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    WÜRZBURG

    Extreme Sommer werden häufiger

    Dürre, Waldbrandgefahr, Kreislaufprobleme: Auch in Zukunft müssen wir uns auf noch mehr Hitzetage und tropische Nächte einstellen. „Es wird weiterhin schöne und schlechte Sommer geben, aber die extremen Sommer werden häufiger auftreten“, sagt Daniela Jacob, Direktorin am Climate Service Center in Hamburg. Spätestens zur Mitte des Jahrhunderts werde es in Deutschland mehr Hitze- und Dürreperioden sowie Starkregen und heftigere Stürme geben.

    Wird das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, erreicht, käme man in Deutschland zum Ende des Jahrhunderts auf etwa drei Hitzetage mehr als im Vergleichszeitraum 100 Jahre zuvor. Liefe alles weiter wie bisher wären es bereits zwölf Tage mehr, in denen die Temperaturen auf über 30 Grad steigen. Die Jahresmittel-Temperatur würde um etwa 3,7 Grad steigen. Wenn wir Klimaschutz betreiben, hätten wir im Winter etwa 18 Frosttage weniger, falls nicht, mehr als 55 Frosttage weniger.

    „Das zukünftige Berlin wird nach unseren Berechnungen 2050 das gegenwärtige Freiburg sein“, sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Ein extremer Sommer wie dieser wäre dann ein mittlerer.

     

     

    Ernteausfälle bis Fischsterben

    Auch ein höherer Energieverbrauch durch Klimaanlagen, Ernteausfälle, Fischsterben, niedrige Wasserstände in den Flüssen, schlechter Schlaf und sinkende Produktivität vieler Arbeitnehmer gehören zu den Folgen von Hitze und Trockenheit.

    Schon jetzt werden laut Eugen Köhler, Sprecher des Bayerischen Bauernverbandes, Kartoffeln, Erdbeeren und Spargel häufig bewässert. Bei Getreide setze man auf Sorten, die mit wenig Wasser auskommen. Mais sei im Hochsommer relativ genügsam. Soja oder andere Kulturen aus dem Süden könnten sich bei uns etablieren.

    „Ohne Bewässerung ist bereits jetzt in Franken kaum noch Obstbau möglich“, sagt Thomas Riehl Obstbauberater im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Allerdings koste die Bewässerung viel Geld, der Bau von Wasserspeichern sei aufwendig.

    Was den Wald angeht, meint Behördenleiter Gerhard Düll: „Nadelbäume haben in der Region kaum eine Zukunft.“ Deshalb versuche man auf Mischwälder umzustellen, die vorwiegend aus Laubbaumarten bestehen. Die wichtigsten Arten sind die tief wurzelnde Eiche und die Buche mit ihrem dichten Blätterdach.

    Frankens Winzer werden künftig mehr in Wassermanagement und Traubenkühlung investieren müssen, sagt Weinbaupräsident Artur Steinmann. Um Wasser zu sparen setze man auf Tröpfchenbewässerung oder Regenwasserspeicher, wie in Volkach (Lkr. Kitzingen). Mit dem Klimawandel kommen neue Sorten nach Mainfranken. „Burgunder werden fast schon Standard. Selbst Merlot wird gepflanzt.“

    Hausfassaden der Zukunft

    In einigen Regionen Europas werde die Lehmbauweise attraktiv, so Klimaforscherin Jacob. Das Kanalsystem in den Städten müsse an Starkregen angepasst, Lüftungskorridore und mehr Grün für Hitzeperioden geschaffen werden. Norbert Böhm, Baubereichsleiter bei der Regierung von Unterfranken sagt: „Seit etwa acht Jahren wird der Glasanteil bei Fassaden öffentlicher Gebäude kritisch überprüft.“ Je massiver die Außenwände und je kleiner die Fenster, desto leichter lasse sich die Nacht- und Frühjahrskühle in die Sommerzeit hineintragen.

    Eine Hausfassade der Zukunft zeigt die Klimaforschungsstation auf der Landesgartenschau. An einer bepflanzten Wand untersuchen die Experten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau den Effekt der Verdunstungskälte auf das Klima außer- und innerhalb des Gebäudes.

    Hinter der Grün-Fassade ist eine schaltbare Wärmedämmung der Forscher vom Bayerischen Zentrum für angewandte Energieforschung Bayern eingebaut. Mittels Wasserstoff soll Wärme transportiert oder eben verhindert werden, erklärt Energieexperte Professor Vladimir Dyakonov. Seine Vision: „Das Gebäude der Zukunft mit grüner Fassade braucht keine Klimaanlage.“ 

     

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