. Juli wurde nun einstimmig beschlossen, dass die Gemeinde dafür in Vorleistung gehen kann. Dies hat der Rottendorfer Bürgermeister Roland Schmitt (CSU) auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt. 

    Bahn soll einen Teil der Kosten übernehmen

    Der Auftrag zur Entsorgung des mit Schadstoffen belasteten Erdreichs könnte nun also an eine Fachfirma vergeben werden, nachträglich will sich die Gemeinde dann einen Teil der Kosten von der Deutschen Bahn zurückerstatten lassen. Bevor dies geschieht, will die Gemeinde jedoch noch einmal das Gespräch mit der Deutschen Bahn suchen. 

    "Wir sind auch dafür, dass das Material zeitnah ordnungsgemäß und sachgerecht entsorgt wird. Aber die Bahn ist verpflichtet ihren Teil beizutragen", betont Schmitt. Denn das teerhaltige Material wäre deutlich vor 2015 eingebracht worden - und damit vor Abschluss des Pachtvertrages. Bisher habe sich der Konzern jedoch geweigert. "Ich hoffe, dass wir uns einigen können." Das Gespräch mit der Bahn wolle man allerdings mit Rechtsbeistand bestreiten.

    Eine Kostenübernahme durch die Deutsche Bahn, wie das von der Gemeinde gewünscht werde, könne nicht zugesagt werden, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage dieser Redaktion. "Unserer Ansicht nach sind die Baukosten, und dazu gehört auch der Aushub, grundsätzlich immer vom Bauherrn zu tragen." 

    Gefahrenquelle?

    "Jetzt wird der böse Bube hin und her geschoben, keiner fühlt sich verantwortlich", schreibt der Rottendorfer Franz Baumann in einer E-Mail an diese Redaktion. "Die Gemeinde sollte schnellstmöglich diese Gefahrenquelle beseitigen." Die Möglichkeit, dass Kinder die Erdhaufen als Ort zum Spielen missverstehen, sei nicht auszuschließen. Selbst die Bauzäune, die aufgestellt wurden, hielten Kinder nicht davon ab, das Gelände zu erkunden. 

    Wie dringlich die Entsorgung des Erdaushubs wirklich ist, ist fraglich. "Nach der europäischen Abfallverzeichnis-Verordnung gehört dieser zum nicht-gefährlichen Abfall. Dem muss man schon Rechnung tragen", sagt Rainer von der Stein, Geschäftsführer von "A&K - UmweltConsult". Die fachgerechte Entsorgung auf einer Deponie sei jedoch notwendig. Laut dem Experten befinden sich teerhaltige Substanzen in dem Erdaushub. Das sei typisch für Gleisbereiche. 

    In Teer befinden sich sogenannte Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserregend gelten. Die PAK-Konzentration müsste unter 1000 Milligramm pro Kilogramm liegen, damit dieser nach der europäischen Abfallverzeichnis-Verordnung als nicht-gefährlicher Abfall gelte, sagt Rainer von der Stein. Welcher Wert im Fall der Rottendorfer Erdhaufen genau festgestellt wurde, will der Experte nicht preisgeben. "Aber es sind deutlich weniger als 100 Milligramm pro Kilogramm." In Bayern sieht man das vergleichsweise locker, in anderen Bundesländern gilt der Grenzwert schon bei 25 Milligramm pro Kilogramm als überschritten  - und damit als gefährlicher Abfall. 

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