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    Estenfeld

    Estenfeld trauert um den Künstler Hermann Heinickel

    Hermann Heinickel war nicht nur Glaskünstler, sondern auch Bildhauer. Zudem war er Mitbegründer der Estenfelder Kunstfreunde. Foto: Sabine Dähn-Siegel

    Die Gemeinde Estenfeld hat einen ihrer wichtigsten Künstler verloren. Im Alter von 83 Jahren ist Hermann Heinickel am 25. Oktober verstorben. Er war nicht nur als Künstler aktiv, sondern war auch einer der Mitbegründer des Vereins "Die Kunstfreunde 1971 Estenfeld/Würzburg", einem Verein für Freizeitkünstler. Heinickel, der für seine Arbeiten als Holz- und Steinbildhauer und Glasbläser bekannt war, war auch Mitglied in der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU).

    Der gebürtige Würzburger war von Jugend an selbstständig, denn der Vater kehrte vom Krieg nicht mehr heim und seine Mutter starb, als er 16 war. Den Wunschberuf Schreiner konnte er sich mangels Lehrstelle nicht erfüllen, deshalb begnügte er sich notgedrungen mit Metall. Nach der Lehrzeit bei Karosseriebau Voll wechselte er zu Mercedes. Sein Plan nach Australien auszuwandern, scheiterte, weil er zu jung war.

    Mit der Fotografie fing alles an

    Durch Heirat kam er 1962 nach Estenfeld. Seine Leidenschaft in den 50er Jahren war das Fotografieren. Er entwickelte selber Filme, sogar Farbfilme, damals noch eine Rarität. Fotomotive fand er in seiner Heimatstadt zur Genüge, darunter Figuren fränkischer Bildhauer. So kam es, dass Heinickel 1969 Lust bekam, selbst einmal eine Figur aus Holz zu schaffen. Seine Lieblingsfigur im Mainfränkischen Museum (heute Museum für Franken), die Putte mit dem Windhund von Johann Peter Wagner, nahm er sich mutig als erstes Stück vor. Dazu dienen sollte ihm ein Nussbaum-Hackstock. Bei der Bearbeitung stellte sich jedoch heraus, dass die Putte am Arm ein großes Astloch aufwies – was ihr Aus bedeutete. Übrig blieb der Hund – aber dieser ist ihm durchaus gelungen. Weitere Figuren folgten und ein Jahr später konnte er auch seine Frau Marga für das Holzschnitzen begeistern.

    Vom Holz- zum Steinbildhauer

    Eine Einladung zum Bildhauersymposium 1986 durch den Würzburger Künstler Lothar Forster hatte weit reichende Folgen, auch für die Kunstfreunde, denn nun kam das Material Stein ins Spiel. 1992 begann Hermann Heinickel ohne jegliche Vorkenntnisse auch noch mit dem Glasblasen. 1998 kaufte er einen Ofen, um seine Glasreste verschmelzen zu können. Davon profitierten nicht nur die Kinder vom Estenfelder Ferienprogramm. Seit 2004 bekamen beim Kulturherbst auch Erwachsene in der „Offenen Glaswerkstatt“ Einblick in die Materie.

    Werke in Kirchen und Museen

    Hermann Heinickel und seine 2014 verstorbene Frau Marga konnten im Laufe ihres langen künstlerischen Wirkens einige Erfolge aufweisen: Größere Figuren aus Lindenholz befinden sich in den Kirchen von Neustadt/Aisch, Waldberg/Rhön und in St. Markus in Estenfeld. Einige Werke sind auch im Besitz von Museen: Dommuseum Würzburg, „Museum für Modernes Glas“ Öhringen oder im Glasmuseum Immenhausen. Er selbst bezeichnete vier Ausstellungen in der damaligen Otto-Richter-Halle in Würzburg als Höhepunkte seines künstlerischen Wirkens

    Für sein Engagement, insbesondere bei den Kunstfreunden, bekam Hermann Heinickel 2002 von der Bayerischen Staatsregierung das „Ehrenzeichen für im Ehrenamt tätigen Frauen und Männer“.

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