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    Fragen & Antworten: Das sollten Fahrer von E-Bikes beachten

    Wer ein E-Bike nutzen möchte, sollte sich vom Fachhändler korrekt einweisen lassen. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Wer am Wochenende eine Fahrradtour unternimmt, wundert sich manchmal über die Kondition anderer Radfahrer. Selbst an den steilsten Streckenabschnitten scheinen manche nicht aus der Puste zu kommen und treten munter bergauf. Doch oft liegt das hohe Tempo nicht an der reinen Muskelkraft der Fahrer - sondern an der Ausstattung ihres Rads.

    Denn immer mehr Deutsche nutzen Elektrofahrräder, umgangssprachlich auch  E-Bikes genannt. 2018 wurden nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands 980 000 E-Bikes verkauft, der Großteil davon waren sogenannte Pedelecs. Sie bieten nur dann Motorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Damit machen E-Bikes 23,5 Prozent des Gesamtfahrradmarkts aus. Anders gesagt: Schon fast jedes vierte verkaufte Fahrrad hat also einen Motor.

    Kein Wunder, dass es häufiger auch zu Unfällen mit den motorisierten Rädern kommt: Erst kürzlich verletzte sich ein Mann in Hausen (Lkr. Rhön-Grabfeld) auf der Heimfahrt mit seinem E-Bike schwer, in Wertheim (Lkr. Main-Tauber) verunglückte ein Fahrer tödlich.  Im vergangenen Jahr wurden laut Polizeipräsidium Unterfranken 120 Pedelec-Fahrer bei einem Unfall verletzt, eine Person wurde getötet. Das waren fast doppelt so viele Verletzte wie im Vorjahr: 2017 gab es in Unterfranken 72 verletzte Fahrer, eine Person kam ums Leben. Die getöteten E-Bike-Fahrer trugen nach Angaben der Polizei keinen Helm. Für das laufende Jahr hat das Polizeipräsidium Unterfranken noch keine statistischen Zahlen.

    Um schwere Unfälle zu verhindern, empfiehlt die Polizei ungeübten Nutzern, das Rad zunächst auf kurzen Strecken mit wenig Verkehr zu testen. Petra Husemann-Roew, Landesgeschäftsführerin beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Bayern, erklärt die wichtigsten Unterschiede bei den Modellen und was man vor dem Kauf beachten sollte.

    Welche Arten von Elektrofahrrädern gibt es?

    Die Bezeichnungen für die Radtypen sind nicht endgültig definiert, was häufig für Verwirrung sorgt. Der Ausdruck E-Bike wird oft als Oberbegriff verwendet, in der Fachwelt meint er eigentlich eine eigene Fahrzeugklasse.

    Petra Husemann-Roew, Landesvorsitzende des ADFC Bayern. Foto:  BR/Philipp Kimmelzwinger

    Man unterscheidet drei Kategorien: Das Pedelec ist dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt. Es unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor während des Tretens. Wer schneller als 25 Stundenkilometer fahren möchte, ist auf seine eigene Körperleistung angewiesen. Für das Pedelec benötigt man weder ein Versicherungskennzeichen noch eine Zulassung oder einen Führerschein.

    Die schnellen Pedelecs, auch S-Klasse genannt, gehören nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Sie funktionieren wie Pedelecs, der Motor unterstützt den Fahrer allerdings bis 45 Stundenkilometer. Für das schnelle Pedelec ist eine Betriebserlaubnis, ein Versicherungskennzeichen sowie eine Fahrerlaubnis der Klasse AM nötig. Zudem muss der Fahrer mindestens 16 Jahre alt sein und laut Vorschrift einen geeigneten Schutzhelm tragen. 

    E-Bikes im engeren Sinn sind mit Elektromofas vergleichbar. Sie lassen sich per Schaltknopf fahren, auch ohne die Pedale zu treten. Das E-Bike gilt als Kleinkraftrad, wenn eine Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern nicht überschritten wird. Möchte man schneller fahren, ist man auf die eigene Leistungsfähigkeit angewiesen. Auch hier sind Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM nötig. Eine Helmpflicht gibt es nicht.

    Was ist beim Kauf eines Elektrorads zu beachten?

    Interessierte sollten sich von einem Fachhändler beraten lassen, bei dem sie die angebotenen Modelle testen können. Es gibt Unterschiede bei den Antriebskonzepten, der Reichweite des Akkus und den Einsatzbereichen. Vorher muss sich der Fahrer im Klaren sein, ob er das Rad für Alltagsfahrten oder den Freizeitbereich nutzt. Bei Testfahrten kann man sich am ehesten ein Bild machen, welches Modell gut zu den eigenen Gewohnheiten und Bedürfnissen passt. In der Regel sind unter 1800 Euro keine empfehlenswerten Modelle zu finden.

    In welchen Situationen ist ein E-Bike ungeeignet?

    Das Gewicht der Räder spielt eine große Rolle: Aktuelle Elektrofahrräder wiegen zwischen 22 und 25 Kilogramm. Das kann beim Treppensteigen am Bahnhof schwer werden. Für Kinder sollte die Nutzung eines Pedelecs eher eine Ausnahme darstellen, zum Beispiel auf Urlaubstouren. Kinder und Jugendliche fahren im Alltag besser mit eigener Muskelkraft.

    Was sollte man als ungeübter Nutzer beachten?

    Übung ist wichtig, beim Fachhändler sowie bei Fahrsicherheitstrainings. Ein Pedelec oder E-Bike verhält sich aufgrund von Gewicht und Lage des Antriebs anders als ein normales Fahrrad. Daher ist die Handhabung gerade für ältere Menschen gewöhnungsbedürftig. Das betrifft die Geschwindigkeit, das Bremsen und das Halten des Gleichgewichts.

    Welche Rolle spielt die Nutzung eines Helms mit Blick auf die Geschwindigkeit des Rads?

    Bei den S-Pedelecs ist ein Schutzhelm Pflicht. Das Tragen eines Helms wird vom ADFC in jedem Fall im Radsportbereich empfohlen: Sportliche Radfahrer sind auch ohne Motor mit bis zu 25 Stundenkilometern unterwegs. Ein Helm schützt nicht vor Unfällen, aber kann schwerere Verletzungen verhindern und mindern.

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