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    WALDBRUNN

    Finanzlage nicht so rosig wie gefühlt

    Bis 2021 stehen für die Gemeinde Waldbrunn nach dem vom Gemeinderat einstimmig verabschiedeten Finanzplan zum Haushaltsentwurf gewaltige finanzielle Aufwendungen bevor.

    Alleine in dem von Geschäftsleiter und Kämmerer Raimund Krappel vorgelegten Etatentwurf für das laufende Haushaltsjahr sind bereits hohe Ausgaben beinhaltet, die eine Entnahme aus der Rücklage von 4,266 Millionen Euro notwendig machen. Mit einem Gesamtvolumen von fast elf Millionen Euro, bei 5,161 Millionen im Verwaltungshaushalt und 5,817 Millionen im Vermögenshaushalt, weist der Etat einen Rekordwert auf.

    „Macht nicht die Aufnahme eines Kredites Sinn in der aktuellen Niedrigzinsphase, bei bevorstehenden Gesamtinvestitionen von rund 12,2 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren?“ Diese Frage hatte Joachim Endres (UBG) bei der Haushaltsberatung an Kämmerer und Geschäftsleiter Raimund Krappel gerichtet. „Denn bei Rücklagen von 7,2 Millionen Euro steht der voraussichtlichen Investitionssumme aktuell eine Deckungslücke fünf Millionen Euro gegenüber“, begründete Endres seine Frage.

    Sparsamer Kämmerer

    „Nicht in der Finanzierungsplanung beinhaltet sind derzeit jedoch Fördermittel und weitere Erlöse aus dem Baulandverkauf nach Erschließung des zweiten Bauabschnitts im Baugebiet 'Wiesengrund II'“, entgegnete Bürgermeister Hans Fiederling (UBG). Wer den sparsamen Kämmerer aber kennt, könnte hinter der Finanzplanung auch einen versteckten Hinweis für den Gemeinderat sehen, einen sorgsamen Umgang mit der aktuell vorhandenen relativ kommoden finanziellen Ausstattung der Gemeinde zu pflegen. Denn ob die Einnahmen aus der Vermarktung weiterer Baugrundstücke weiterhin so sprudeln wie im ersten Bauabschnitt, vermag niemand zu sagen.

    Mehrere gehörige Dämpfer hatte der Kämmerer bereits wegstecken müssen bei der Erstellung des Haushaltsentwurfs, den Bürgermeister Hans Fiederling als „teilweise positiv, teilweise weniger erfreulich“ bezeichnete. Denn: ungewöhnlich hohe Einnahmen bei der Gewerbesteuer von 1,75 Millionen Euro im Jahr 2016 wirken sich nun nachteilig aus auf die Höhe der Schlüsselzuweisungen und der Kreisumlage.

    Trotz der voraussichtlichen Senkung der Kreisumlage ergibt sich aus der gestiegenen Steuerkraft der Gemeinde ein Anstieg von 313 000 Euro auf 1 256 300 Euro an den Landkreis. Noch drastischer sind die Auswirkungen bei den Schlüsselzuweisungen, die sich von 530 800 Euro im Vorjahr auf lediglich 55 300 Euro um immerhin 89,5 Prozent reduzieren. „So rosig wie es allgemein empfunden wird, ist unsere finanzielle Lage also nicht“, mahnte Krappel.

    Keine Kredite

    Beispielhaft für die Entwicklung der Finanzsituation ist auch der Rückgang der Zuführung von nur noch 333 000 Euro entgegen 999 000 Euro im Vorjahr vom Verwaltungs- zum Vermögenshaushalt. Konsequent verzichtet der Kämmerer dennoch auch im aktuellen Etatentwurf auf die Aufnahme von Krediten. Somit bleibt die Gemeinde – wie seit 2009 – auch weiterhin ohne jegliche Verschuldung. Dennoch prognostiziert der Kämmerer die Zahlung von 6000 Euro an Negativzinsen für das vorhandene Guthaben. Dieses wird sich bei den geplanten Investitionen jedoch schnell reduzieren.

    Die größte Ausgabenposition im laufenden Jahr betrifft den mit 2,3 Millionen vorgesehenen Kindergartenneubau. Weitere Ausgaben von etwa 1,2 Millionen Euro sind zur Erschließung des zweiten Bauabschnitts im „Wiesengrund II“ vorgesehen. Bisher noch nicht kalkulierbar ist der Neubau einer Veranstaltungshalle, für die der aktuelle Etat bereits 400 000 Euro an Planungskosten beinhaltet. Für Waldbrunner Verhältnisse „kleinere“ Ausgaben betreffen unter anderen die Umstellung der Straßenbeleuchtung (162 000 Euro) und ein Kommunalfahrzeug (100 000 Euro). Den Finanz- und Stellenplan bis 2021 verabschiedete der Gemeinderat ebenso einstimmig wie den Etatentwurf für 2018.

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