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    EIBELSTADT

    Flowtrail: Wie eine Achterbahnfahrt im Wald

    Ein Erdhaufen, eine Harke, eine rot-weiße Absperrkette – wer oberhalb des Terroir-F-Aussichtspunkts bei Eibelstadt in den Wald geht, sieht sofort: Hier wird gebaut. Die neu gegründete Radsportabteilung des TSV Eibelstadt möchte aus einer schon länger existierenden, inoffiziellen Strecke für Mountainbiker einen durchdachten, gut gebauten und behördlich genehmigten Flowtrail machen. Was das ist, weiß Lars Kraus, auf dessen Initiative hin die 1,6 Kilometer lange Abfahrt nun entsteht.

    „Ein Flowtrail ist eine Mountainbikestrecke, die ein fließendes Fahrgefühl vermittelt, ähnlich einer Achterbahnfahrt durch den Wald“, erklärt Kraus. Dazu bedarf es eines abfallenden Geländes, denn der Flowtrail besteht aus Kurven, Hindernissen und Geländewellen und wird stets nur von oben nach unten befahren. Solche Strecken zeichnen sich dadurch aus, dass sie grundsätzlich von jedermann gemeistert werden können. Die Schwierigkeit eines Flowtrails hängt nämlich ausschließlich von der Geschwindigkeit ab, mit der er befahren wird.

    Wichtig war die behördliche Genehmigung

    Lars Kraus ist leidenschaftlicher Radsportler, und sein zehnjähriger Sohn Georg eifert ihm bereits nach. Am Anfang seines Engagements für den Flowtrail stand natürlich Kraus' höchstpersönlicher Wunsch nach einer solchen Strecke für sich und seine Kinder in der Nähe seines Heimatortes Eibelstadt. Denn ähnliche Strecken finden sich Kraus zufolge in einem Umkreis von etwa 90 Kilometern um Würzburg nicht. Offizielle Strecken, wohlgemerkt. Von Mountainbike-Enthusiasten selbst gebaute Trails ohne behördliche Genehmigung, die mehr oder weniger geduldet werden, gibt es hingegen nicht wenige.

    So etwas wollte Lars Kraus von Anfang an nicht. Die Strecke, die ihm vorschwebte, sollte sicher sein und regelmäßig gewartet werden. Außerdem werden hier Nutzungsregeln gelten, an die sich jeder zu halten hat. Kraus war klar, dass solch ein Vorhaben nur mit dem Rückhalt durch einen Verein durchzuführen ist. Deshalb setzte er sich für die Gründung einer Radsportabteilung beim TSV Eibelstadt ein und fasste bereits 2016 den Wald hinter dem Terroir-F-Standort ins Auge.

    Im Sommer ruht die Arbeit an der Strecke

    „Unser Bürgermeister ließ sich für die Idee begeistern“, freut sich Lars Kraus. Die Stadt gab ihr Okay für die Nutzung des ihr gehörenden Areals. Die Untere Naturschutzbehörde prüfte das Vorhaben, sah aber keinen Eingriff im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes. Im Frühjahr 2018 konnten die Radsportfreunde mit der Arbeit beginnen. Im Augenblick allerdings ruht sie, denn erstens naht die Urlaubszeit, und zweitens können bei anhaltender Trockenheit die notwendigen Erdarbeiten nur schwer durchgeführt werden.

    „Wir machen das meiste in Eigenleistung“, sagt Kraus. Bei gröberen Arbeiten half der Bauhof mit seinen Maschinen, wofür die Sportler sehr dankbar sind. Mit Harken, Schaufeln und Rüttelplatte sind die mehr als 50 Freiwilligen im Wald zugange. In Schlangenlinien zieht sich die Strecke zur Straße nach Lindelbach hinunter. Dabei wird eine Höhendifferenz von 70 Metern überwunden. Kurven müssen gezogen, Erdwälle aufgeschüttet und Hindernisse eingebaut werden. Große Eingriffe in die Natur seien aber nicht vonnöten gewesen, sagt Lars Kraus. „Es ist ein naturbelassener Trail mit naturnah angelegten Hindernissen.“

    Viele waren zunächst skeptisch

    Nur drei lebende Bäume sowie mehrere abgestorbene mussten gefällt werden, da sie zu nah an der Strecke standen und die Radfahrer hätten gefährden können. Als Ausgleich für diesen Eingriff in die Natur habe das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) eine Aufforstung an anderer Stelle verlangt, erklärt auf Anfrage Bürgermeister Markus Schenk. Diese Aufforstung soll auf einer Fläche von 2,2 Hektar am Alten Berg erfolgen.

