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    THÜNGERSHEIM

    Florale Kunst in Thüngersheim

    Mit einer Kunstausstellung nicht nur einen Bogen über vier Jahrhunderte zu schlagen, sondern damit auch noch die ganze Welt zu umspannen - das ist ein seltenes Kunststück. Am Freitag erlebten rund 150 Gäste in Thüngersheim ein solch einzigartiges Ereignis. Die feierliche Eröffnung der Doppelausstellung „Floras alte Meister“ und „Floras neue Meister“ war Teil eines weltweiten Veranstaltungsreigens zum Start der internationalen Ausstellungsreihe zur floralen Kunst („Botanical Art Worldwide“).

    Europäische Angebote

    Damit reihte sich der kleine Weinort am Main als deutsch-österreichischer Beitrag ein in die europäischen Angebote in England, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Russland und Schottland. Los ging es am 18. Mai, dem weltweiten Tag der Botanischen Kunst, in Japan, erläuterte Sylvia Peter. Sie leitet gemeinsam mit ihrem Mann Michael Junginger das Forum Botanische Kunst.

    Es folgten Korea, China, Australien, Afrika, Europa, die USA, Kanada und Südamerika. Jedes der 26 Teilnehmerländer hat 40 Dias zusammengestellt - insgesamt über 1000 Dokumente der heimischen Flora. Für dieses Thema hat sich das internationale Komitee entschieden, so Peter, um auf die Pflanzenvielfalt (Biodiversität) hinzuweisen - und deren Bedrohung. Alle Wettbewerbsbeiträge konnte man im Forum auf einem eigens aufgestellten Bildschirmen sehen.

    Weltweites Großprojekt

    Vier Jahre zuvor, erzählte Peter, hatte ihre Künstlerkollegin Verena Redmann die Idee, bei diesem weltweiten Großprojekt mitzumachen, aus Pittsburgh mitgebracht. „Sie haben mich gefragt, ob wir mitmachen wollen, vielleicht im Botanischen Garten in Berlin“, hatte Redmann begeistert berichtet. Peter reagierte prompt: „Klar machen wir mit. Aber bei uns in Thüngersheim – da kommen mehr Leute.“ Den Impuls, die alten Meister noch ins Programm einzubeziehen, gab ein Arbeitsfrühstück in Westfalen, so die Galeristin weiter.

    Fasziniert erfuhren die Besucher zu Beginn des Abends in den Kirchgaden von der Kunsthistorikerin und Merian-Fachfrau Birgit Strehler viele interessante Details über die Geschichte der botanischen Kunst und ihrer Stars wie beispielsweise die emanzipierte und unerschrockene Maria Sibylla Merian (1647-1717).

    Aus Liebe zu Schmetterlingen

    Für ihre Liebe zu Schmetterlingen reiste sie zwei Jahre nach Surinam, die niederländische Kolonie in Südamerika. Letztlich waren die Bücher mit den begehrten Kupferstichen von Pflanzen nichts anderes als Selbsthilfebücher, so Strehler. Die Leser nutzten die detailgetreuen Illustrationen der Heilpflanzen, etwa im „Hortus Eystettensis“ (Garten von Eichstätt) des Impressarios und Apothekers Basilius Besler, als Anleitung, um sich gesund zu erhalten.

    „Von einer solchen Kupferplatte konnte man höchstens etwa 100 Abzüge machen“, verriet Strehler. Bücher waren demzufolge nicht massentauglich. Anders als heute kaufte man das wertvolle Gut obendrein mühsam in Einzelteilen: Papier, Inhalt (Kupferstiche) und Buchbinden jeweils getrennt. Die Besucher der Ausstellung haben es leichter: Kostenfrei können sie hüben wie drüben ein breites Spektrum der filigranen Kunst neuer und alter Meister auf sich wirken lassen – und kaufen.

    Eine Hommage an die Österreicher

    Das Quartett „Chilli spontane“ versüßte mit zeitgenössischer Musik die ausgestellte Kunstwerken sowie den Fußweg durch die Gassen des Altorts, von einem Ausstellungsort zum anderen. Ihr Strauß-Walzer, so Peter, war eine Hommage an die Österreicher unter den 26 von der fachkundigen Jury ausgewählten Ausstellern im Forum Botanische Kunst.

    Doppelausstellung

    „Floras alte Meister“ und „Floras neue Meister“ – beide Ausstellungen sind noch bis 22. Juli in den Kirchgaden und im Forum Botanische Kunst zu sehen. Geöffnet ist jeweils samstags, sonntags und an Feiertagen, von 13 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Zur Finissage am 22. Juli, 19 Uhr, hält Birgit Strehler einen ausführlichen Vortrag über die Pflanzendarstellung in der Kunstgeschichte.

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