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    HOLZKIRCHHAUSEN

    Feuer vernichtete ganzen Ortsteil

    Wir waren gerade beim Mittagessen, da wurde es plötzlich ganz dunkel“, erinnert sich ein Zeitzeuge aus Holzkirchhausen an den Großbrand am Ostersonntag 1968. „Zu dem Zeitpunkt hat es schon gebrannt. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus, weil in den brennenden Scheunen Stroh, Heu und Erntevorräte gelagert waren.“

    Der Zeuge, der damals Mitglied der örtlichen Feuerwehr war, aber nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet weiter: „Wir haben eine Tragspritze neben den Bach gestellt und von dort die Löschschläuche gelegt, aber das Wasser hat nicht gereicht. Der ganze Bach war leer gepumpt. Es war schlimm, ein ganzer Ortsteil war betroffen.“

    Zehn Scheunen mit den dazugehörigen landwirtschaftlichen Gebäuden waren bei dem verheerenden Feuer komplett zerstört worden. Zum Gedenken an das Unglück hatte der Museumsverein Holzkirchhausen am vergangenen Sonntag ins Dorfmuseum eingeladen. Ungefähr 250 Besucher, darunter viele auswärtige Gäste und ehemalige Feuerwehrleute aus umliegenden Orten, die bei den Löscharbeiten geholfen haben, hatten die Gelegenheit ergriffen, sich über das Ereignis zu informieren und sich von Zeitzeugen das Geschehen vor Augen führen zu lassen.

    Der ehemalige Feuerwehrmann Herbert Schätzlein aus Uettingen, der ebenfalls bei der Bekämpfung des Großbrands geholfen hat, erzählt: „Nachdem mittags der Feuerwehralarm ertönt war, sind wir mit unserem an einen Kleinlaster angehängten Spritzenwagen nach Holzkirchhausen hinübergefahren. Alles hat gebrannt. Ich war gerade mal 17 Jahre alt und habe bei der Sicherung der noch nicht brennenden Holzlege geholfen. Wer mich dazu eingeteilt hat, weiß ich gar nicht, es war alles ein großes Chaos.“ Schätzlein erklärt, dass der Einsatz der ungefähr 20 Uettinger Feuerwehrleute ungefähr drei Stunden gedauert hat. Einige mussten wegen leichter Rauchvergiftungen medizinisch versorgt werden. „Ein Bild habe ich noch vor Augen“ erinnert sich Schätzlein, „das sind die Kühe, die im Hof herumliefen“.

    Erwin Baunach aus Holzkirchhausen hat den Brand mit 21 Jahren ebenfalls hautnah erlebt. Sein Elternhaus stand direkt an der Grenze zur Brandstätte, es konnte aber gerettet werden. „In unseren Nebengebäuden gab es auch Glutnester, die haben Bekannte und Verwandte mit den Füßen niedergetreten.“ Baunach erzählt weiter, dass „jemand unsere Geldkassette in die gegenüberliegende Gaststätte ,Grüner Baum‘ getragen hat, um sie in Sicherheit zu bringen“. Besonders lobt Baunach den damaligen Zusammenhalt der Gemeinde und die Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner sowie auswärtiger Helfer, die unter anderem Heu und Stroh für das Vieh gespendet haben, und außerdem die US Army, die bei den Aufräumarbeiten geholfen hat.

    Neben dem Austausch von Geschichten und Erlebnissen von damals konnten die Besucher im Dorfmuseum in einer Sonderausstellung Fotos, Zeitungsausschnitte und Karten von dem Großbrand anschauen.

    Am frühen Abend führte der Zweite Bürgermeister von Helmstadt, Matthias Haber, die Besucher durch die ehemaligen Brandstätten. „Der Brand war ein einschneidendes Ereignis für Holzkirchhausen, in dessen Folge das neue Baugebiet ,Obere Gasse‘ unbürokratisch ausgewiesen wurde“, berichtete Haber den ungefähr 100 interessierten Zuhörern. „Es war das erste Baugebiet überhaupt in Holzkirchhausen.“

    Der Rundweg führte vom Dorfmuseum in Richtung Ortskern bis zur Dorflinde. Hier hat man einen guten Einblick auf den Ort, der damals der Brandherd war. Haber erläuterte viele interessante Details: Der Feueralarm erfolgte damals durch das Läuten der Kirchenglocken. Weil das Wasser des Welsbaches nicht zum Löschen gereicht hat, wurde Wasser vom Löschweiher in Helmstadt mitverwendet. Die Asche wurde bis nach Kembach getragen und es gab eine „unheimliche Feuer- und Windentwicklung“. Noch nach einer Woche flammten immer wieder Glutnester auf, sodass Feuerwachen aufgestellt wurden. Zum Glück kamen keine Menschen und Wohnhäuser zu Schaden.

    Der Weg ging weiter zur heutigen Brandstraße, die in Gedenken an den Brand so genannt wurde. Die Straße war früher eine Sackgasse und wurde erst nach dem Unglück zur Durchgangsstraße ausgebaut. Zwischen dieser Sackgasse und dem umliegenden Ort hatten die Bewohner ein eigenes Wegesystem aufgebaut, um die Fußwege zum Ort zu verkürzen.

    In der Brandstraße befindet sich das einzige im Brandgebiet erhaltene Gebäude: eine ehemalige Schreinerwerkstatt, erbaut 1843, die im Besitz der Familie Weigand ist. Des Weiteren sind ein nach dem Brand neu gebautes landwirtschaftliches Gebäude zu sehen und eine große freie Fläche, auf der die abgebrannten Scheunen gestanden hatten. Haber führte die Gäste weiter zu einem Gehöft, das zwar selbst seinerzeit nicht betroffen war, aber im Zuge der Brandsanierung mit renoviert wurde. Am Ende des Rundganges zeigte er eine Tür, die seinerzeit der Ausgang des Bewohner-Fußwegesystems gewesen war.

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