    Lars Kraus ist auf etliche Menschen getroffen, die den Bauarbeiten im Wald skeptisch gegenüberstanden. „Aber wenn man mit den Leuten ins Gespräch kommt und ihnen erklärt, was wir machen, sind viele begeistert.“ Er kennt daher auch die Bedenken, dass der Flowtrail das Wild verschrecken könnte.

    Das Wild gewöhnt sich schnell an Neuerungen

    Doch das AELF, das als Untere Forstbehörde in den Genehmigungsprozess eingebunden war, gibt Entwarnung. „Wo es ausgewiesene Wanderwege gibt, steht erfahrungsgemäß das Wild drei Meter daneben und guckt“, sagt Ludwig Angerer, Bereichsleiter Forsten im AELF. Die Tiere gewöhnten sich recht schnell an solche Neuerungen. Angerer sieht den Flowtrail insgesamt sehr positiv: „Bevor die Leute sich wild im Gelände austoben, ist es besser, wenn es kontrolliert stattfindet.“

    Dass es auf dem Flowtrail geordnet zugeht, dafür sollen die Regeln sorgen, die für jeden Nutzer verbindlich sind und die am Beginn der Strecke aushängen. Sie orientieren sich an den Vorgaben der Deutschen Initiative Mountain Bike (DIMB). Rücksichtnahme auf andere Nutzer, auf die Natur und das Wild werden vorausgesetzt. Kostenfrei zugänglich ist die Abfahrt grundsätzlich für jeden, der einen Helm trägt und die vorgegebenen Nutzungszeiten zwischen einer Stunde nach Sonnenaufgang und einer Stunde vor Sonnenuntergang einhält.

    Schnuppertraining für Kinder und Erwachsene

    Wo der Trail die Nordic-Walking-Strecke kreuzt oder auf sonstige Wege stößt, wird er so gebaut, dass die Fahrer vor der Kreuzung abbremsen müssen. Der Verein sorgt dafür, dass sich die Strecke in verkehrssicherem Zustand befindet, darüber hinaus ist jeder Fahrer für sich selbst verantwortlich.

    Michael Hemkeppler, ebenfalls TSV-Mitglied und Radsportler, denkt bereits an Schnuppertraining, jeweils eines für Kinder und eines für Erwachsene, im Herbst. Ab 2019 soll es ein regelmäßiges Training geben. „Das Ziel ist, auf dem Trail fahren zu können“, sagt Hemkeppler.

    Einweihungsfeier im Oktober

    Grundsätzlich kann das zwar jeder, denn bei langsamer Fahrweise sind die eingebauten Hindernisse kein Problem, und jede schwierige Stelle kann außerdem umfahren werden. Mehr Spaß macht die Abfahrt aber in etwas rasanterem Tempo, und das muss geübt werden. Für den Fall, dass doch einmal etwas passieren sollte, gibt es ein Rettungskonzept mit entsprechenden Rettungspunkten an der Strecke.

    Ab 15. September soll am Flowtrail weitergebaut werden, für den Oktober ist eine Eröffnungsfeier geplant. Bis dahin wollen Lars Kraus und Michael Hemkeppler sowie ihre Mitstreiter Roman Herlitz und Michael Herbig dem Startpunkt oberhalb des Terroir-F-Standortes noch ein wenig mehr Aufenthaltsqualität verleihen. Denn für Kraus ist klar: Die Strecke wird mit Sicherheit ein Anziehungspunkt für Familien mit Kindern, die sich gerne in der Natur bewegen. Und Kraus glaubt, dass sich das Angebot auch touristisch nutzen lässt.

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