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    Veitshöchheim

    Fastnacht in Franken: War das Barbara Stamms letzter Besuch?

    Sie gehört seit drei Jahrzehnten zur "Fastnacht in Franken": Die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm Foto: Silvia Gralla

    Heino durfte nicht fehlen. Natürlich nicht. Der neue Tag war schon ein paar Stunden alt, und jetzt tröpfelten hier in dieser Hotelbar im Herzen von Veitshöchheim die Überlebenden der Nacht ein. An der Decke hingen Luftballons, aus der Musikbox erklang der tiefe Bariton des blonden Barden: "Die schwarze Barbara", sang Heino, und die echte Barbara, Barbara Stamm, saß im Kreise ihrer Fastnachtsfamilie und sah in diesem Moment sehr glücklich aus.

    Was war das nur für ein Finale von "Fastnacht in Franken" gewesen? Seit Jahrzehnten hält die ehemalige Landtagspräsidentin der fränkischen Fastnacht die Treue, "und zwar nicht nur zur Fernsehsitzung", sagt Ehrenpräsident Bernhard Schlereth – und ungesagt schwingt in seinen Worten mit: wie manch anderer Politiker. Für Stamm ist Fasching keine Pflicht, sondern eine Herzensangelegenheit, und so würdigten die Künstler am Ende des Programms der Live-Sitzung ihre "Patrona franconiae" mit einer Hommage. Volker Heißmann sang "Aber dich gibt’s nur einmal für mich", den Klassiker der Nilsen Brothers, während auf der Bühne alle Mitwirkenden in einem blauen Kleid mit Federboa erschienen – ja, auch Nilpferd Amanda.

    Hommage an Barbara Stamm: Die Künstler kamen alle in blauen Kläädern. Foto: Fabian Gebert

    Bruno Gold und die Gebrüder Narr haben mit ihrem Lied vom blauen Klääd Barbara Stamm vor Jahren schon eine Hymne beschert, weil sie eben oft blaukostümiert zur Sitzung erschienen war. Spätestens seit damals gehörte die Würzburgerin zur "Fastnacht in Franken" wie die Konfettikanonen am Ende. Und nun, "nun wollten wir einfach mal Danke sagen", so Schlereth, "denn ohne Stamm gäbe es kein Fastnachtmuseum und auch keine -akademie". Es war eine Verneigung.

    Stamms Appell an ihre CSU

    Also fingen die Fernsehkameras gnadenlos nah ein, wie Barbara Stamm, zu Tränen gerührt, das Finale verfolgte. Sie schien tief bewegt, und später, als die Livekameras aus waren, erhielt sie auf der Bühne vom Fastnacht-Verband Franken noch eine Urkunde, die ihr auf Lebenszeit freien Eintritt zu sämtlichen seiner Veranstaltungen garantiert. "Vergelt’s Gott", sagte Stamm – und hinterließ ihrer Partei, der CSU noch einen Auftrag: "Vergessen wir nie, was Menschen brauchen: Zusammenhalt, Heimat, Vertrauen." Da war sie für einen Moment noch einmal die Sozialpolitikerin. Zu Markus Söder gewandt sagte sie schließlich: "Lieber Markus, wir haben uns auch gefunden. Und wer mich hat, wird mich nicht so schnell verlieren." Das sei der Fastnacht auch so ergangen.

    Dann sang Margit Sponheimer ihren Rosenmontags-Klassiker, und so wurden die Menschen beseelt hinausgeschunkelt aus den Mainfrankensälen in die Nacht. Für Barbara Stamm waren es ja keine leichten Monate gewesen. Natürlich hatte sich die 74-Jährige irgendwie vorbereiten können auf den Abschied aus der Politik nach der Landtagswahl im vergangenen Oktober, aber als es soweit gewesen war, das war zu spüren in Gesprächen mit ihr, hatte sie auch Wehmut überkommen. Die Grabenkämpfe, vor allem auch mit Hardliner Markus Söder, hatten Spuren bei ihr hinterlassen. War es jetzt an der Zeit, aufeinander zu zugehen?

    Markus Söders neue Demut

    Während Ministerpräsident Markus Söder Veitshöchheim nach der Sitzung eher rasch verließ, feierte Barbara Stamm mit ihren Fasenachtern die Nacht durch. Das erste Frühstück des Tages gab es in einem Bäckereicafé, da dämmerte es draußen bereits. Nach ein wenig Schlaf fand sie Zeit für ein ausführliches Gespräch mit dieser Redaktion. "Wir haben als CSU keine leichte Zeit hinter uns." Was Politik, Umgang, Sprache angehe, habe sie stets zur Mäßigung gemahnt, "ich war für ihn sicher keine Bequeme", so Stamm. Sie meinte Markus Söder. Auf der Bühne habe sie nun zum Ausdruck bringen wollen, dass ihr der neue Söder besser gefalle: "Man kann mit ihm reden, er hört zu, und er weiß, dass man es ehrlich mit ihm meint." Das mit der Demut, wie es der Karlstadter Sänger Matthias Walz in seinem Lied gebracht hatte, das stimme, sagte Stamm. "Das Amt des Ministerpräsidenten hat ihn verändert."

    Sie selbst, erzählte Stamm, habe in den vergangenen Monaten seit ihrem politischen Abschied "unglaublich viele Reaktionen erhalten": Anrufe, Karten, handgeschriebene Briefe. "Wenn man diese besondere Zuneigung der Menschen spürt, das geht zum Teil sehr unter die Haut." Wie auch die Huldigung bei "Fastnacht in Franken" vor einem Millionenpublikum. "Das waren sehr emotionale Momente für mich", sagte sie, "ich habe nichts davon gewusst, nullkommanull". Dann erinnert sie sich an die Anfänge und sagt, dass sich über die Fastnacht hinaus "tiefe Freundschaften entwickelt haben". Es sei schön, sich nicht nur einmal im Jahr zu treffen, sondern oft gemeinsame Erlebnisse zu haben, "da ist eine wunderbare Gemeinschaft entstanden". Viele Künstler seien auch ehrenamtlich unterwegs, und wenn sie für die Lebenshilfe Bayern, deren Vorsitzende Stamm ist, mal Hilfe benötige, dann seien sie zur Stelle die Heißmanns, die Rassaus, die Reichs.

    Barbara Stamm: "Irgendwann ist Schluss"

    Dann gesteht Barbara Stamm, dass die gefühlsbeladene Würdigung auch etwas ausgelöst habe bei ihr – nicht nur Tränen. "Vielleicht ist es soweit, dass man sagt, man macht einen Schnitt." Viele Freunde von früher wie die Gebrüder Narr seien ja auch nicht mehr da. Gut möglich also, dass ihr Besuch 2019 bei "Fastnacht in Franken" ihr letzter gewesen ist. Mit allerletzter Bestimmtheit wagt sie die Aussage noch nicht, "aber eine Überlegung in diese Richtung gibt es mit Sicherheit". Natürlich werde sie "der Fastnacht immer verbunden bleiben", sagt Barbara Stamm. "Aber es ist wie mit allem im Leben: irgendwann ist Schluss."

    Vielleicht ist es tatsächlich so. Barbara Stamm hat ein feines Gespür. Und so war die Hommage in den blauen Kläädern nicht nur eine Verneigung der Künstler. Sie war auch ein Abschied.

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