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    Würzburg

    Feldlerche: Der Vogel des Jahres ist in Gefahr

    Vogelschützer schlagen Alarm: Seit 1990 ist jede dritte Feldlerche verschwunden. Wie ein Umdenken in der Agrarpolitik die Lebensräume der bedrohten Art verbessern können.
    Die Feldlerche ist Vogel des Jahres 2019 - und steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
    Die Feldlerche ist Vogel des Jahres 2019 - und steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Foto: Hartwig Brönner

    Sie ist "Vogel des Jahres 2019" - und steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten: die Feldlerche. Grund genug für Hartwig Brönner vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Main-Spessart, diese Vogelart in den Mittelpunkt seines Vortrags in der neuen Würzburger Umweltstation zu stellen.

    1998 war die Feldlerche auch "Vogel des Jahres", weil man schon damals erkannt hätte, dass die Bestände zurückgehen, so Brönner. Seitdem sei der Rückgang dramatisch: Von 1990 bis heute ist auch in der Region Würzburg jede dritte Lerche verschwunden. Der Artenrückgang sei, verglichen mit allen anderen Lebensräumen, im Agrarraum am stärksten.

    Da ihre Bestände weiter schwinden, ist die Feldlerche in Deutschland besonders geschützt, das heißt, man darf sie nicht bejagen, fangen oder die Brut stören. In Frankreich darf man all dies allerdings schon - zu bestimmten Zeiten. Das sieht Brönner kritisch: "Wir bemühen uns hier um die Bestände, und dort werden sie gefangen."

    Das Weibchen kümmert sich um den Nestbau

    Am wohlsten fühlt sich die Feldlerche in der offenen Agrarlandschaft mit vielen Strukturen und niedrigen Wuchshöhen, wie beispielsweise an Graswegen. Lichtes statt dichtes Grün, lautet die Devise. Doch gerade das habe sich in den letzten Jahren sehr gewandelt.

    Bei der Wahl ihres Nistplatzes sind Feldlerchen sehr anspruchsvoll: Der Aufwuchs darf nicht zu hoch sein und muss Lücken aufweisen. Etwa fünf bis acht Tage dauert der Nestbau, den das Weibchen übernimmt. Um ein Ei zu legen, braucht es 24 Stunden; bei einer Brut legt es fünf Eier und brütet elf Tage. Gefüttert werden die Jungtiere von beiden Altvögeln mit tierischem Eiweiß.

    "Der Hauptfeind der Feldlerche ist der Verlust ihres natürlichen Lebensraumes, verursacht durch den Menschen."
    Hartwig Brönner, Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Main-Spessart

    Doch warum gehen die Bestände der Feldlerche rapide zurück? Die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und zu viel Wintergetreide, das schon sehr früh viel zu hoch für die Vögel wird, nennt Brönner als Gründe. Mit der ersten Brut funktioniere es noch, mit der zweiten aber nicht mehr. "Wenn wir die Bestände erhalten wollen, brauchen wir zwei Bruten pro Jahr", gibt er zu bedenken. Denn von fünf Jungvögeln würden nur zwei den Winter überleben.

    Auch der Mais mache ihr Probleme, damit komme die Feldlerche nicht zurecht, so Brönner. Und dieser habe sich in 20 Jahren vervielfacht. Doch nicht die Landwirte seien die Verursacher, sondern die Agrarpolitik, meint der Naturschützer. "Wir sind zum Handeln verbannt, und zwar jetzt", macht er deutlich. Denn viele Maßnahmen in der Landwirtschaft zerstörten die Lebensgrundlagen zahlreicher bedrohter Arten.

    Das eigene Konsumverhalten überdenken

    "Der Hauptfeind der Feldlerche ist der Verlust ihres natürlichen Lebensraumes, verursacht durch den Menschen", ist Brönner überzeugt. Aber nicht nur der Feldlerche gehe es schlecht, sondern auch anderen Leidensgenossen. So gebe es den Kiebitz im Landkreis Würzburg und Main-Spessart gar nicht mehr. "Er ist bei uns ausgestorben", so Brönner. Die Wachtel höre man ab und zu noch, die Goldammer ganz selten, und um das Rebhuhn sei es auch ganz schlecht bestellt. Ebenso um die Grauammer, ergänzt Niels Kölbl, Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Würzburg.

    Was können wir also tun? Blühflächen seien gut, aber nicht das Allheilmittel, sagt Brönner. Die Feldlerche brauche Aufwuchs und daneben Brache oder Rohboden. Lerchenfenster auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen, den Erhalt von Feldrainen, die Verzögerung des Stoppelumbruchs, möglichst auch im Winter ein paar Stoppelfelder belassen - das alles fordert Brönner. Zudem müsse die Weideviehhaltung erhalten werden. Und nicht zuletzt müssten die Menschen ihr Konsumverhalten anpassen, regionale Anbauer sowie Naturschutzverbände unterstützen und auch selbst aktiv werden, so Brönners Wunsch.

    Fakten zur Feldlerche und LBV-Aktion
    Die Feldlerche ist etwas größer als der Spatz. Sie hat eine angedeutete Haube auf dem Kopf, gestreiftes bräunliches Gefieder und einen relativ langen Schwanz. Im Flug erkennt man an den Flügeln einen hellen Flügelsaum. Im Winter zieht sie ins Winterquartier nach Spanien.
    Ihre Verwandten sind Heide- und Haubenlerche, die noch im Landkreis Würzburg vorkommen. Die Heidelerche findet man auch noch auf Trockenrasen und in Steinbrüchen in Main-Spessart.
    Im Sommer ernährt sich die Feldlerche überwiegend von Grillen, Spinnen, käferartigen Tieren und halbreifen Samen von Süßgräsern. Im Winter nutzt sie auch etwas höhere Fruchtstände.
    "Meine 114 Euro für die Natur"- unter diesem Motto hat der Landesbund für Vogelschutz (LBV) eine Mitmach-Aktion gestartet, bei der jeder Vorschläge machen kann, wie man bedrohten Arten hilft. Weitere Informationen unter www.lbv.de/feldlerche
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