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    Prosselsheim

    Fledermäuse: Ein Leben in Nischen

    Fledermausinteressierte mit (links) Bürgermeister Richard Öchsner und (Mitte) dem Fledermausexperten Wolfgang Otremba. F...

    Wer denkt bei Fledermäusen nicht gleich an den bekannten Film "Batman" oder an blutsaugende "Vampire", so begann Dr. Wolfgang Otremba seinen Vortrag im historischen Rathaussaal in Prosselsheim, zu dem der Fledermausexperte mit Kerstin Stark anlässlich der internationalen Fledermausnacht eingeladen hatten.

    Der Experte erklärte, dass sich verschiedene Fledermausarten meist unbemerkt in unserer unmittelbaren Umgebung aufhalten und als leise Untermieter durch ihrer Nachtaktivität nur schwer auszumachen sind. "Aber sie leben mitten unter uns und das ist gut so. Denn sie halten viele Schädlinge von und fern". Dann erzählte er einige Eckpunkte der geheimnisvollen Flattertiere. So hätten sie alle Wirren der Evolution seit 50 Millionen Jahren überstanden. Nachgewiesenermaßen gibt es laut Otremba 24 Arten in Bayern und deutschlandweit 27. Diese seien aber durch die intensive Landwirtschaft mit ihren leergeräumten Fluren in ihren Bestand sehr gefährdet, sodass ihr Bestand von 1965 mit 4500 Tieren auf rund 500 Tieren im Jahre 2008 zurückgegangen ist. Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Sie halten einen fünfmonatigen Winterschlaf .

    Otremba berichtete auch vom akustischen Radar mit Ultraschall, den die Tiere zur Orientierung und zum Jagen auf Insekten und Spinnentiere nutzen.  Die Beute wird vorwiegend im Flug ergriffen. Langohr-Fledermäuse können sogar im Rüttelflug quasi im "Stillstehen" Insekten von den Blättern ablesen. Aber es gibt auch das große Mausohr, diese jagen auf dem Fußboden, wobei sie von Geräuschen und Gerüchen der Insekten geleitet werden. Die Wimper- Fransenfledermaus sucht nachts Kuhställe auf und "pflückt" dort die Fliegen von der Decke oder Wände.

    Als Quartier bevorzugen Fledermäuse, um sicher vor Fressfeinden denn Tag verschlafen zu können, dunkle, trockene und enge Räume - oft in stillen Kirchendachstühlen, hinter Fensterläden oder kleinen Felshöhlen. Um den Tieren bei ihrer Quartiersuche zu helfen, könne man aber auch Fledermauskästen an Häuser und Bäumen anbringen. Diese müssten aber alljährlich gepflegt werden. 
    Der zweite Bürgermeister von Prosselsheim Richard Öchsner hat vor Jahren diese Aufgabe übernommen, sodass im Prosselsheimer Wald einige dieser Kästen hängen und von ihm und einigen Dorfbewohnern jährlich behütet und gepflegt werden.

    Zum Schluss erklärte der Fledermausexperte zur Erleichterung der Gäste, dass es in Europa keine blutsaugenden Fledermäuse gebe. "Diese kommen weit weg von uns nur in Südamerika vor".

    Anschließend an den Vortrag fuhr man zum neuen Fledermaus-Lehrpfad in der Parkanlage des ehemaligen Würzburger Umlaufkanals neben dem Burkarder Tor nach Würzburg um dort an einer Bat-Detector-Führung des Naturwissenschaftlichen Vereins Würzburg teilzunehmen.  

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