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    WÜRZBURG

    Erschöpfte Wirte und Rekorde: Der endlose Sommer

    Der Traumsommer will einfach nicht gehen. Lockt mit Sonne satt. Verführt zum Draußensitzen. Vögel zwitschern, Pflanzen blühen, Wirte schleppen wieder Tische und Stühle raus. Die Radwege sind voll. Der Sommer 2018: Ist im April gekommen, um zu bleiben. 25 Grad, milde Abende, und ins Staunen mischt sich auch ein wenig Schadenfreude über die ersten Schoko-Nikoläuse, die in den Schaufenstern in der prallen Sonne dahinschmelzen.

    Die Wirte sind erschöpft

    Überall frohlocken die Biergärtenbesitzer über Rekordumsätze. „700 bis 800 Leute kamen zur Spätschicht ab 17 Uhr. Da war fast kein Tag dazwischen, an dem wir wegen schlechtem Wetter geschlossen hatten“, sagt beispielhaft Betriebsleiterin Lena Gnerlich vom Biergarten „Goldene Gans“ in Würzburg. Erschöpft seien sie alle. Das schon. „Es war auch ein harter Sommer.“ Bloß den goldenen Oktober, den erlebt die Goldene Gans nicht mehr draußen. „Wir haben den Biergarten am 30. September geschlossen.“

    Viele Wirte sind voreilig in die Winterpause gegangen. Nach einem Sommer, der alle Rekorde gebrochen hat. Gefühlt. Die Durchschnittstemperatur des Jahrhundertsommers 2003 hat er zwar nicht geknackt. Dafür war er der zweitheißeste Sommer seit 1881 und gehört mit durchschnittlich 793 Sonnenstunden zu den sonnenreichsten seit 1953. Spitzenreiter der Region war erneut Kitzingen: 44 heiße Tage mit über 30 Grad wurden dort gemessen. Bislang.

    Rekorde, Rekorde, Rekorde

    Rekorde auch bei der Apfel- und Zwetschgenernte, bei der Weinlese – und natürlich in den Schwimmbädern: Im Schweinfurter Freibad Silvana etwa wurden über 80 000 Badegäste gezählt, 30 000 mehr als 2017. Ins Würzburger Dallenbergbad strömten insgesamt 181 924 Besucher, ebenfalls deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Wie Pressesprecherin Cornelia Wagner von der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH erklärt, war der Rekordtag am Sonntag, 5. August: 6022 Badegäste tummelten sich da im Dalle. Rekordmonat? Der Juli. 67 838 Besucher. Nicht nur die großen, auch viele kleine Freibäder in der Region, entschlossen sich im September spontan, die Tore offenzuhalten.

    Und jetzt, vier Wochen später, herrscht immer noch Badewetter. Der Sommer geht zum xten Mal in die Verlängerung. Kein Wunder, dass da auch in vielen Eisdielen die Rollos noch nicht runtergehen. Eiskugeln statt Eisregen. Von der Rhön bis ins Taubertal stehen die Leute Schlange. Pedro Martins vom Eiscafe Cortina in Kitzingen schätzt, dass dies vermutlich der stärkste und vor allem längste Eisverkauf-Sommer überhaupt war, „und jetzt sind wir natürlich alle auch ein wenig müde“.

    Gärtnereien: Gießen statt heizen

    Endless Summer – so heißt nicht nur der Hashtag im sozialen Netzwerk Instagram, mit dem weit über eine Million Menschen mit ihren Fotos noch immer diesen unglaublichen Sommer feiern – auch eine Hortensie trägt diesen Namen. Zu Recht. Sie setzt immer wieder neue Blüten an und hört heuer gar nicht auf zu blühen. Und was ist mit der Herbstbepflanzung? „Auch die wird sich verzögern, wenngleich viele Leute das Wetter auch jetzt zum Pflanzen nutzen“, heißt es in der Gärtnerei Roth in Haßfurt. „Viele Balkonkästen sind aber noch so schön, da wartet man natürlich noch etwas“, sagt Chefin Anita Roth.

    Doch Wetter hin oder her: Zu Allerheiligen in gut zwei Wochen muss auf den Friedhöfen die Herbst- und Winterbepflanzung fertig sein. So einen Sommer, sagt Anita Roth, habe sie noch nie erlebt. Zu dieser Jahreszeit sei es normalerweise üblich, die Gewächshäuser zu heizen. Statt dessen werden draußen die Pflanzen noch bewässert. „Wir haben überall gegossen und gegossen.“ Und wie viele andere resümiert sie: „Ein super Sommer. Ertragreich. Aber auch anstrengend.“

    Der Deutsche Wetterdienst meldet übrigens ab 20. Oktober eine Kaltfront. Es würde nicht wundern, wenn dieser Wahnsinnssommer auch diese überdauert.

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