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    Veitshöchheim

    Fastnacht in Franken 2019 ohne Horst Seehofer

    Grooven sich ein für "Fastnacht in Franken": Sitzungspräsident Bernd Händel, Volker Heißmann, Klaus Karl-Kraus und Oti Schmelzer (von links). Foto: Johannes Kiefer

    Kommt er? Kommt er nicht? Er kommt - nicht. Viele Jahre hatte Horst Seehofer seine Auftritte bei der "Fastnacht in Franken" genossen, auch wenn er oft nur die smokinggekleidete Dartscheibe war für all die Witze, die wie Pfeile aus dem Scheinwerferlicht auf ihn geschossen kamen. Doch nachdem ihm nicht nur das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, sondern auch das des CSU-Chefs verlustig gegangen ist, verlässt er nun auch die größte Fernsehbühne, die Bayern zu bieten hat. "Er hat ohne Begründung abgesagt", sagte Marco Anderlik, Präsident des Fastnacht-Verband Franken. Eine Einladung hatte Seehofer als Bundesinnenminister bekommen.

    Dafür rückt die bayerische Regierung in nie gekannter Stärke an diesem Freitag in Veitshöchheim an: Neben Ministerpräsident Markus Söder werden sämtliche Minister erwartet, dazu alle fränkischen Staatssekretäre - wahrscheinlich wäre das Kabinett am Freitagabend in den Mainfrankensälen beschlussfähig.

    Die Proben haben zwar begonnen, aber noch herrscht gemütliche Betriebsamkeit in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim.  Foto: Johannes Kiefer

    Bereits angekommen in der 10 000-Einwohner-Gemeinde vor den Toren Würzburgs sind viele der Künstler wie Volker Heißmann & Martin Rassau, Oti Schmelzer oder Sitzungspräsident Bernd Händel. In den Mainfrankensälen haben die Proben begonnen, und auch die Altneihauser Feierwehrkapell'n aus der Oberpfalzwird wieder mit von der Partie sein - zum 14. Mal bereits. Die schrägen Musiker hatten im vergangenen Jahr mit einer sexistischen Nummer über die Ehefrau des französischen Präsidenten Emmanuel Macron massiv Kritik bezogen und damit eine Debatte auch innerhalb des Fastnacht-Verbandes sowie des Bayerischen Rundfunks (BR) entfacht zu der Frage: Was darf Fastnacht?

    Feierwehrkapell'n-Affäre ist aufgearbeitet

    "Wir befassen uns intensiv mit den Texten", sagte die Leiterin des BR-Studios Franken, Kathrin Degmair, am Mittwoch in Veitshöchheim, schließlich habe der Sender die rundfunkrechtliche Verantwortung. Diese sei nicht verletzt gewesen. Teile der Live-Sendung lebten auch von der "Zuspitzung", so Degmair, wenn diese im vergangenen Jahr dem Publikum "zu weit gegangen ist, dann bedauern wir dies". Sie betonte, dass es im Sommer "ein super Gespräch" mit der Feierwehrkapell'n gegeben habe, ihre Botschaft lautet: "Wir stehen zu den Künstlern."

    Die Altneihauser um ihren Kapell'n-Chef Norbert Neugirg hat sich damals wie auch heute noch nicht öffentlich zu ihrem Auftritt geäußert. Eine Anfrage dieser Redaktion lehnte  Neugirg mit dem Hinweis ab, dass "das Thema durch sei". Konkrete schriftliche Fragen zu der Macron-Nummer beantworte Neugirg augenzwinkernd: "Zu Risiken und Nebenwirkungen abgelaufener Ereignisse wenden Sie sich bitte an den Sender unseres Vertrauens." Er und seine Musiker würden sich jetzt auf "ein paar frohe Stunden bei unseren fränkischen Freunden freuen".

    Wenige Tage vor der Live-Prunksitzung gaben die Verantwortlichen von "Fastnacht in Franken" letzte Informationen: Kathrin Degmair (Leiterin BR-Studio Franken), Marco Anderlik (Präsident Fastnacht-Verband Franken) und Bernhard Schlereth (Künstlerischer Leiter Fastnacht-Verband Franken) Foto: Johannes Kiefer

    Komödiant Klaus Karl-Kraus aus Erlangen, der nach mehreren Jahren Pause ein Comeback in Veitshöchheim geben wird, indes gesteht, dass das digitale Zeitalter seine Bühnenauftritte verändert habe. "Ich wäge viel mehr ab, was ich sage und was nicht." Manchmal habe er das Gefühl, es dürften nur noch Witze gemacht werden, "bei denen niemandem auf die Füße getreten wird". Am meisten ärgert er sich über die Verrohung der Sitten im Internet, das für ihn zunehmend wie ein Pranger wirkt. "Ich setze mich gerne mit Kritik auseinander, wenn sie konstruktiv und mit vollem Namen geäußert wird", sagt Karl-Kraus. Die Anonymität im Internet befördere jedoch den Schmutz, "die Ehrlichkeit bleibt auf der Strecke".

    Büttenredner Peter Kuhn ist der dienstälteste Akteur

    Der dienstälteste Akteur wird der Schweinfurter Büttenredner Peter Kuhnsein, der bereits zum 27. Mal Politik und Gesellschaft den Spiegel vorhalten wird. Premiere feiern werden die Turner der Schwarzen Elf aus Schweinfurt sowie eine ganz besondere Nummer: Auf Initiative von Marco Anderlik, Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken, ist es gelungen, sämtliche deutsche Gardetanz-Meisterinnen aus Franken seit 1986 nach Veitshöchheim zu holen: Zehn Tanzmariechen im Alter zwischen elf und 44 Jahren haben seit August trainiert und werden gemeinsam auf der Bühne stehen.

    Fastnacht in Franken im Fernsehen

    Die Live-Prunksitzung von Fastnacht-Verband Franken und BR wird seit 1987 veranstaltet. Die Sendung ist regelmäßig die meistgesehene BR-Sendung des Jahres, im vergangenen Jahr hatten bundesweit 4,21 Millionen Menschen eingeschaltet.
    Fernsehtipp: "Fastnacht in Franken", Freitag, 22. Februar, ab 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen. Von 17.30 bis 18.30 Uhr wird live vom roten Teppich berichtet. Wiederholt wird die Sendung am Samstag, 23. Februar um 20.15 Uhr sowie am Faschingsdienstag, 5. März, ab 12.20 Uhr.
    Alles rund um die "Fastnacht in Franken" erfahren Sie auch in unserem Live-Blog ab Freitagnachmittag. Unsere Reporter berichten dort live aus Veitshöchheim, zudem finden Sie viele Bilder und Videos:

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