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    Ochsenfurt

    Förderpreis: Ochsenfurter Ratsapotheke überzeugte die Jury

    Beatrice Guttenberger (Zweite von links) hat den Förderpreis der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz für ihre Apotheke in der Ochsenfurter Altstadt erhalten. Mit im Bild (von links) Bürgermeister Peter Juks, Architekt Fritz Staib und die zweite Bürgermeisterin Rosa Behon. Foto: Claudia Schuhmann

    Ausgerechnet am 26. September hatte Beatrice Guttenberger einen privaten Termin und konnte nicht nach Hammelburg fahren, wo ihr bei einem Festakt der "Förderpreis der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz" überreicht werden sollte. Statt ihrer nahm der Ochsenfurter Bürgermeister Peter Juks am Festakt teil. Die Plakette samt Urkunde reichte er nun bei einem Pressetermin im Rathaus an die Apothekerin weiter, die den Preis für die aufwändige Sanierung der Ratsapotheke in Ochsenfurt erhalten hatte. Insgesamt wurden fünf Bauherren ausgezeichnet.

    Versonnen lächelnd hält Juks die schwere Plakette in den Händen - fast so, als wolle er schon mal probieren, wie sie sich anfühlt. Die Stadt Ochsenfurt könnte nämlich, wenn es nach dem Bürgermeister geht, nach der anstehenden Sanierung des Rathauses mit diesem Projekt auch ein Kandidat für den Preis sein. In diesem Jahr aber steht jemand anderes im Mittelpunkt: Beatrice Guttenberger, die 2016 die Sanierung der Ratsapotheke in Angriff nahm. Die 25 000 Euro Preisgeld steckt sie auch gleich wieder in das Gebäude: "Die fließen in die Kellersanierung", sagt sie.

    Immer mehr historische Schätze kamen ans Licht

    Eigentlich wollte die Apothekerin nur ein Badezimmer sanieren. Dabei stellte sich allerdings heraus, dass sich ein tragender Balken ins Nirvana verabschiedet hatte. Nachbar Wolfgang Baude empfahl den denkmalerfahrenen Architekten Fritz Staib - der übrigens auch an der Rathaussanierung mitwirkt. "Herr Staib hat das gemacht, als sei es sein Haus gewesen", lobt die Eigentümerin den Architekten. Von da an nahm das Projekt immer größere Dimensionen an, denn je mehr Putz und nachträglich angebrachte Verkleidungen entfernt wurden, desto mehr historische Schätze kamen ans Licht.

    "Der Preis soll zum qualitätvollen Nachahmen anregen."
    Fritz Staib, Architekt

    Ein Sinnspruch aus dem 16. Jahrhundert, ein Brief vom Anfang des 19. Jahrhunderts - eine Überraschung nach der anderen gab das alte Anwesen preis, bei dem es sich bei näherer Betrachtung eigentlich um drei Häuser in einem handelt: der älteste, vordere Teil aus der Zeit um 1450, und zwei nachträglich angebaute Gebäude aus dem 16. Jahrhundert.

    Viel Geld sei in das Projekt geflossen, sagt Beatrice Guttenberger. Wie viel genau, das möchte sie lieber für sich behalten. Dank des auch finanziellen Rückhalts aus ihrer Familie sei das Projekt aber möglich gewesen. Allein mit ihrem Verdienst als Geschäftsfrau hätte sie es nicht finanzieren können, sagt sie. Die gelungene Sanierung sei enorm wichtig für die Innenstadt, glaubt Fritz Staib. "Hier hat eine junge Geschäftsfrau das Erbe ihres Vaters angetreten und ist in der Innenstadt am Kämpfen." Die Apotheke sei mehr als ein Geschäft, in dem es Medikamente zu kaufen gibt. "Da treffen sich Menschen und führen Gespräche. Das habe ich selbst miterlebt", sagt der Architekt.

    Verschiedene Fördermöglichkeiten für private Bauherren

    Peter Juks dankte der Apothekerin für die Erhaltung dieses "Schmuckstücks spätmittelalterlicher Stadtgeschichte" im Herzen von Ochsenfurt. Die zweite Bürgermeisterin Rosa Behon, die als Bezirksrätin auch in der Jury für den Förderpreis saß, sieht die besondere Bedeutung des Preises in der Unterstützung vorwiegend privater Maßnahmen. "Der Preis soll zum qualitätvollen Nachmachen anregen", sagt Architekt Staib.

    So manche Überbleibsel aus der Vergangenheit des alten Hauses kamen bei der Sanierung zum Vorschein. Foto: Gerhard Meißner

    Unabhängig von dem Förderpreis gebe es noch weitere Möglichkeiten, sich bei Sanierungsmaßnahmen finanzielle Unterstützung zu sichern, ergänzt Juks. Zum Beispiel habe auch die Stadt solch ein Programm. "Das kommt aber bei vielen nicht an", beklagt der Bürgermeister.

    Jetzt, wo alles fertig ist, kann Beatreice Guttenberger ihr Haus entspannt betrachten und sagen: "Es ist wunderschön geworden." Einzig den Eingang hätte sie gern barrierefrei gestaltet, was aber der Höhenunterschied zum Straßenpflaster nicht zuließ. "Wir wollten den frischen Gehsteig nicht wieder aufreißen", erklärt Staib. Die Ratsapotheke verfügt deshalb über eine Glocke, mit der gehbehinderte Kunden sich melden können. Für sie wird dann eine mobile Rampe aufgestellt.

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