• aktualisiert:

    UETTINGEN

    Feuerwehrübung: Schweres Busunglück inszeniert

    Es ist ein Horrorszenario: Ein Linienbus fährt auf einen Sattelzug auf. Die Fahrerkabine wird wie eine Ziehharmonika zusammen geschoben. Der Fahrer ist zwischen Sitz und Lenkrad eingeklemmt.

    Es ist zum Glück nur eine Übung, die sich Einsatzleiter Fabian Rößler für die Uettinger Feuerwehr ausgedacht hatte. Auf einem Firmengelände im Neuen Hafen in Würzburg wurde der Unfall inszeniert, sowie die Rettung und Betreuung der Verletzten im beengten Bus geübt. Auch die Absicherung des Fahrzeuges mussten die Einsatzkräfte trainieren. Reicht eine Seilwinde oder benötigen sie einen Unterbau?

    An einem Bus können Feuerwehrleute nur selten üben

    „Es ist ein Unterschied ob die Einsatzkräfte einen PKW anheben müssen oder einen Bus“, erzählte Zweiter Kommandant Ralf Schick. Hier stoße die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehren schnell an die Grenzen und der Einsatzleiter muss entscheiden, ob zur Rettung der Verletzten entsprechendes Gerät, wie beispielsweise ein Rüstwagen nachalarmiert werden muss. Dieser entstand, als die „normale“ Ausrüstung der Feuerwehren für Hilfeleistungseinsätze zu komplex wurde.

    Im Ernstfall müsste der Rüstwagen aus Hettstadt alarmiert werden. „Bei einem Busunfall ist alles größer und wir brauchen von allen Geräten mehr“, erklärt Kommandant und Einsatzleiter Fabian Rößler. Laut Alarmierungsplan der Leitstelle werden bei einem Verkehrsunfall zwei Wehren und bei einem Bus- oder Lasterunfall vier Wehren alarmiert. Während bei Großübungen, Zeit bei der Rettung der Verletzten eine wichtige Rolle spielt, konnten die Teilnehmer der Sonderübung während der Übung diskutieren, Fragen stellen und auch mal verschiedene Hilfsmittel ausprobieren. Ein Glücksfall, da waren sich alle Teilnehmer aus Uettingen, Holzkirchen und Helmstadt einig, mal an einem Bus üben zu können – denn das komme sehr selten vor.

    Kommandant achtet auf den Eigenschutz seiner Kameraden

    „Gerade bei einem Großeinsatz“, so Kreisbrandmeister Manfred Brühler, „ist es wichtig, dass die Gruppenführer die Schwachstellen der Fahrzeuge genau kennen.“ Gemeint ist der Einsatz des Technischen Geräts, dem sogenannten Hilfeleistungssatz, der bei der Uettinger Wehr auf dem Löschfahrzeug 16 zu finden ist. Um Personen aus Fahrzeugen zu befreien, steht der Feuerwehr ein hydraulischer Hilfeleistungssatz zur Verfügung.

    Er besteht aus einem Hydraulikaggregat, einem Spreizer, einer Rettungsschere, einem Pedalschneider, drei Rettungszylindern und umfangreichem Zubehör.

    Bei der Bereitstellung der nötigen Geräte wies der Kommandant auf den nötigen Abstand zum Fahrzeug hin. „Wir rechnen bei so einem Unfallszenarium mit vier Wehren, die in Abschnitte eingeteilt werden und ungehindert an ihr Gerät müssen. Disziplin und Ruhe bei der Gerätebereitstellung ist auch hier gefordert und bedarf, wie Rößler betonte, intensiver Übung. Der Einsatzleiter hat dabei den Eigenschutz seiner Mannschaft immer im Fokus. Was leider immer wieder unter Stress bei schweren Einsätzen vergessen wird und zu Unfällen bei Feuerwehrleuten führen könnte, ergänzte Schick. Kein Gerät sollte ohne die nötigen Schutzvorrichtungen verwendet werden. Am Beispiel der Säbelsäge, die beim Einsatz eines zusätzlichen Zugangs über das Dach zum Einsatz kam, erläuterte der Einsatzleiter die Gefahren. Mundschutz, Schutzbrille und Schutzhandschuhe sind zwingend vorgeschrieben.

    Vor der praktischen Übung kam die Theorie

    Um den verletzten Busfahrer befreien zu können, musste der Bus mit einem Kran auf die Seite gedreht werden. Die Rettungskräfte sollten den Dummy durch die Dachluke ins Freie bringen, hatten aber Probleme mit den Halte-Stangen im Bus, die ihnen im Weg standen. „Das ist schon Kräfte zehrend“, kommentierte Rößler, als er dabei zusah, wie seine Kameraden den Verletzten über eine Rettungskette zur Dachluke hievten.

    Vor der Übung wurden die Feuerwehrleute vier Wochen lang in Theorie geschult. Dabei wurde der Fahrzeugaufbau der verschiedenen Busmodelle sowie die verschiedenen Betriebssysteme erläutert. Daran schloss sich eine dreiwöchige Reihe mit dem Schwerpunkt der Personenrettung aus dem stehenden Bus an.

    Die 56 Aktiven der FFW Uettingen sind im vergangenen Jahr 94 Einsätze gefahren, davon 48 Technische Hilfeleistung (THL), 34 First Responder und 12 Brandeinsätze.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!