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    REMLINGEN

    Farbenfroher Abschied von einer lebensfrohen jungen Frau

    Sie liebte das Leben. Sie war für ihre Familie, ihre Freunde und als Erzieherin im Kindergarten ein Sonnenschein. Dass die 22-jährige Ramona Siegordner nicht mehr da ist – das sorgt noch immer für Fassungslosigkeit in der Marktgemeinde Remlingen (Lkr. Würzburg) und darüber hinaus. Bei der Trauerfeier für die Faschingsaktivistin wurde es außergewöhnlich farbenfroh.

    An die 1000 Trauergäste auf dem Remlinger Friedhof

    Die Beisetzung am Freitagnachmittag zeigte, wie beliebt die junge Frau war: Geschätzt an die 1000 Menschen kamen auf den Friedhof, darunter auffallend viele junge Leute, um Abschied zu nehmen von Ramona – von der Tochter, von der Freundin, von der Kollegin, von der Tanztrainerin.

    Im 1500-Seelen-Ort selbst ist an diesem Nachmittag fast niemand auf der Straße, der Bäcker hat eigens geschlossen. Herrlicher Sonnenschein über dem menschengesäumten Friedhof, als hätte Ramona ihn bestellt. Es fließen viele Tränen, und doch ist es eine Beisetzung der anderen Art. Erst vor wenigen Wochen hatte Ramona Siegordner bei der Beerdigung eines Großonkels davon gesprochen, dass bei ihr selbst einmal auf Trauerkleidung verzichtet werden solle. Zu diesem Zeitpunkt dürfte jeder Gedanke an den eigenen Tod weit entfernt gewesen sein.

    Tragischer Unfall mit dem Motorrad

    Dann der Abend des 8. April: Im Wertheimer Ortsteil Reichholzheim kommt Ramona mit ihrem KTM-Motorrad in einer langgezogenen Rechtskurve zu weit auf die linke Seite und stößt mit einem entgegenkommenden Auto zusammen. Die 22-Jährige stirbt schwer verletzt noch an der Unfallstelle. Ein Schock für die Eltern, den Bruder und für alle, die sie kannten.

    „Wie in einem Film“, sagt Pfarrerin Gudrun Mirlein, noch unwirklich sei das Geschehene. „Ramonas Leben war immer fröhlich und bunt“, schrieb die Familie in der Todesanzeige und bat die Trauergäste, „in farbenfroher Kleidung von ihr Abschied zu nehmen.“

     

    Wie gewünscht: Fast alle in bunter Kleidung zur Beisetzung

    So war es ein ungewohnt buntes Bild für eine Beisetzung am Remlinger Friedhof – nicht nur wegen der großen Zahl an Trauernden, unter ihnen der Würzburger Landrat Eberhard Nuß, der im Nachbarort Uettingen zuhause ist. Er kannte die Verstorbene, kennt ihre Familie, man hat zusammen im Fasching gefeiert, und er weiß: „Die schwerste Zeit kommt erst.“

    100 Meter lang ist die Menschenschlange vor dem Kondolenzbuch, in das bewegende und sehr persönliche Abschiedsworte geschrieben werden. Es ist am Friedhofseingang, auf einem Tischchen an der Straße ausgelegt. Neben den üblichen Sterbebildern gibt es zur Erinnerung an die musikbegeisterte Ramona auch Festivalbändchen für die Handgelenke. Darauf zu lesen ihr Lieblingsmotto: „Happiness is not a destination, it's a way of life“.

    Bunte Luftballons steigen in den Himmel

    Etliche Trauergäste haben Luftballons dabei, aufgedruckt ist ein Foto von Ramona. Als ihre Urne ins Grab gesenkt wird, ist eines ihrer Lieblingslieder zu hören („All Behind“) – dann steigen alle Ballons in den Himmel und machen ihn so bunt, wie es die Verstorbene wohl gemocht hätte. Nach der Beisetzung bildet sich erneut eine lange Reihe von Trauernden vor dem Kondolenzbuch.

    Die lebenslustige Tochter hätte sich ihre Beisetzung so gewünscht, da sind sich die Eltern Norman und Ute Siegordner sicher. Sie haben ganz bewusst diesen farbenfrohen Weg der Bewältigung gewählt: „Wir wussten, es würde ihr wahnsinnig gefallen. Es war das Letzte, was wir für Ramona tun konnten“, sagt die Mutter - gefragt von der Redaktion - am Tag danach. Sie ist bewegt von der großen Anteilnahme und dem Zusammenhalt der Freunde. Das habe die Familie in den letzten Tagen sehr gestärkt.

    Ramonas letzte Sprachnachrichten als persönliche Erinnerungsstücke

    Ganz nah am Leben der Verstorbenen auch der Trauergottesdienst: Ihre Clique spielt Ramonas letzte WhatsApp-Sprachnachrichten ein, die Freunde erzählen kleine Geschichten dazu. Ihr Lieblingslied aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin“ läuft. Gänsehaut, und am Ende gibt es sogar Applaus. Die Reaktionen auf die bunte, sehr persönliche und doch öffentliche Art der Beisetzung sind laut Mutter Ute positiv – wobei sie nicht relevant gewesen seien für die eigene Entscheidung.

    Auch viele Vertreter anderer Faschingsgesellschaften sind zur Beisetzung gekommen, am nächsten aber ist die Prinzengarde der Remlinger Faschingsgesellschaft (RFG), in der Ramona zuletzt aktiv war. Etliche Tanzgruppen hatte sie trainiert, in der Session 2016/17 war sie Faschingsprinzessin. „Du warst eine wundervolle Trainerin und Freundin für uns“, sagt eines der Gardemädchen am Grab, erinnert an Ramonas „wärmende Art“ – genauso wie Gesellschaftspräsident Heinrich Schwab: „Mit Deinem Frohsinn und Lächeln hast Du immer ein Licht in unsere Herzen gebracht.“

    Trauer um die Erzieherin im Waldbrunner Kindergarten

    Auch im Waldbrunner Kindergarten St. Norbertus wird man Ramona Siegordner vermissen. Sie hatte dort ihre Ausbildung als Erzieherin gemacht und zuletzt die „Sonnengruppe“ geleitet – „wie sollte es anders sein“, meinte der Waldbrunner Bürgermeister und 1.Kita-Vorstand Hans Fiederling in seiner Grabrede. Er erinnerte an eine Mitarbeiterin, die nicht nur durch ihre fachliche Qualifikation, sondern auch menschlich ein Gewinn gewesen sei, mit Liebe zu den Kindern und einem Beruf als Berufung: „Ramona war ein Stück Lebensfreude in unserem Kindergarten.“

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