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    WÜRZBURG

    Extremsportler Norman Bücher: In fünf Jahren um die Welt

    Die Festung im Rücken: Extremläufer Norman Bücher passiert auf seinem Lauf von Straßburg nach Berlin Würzburg. Er wirbt damit für sein Projekt „7 Continents“, bei dem er innerhalb von fünf Jahren 20 000 Kilometer auf sieben Kontinenten laufen und Stimmen von Jugendlichen sammeln will. Foto: OLIVER.FILIPZIK

    Es soll sein längster Lauf werden. Sieben Kontinente will Norman Bücher in fünf Jahren schaffen. Rund 20.000 Kilometer zurücklegen. Allerdings: Dieses Mal geht es dem Extremsportler, der seit über 14 Jahren Marathon und Ultramarathon läuft und beispielsweise alleine 610 Kilometer durch die Wüste Gobi rannte, nicht um Bestzeiten oder Rekorde. Sondern um Jugendliche. Mit dem Projekt „7 Continents“ will er herausfinden, was junge Menschen bewegt, ihnen zuhören – und ihnen öffentlich wirksam eine Stimme geben. Gehört werden soll das am Ziel des Lebenslaufs: Bei der UNO-Generalversammlung im September 2024 in New York.

    Extremläufe waren „reine Egotrips“

    „Ich habe die letzten Jahre so viel gemacht, war in Wüsten oder im Dschungel unterwegs. Aber ein Stück weit hat der Sinn gefehlt“, sagt der ehemalige Unternehmensberater. „Weil es reine Egotrips waren.“ Er rannte mehr als 1100 Kilometer durch Australien zum Ayers Rock, überwand 9400 Höhenmeter am Mont Blanc in 46 Stunden oder kämpfte sich bei über 45 Grad durch die Kalahari in Südafrika. Bücher kam immer ins Ziel, hat all das erreicht. Für sich. Und genau das war zu wenig. „Mir war klar, ich möchte das, was ich tue, in den Dienst einer größeren Sache stellen“, sagt der 40-Jährige. Die Idee, das Laufen als Medium zu nutzen, um junge Menschen zu inspirieren, entstand.

    Denn darum geht es bei „7 Continents“. Das Laufprojekt soll im Juni 2019 in Berlin starten, die Route führt in mehreren Etappen durch 70 Länder. Jeden Tag muss Bücher 40 bis 60 Kilometer laufen, begleitet von einem Organisations-Team. In Schulen, Universitäten oder Vereinen hält er Vorträge, trifft junge Menschen und sammelt ihre Stimmen. Warum? „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir bei den Kindern und Jugendlichen beginnen“, sagt Bücher schlicht.

    Laufen als Metapher für das Leben

    Quasi als Generalprobe, um das Projekt bekannt zu machen und Unterstützer zu finden, ist der gebürtige Karlsruher derzeit in Deutschland unterwegs. In 17 Tagen läuft er gut 750 Kilometer vom EU-Parlament in Straßburg nach Berlin. Am Dienstag, dem sechsten Abschnitt der Tour, erreichte Bücher Würzburg. 33 Kilometer von Tauberbischofsheim bis in die Domstadt steckten ihm in den Beinen, am nächsten Tag führte die Route weiter über Schweinfurt nach Bad Königshofen (Lkr. Rhön-Grabfeld). Ein bisschen merke er das schon, gibt der Sportler zu. Pause winkt aber erst, wenn Berlin erreicht ist.

    Vorbei an der Würzburger Residenz: Der Lauf quer durch Deutschland ist für Extremläufer Norman Bücher quasi die Generalprobe für sein Lebensprojekt „7 Continents“. Foto: OLIVER.FILIPZIK

    Bis dahin spricht Bücher fast jeden Abend vor jungen Menschen. Oder besser: mit ihnen. Es geht um sieben Themen, etwa um die Zukunft und Ängste, um Natur oder Träume, um Botschaften an Regierungschefs. Und ja, natürlich auch um Büchers Leben. Er zeigt Videos und Bilder seiner Abenteuer, glücklich beim Zieleinlauf, erschöpft am Steilhang oder verschwitzt in flirrender Hitze. Seine Botschaft dazu ist klar: „Das Laufen, so wie ich es betreibe, ist eine schöne Metapher für das, was man für sein Leben mitnehmen kann. Ziele setzen. Ausdauer beweisen. Willenskraft haben. Sich immer wieder antreiben und motivieren. Träume nicht nur zu erkennen, sondern auch zu leben.“

    Das Mikrofon als Symbol des Projektes

    Bücher will mit solchen Sätzen niemanden zum Laufen animieren, wie er sagt. Eher dazu, zu machen, Verantwortung zu übernehmen, für Träume zu kämpfen, egal ob sie nur den Einzelnen betreffen oder der Gemeinschaft nützen. Ein bisschen etwas verändern eben. „Ich will mit diesem Projekt ein Zeichen setzen“, sagt der 40-Jährige. Symbol dafür soll das Mikrofon sein, das er – ähnlich der olympischen Fackel – von Land zu Land trägt und damit die Stimmen der Jugend einholt. Veröffentlicht werden all die Stimmen in Sozialen Netzwerken und vor allem auf der Webseite www.7-continents.com. Aber: Kann das Erfolg haben?

    „Um uns einen großen Traum zu erfüllen, brauchen wir ein Motiv“, sagt Extremläufer Norman Bücher. In Würzburg stellte er am Dienstag seinen Traum, das Projekt „7 Continents“, vor. Foto: Patty Varasano

    „Ich weiß es nicht, ich bin gespannt“, sagt Bücher selbst. Zu seinen ersten fünf Vorträgen kamen im Schnitt um die 25 jungen Leute. Vielleicht wird daraus irgendwann eine Bewegung. Vielleicht läuft er an der Aufmerksamkeit der Massen vorbei. „Um uns einen großen Traum zu erfüllen, brauchen wir ein Motiv“, sagt Bücher. Ein klares Ziel. Im Leben wie beim Laufen. Das hat er. „Ich stelle mir bei einem Rennen oft den Augenblick vor, wenn ich ankomme“, sagt der 40-Jährige. Im Moment ist das New York, die UNO, die Übergabe der Stimmen. Redezeit vor der Versammlung hat er zwar noch keine. Aber es sind ja noch fünf Jahre Zeit.

    Der Extremläufer und das Projekt

    Norman Bücher (geboren 1978) studierte Betriebswirtschaft und arbeitete als Unternehmensberater in München. Bis er merkte, „das war ich nicht“. Mit 22 Jahren lief er seinen ersten Marathon, mittlerweile hat Bücher erfolgreich an zahlreichen Extremläufen auf der ganzen Welt teilgenommen. Über seine Abenteuer hält er Vorträge und Motivationskurse, zudem ist er Autor mehrerer Bücher. Das Projekt „7 Continents“ beginnt im Juni 2019 in Berlin. Die erste Etappe führt etwa 2500 Kilometer durch Tschechien, Österreich, Ungarn und Bulgarien nach Istanbul. Danach folgen Etappen in Asien, Ozeanien, Afrika, Amerika und in der Antarktis. Insgesamt sollen 20 000 Kilometer in fünf Jahren geschafft werden. Finanziert wird das Projekt unter anderem über Vorträge und Bucherlöse, zudem soll eine Crowdfunding-Kampagne starten. Infos und die gesammelten Stimmen gibt es unter www.7-continents.com. sp
     

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