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    Ochsenfurt

    Frankenfestspiele: Kultur bleibt ein Minus-Geschäft

    Das skurrile Ritter-Musical "Spamalot" stand im vergangenen Jahr auf dem Spielplan der Frankenfestspiele. Antje Rietz steht auch in diesem Jahr im Musical "Hello Dolly" wieder als Hauptfigur auf der Bühne. Foto: Gerhard Meißner

    Während nebenan die Proben für die neue Spielzeit laufen, beschäftigte sich der Röttinger Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Fehlbetrag aus den Frankenfestspielen des Vorjahres. Knapp 131 000 Euro hat die Stadt 2018 für das Sommertheater draufgelegt. Verglichen mit dem Planziel 130 000 Euro fast eine Punktlandung.Keine Überraschung also. Trotzdem sorgen sich die Stadträte um die langfristige Entwicklung.

    Der normale Spielbetrieb verursachte Ausgaben von 758 000 Euro und brachte 598 000 Euro ein, davon 376 000 Euro aus Eintrittsgeldern. Enthalten sind darin auch die Zuschüsse, mit denen die öffentliche Hand die Frankenfestspiele und ihr Junges Theater unterstützt. 140 000 Euro gab es vom Freistaat, 28 000 von der Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken und 25 000 Euro vom Landkreis Würzburg.

    Sonderveranstaltungen zahlen sich aus

    Positiv haben sich die drei Sonderveranstaltungen ausgewirkt, mit denen Röttingen 2018 den 35. Geburtstag der Frankenfestspiele gefeiert hat, und der Verkauf von Speisen und Getränken während den Vorstellungen. Den Ausgaben von 143 000 Euro stehen hier Einnahmen von 171 000 Euro gegenüber.

    "Für mich ist es zentral, keine Stücke einzukaufen, sondern drei Eigenproduktionen entstehen zu lassen."
    Lars Wernecke, Intendant der Frankenfestspiele

    Kaum verändert – und das dürfte der Hauptgrund für kritische Nachfragen einiger Stadträte gewesen sein – haben sich hingegen die Zuschauerzahlen im normalen Spielbetrieb. 13 016 Zuschauer sahen die drei Hauptstücke, das sind nur rund 100 mehr als 2013, obwohl die Festspiele inzwischen einiges unternommen haben, um ihre Anziehungskraft zu steigern. Der positive Trend aus dem Jahr 2017, als 13 351 Zuschauer nach Röttingen kamen, ließ sich also nicht fortsetzen.

    Stärker auf die regionale Karte setzen

    In diesem Jahr hat Lars Wernecke die Festspielleitung übernommen, und der  frühere Oberspielleiter des Landestheaters Meiningen will noch stärker als bisher auf die regionale Karte setzen. Keine Fremdproduktionen mehr, alles made in Röttingen, lautet sein Rezept. "Für mich ist es zentral, keine Stücke einzukaufen, sondern drei Eigenproduktionen entstehen zu lassen", meinte Wernecke vor den Stadträten. "Die Verwachsung mit dem Ort ist dadurch eine ganz andere." Dass ihm und seinem Team dieser Mehraufwand bei gleichbleibendem Etat gelungen ist, nennt Wernecke "ein kleines Kunststück". 

    Am bewährten Dreiklang aus Musical, Operette und Schauspiel will Wernecke auch künftig festhalten. Neben "Hello Dolly" und dem "Vetter aus Dingsda" steht heuer die Komödie "Glorious!" über die wahre Geschichte der Millionärin Florence Foster Jenkins auf dem Spielplan, die sich ihren Bühnenerfolg erkaufte und als schlimmste Sängerin der Welt in die Geschichte einging. Gleichzeitig laufen bereits die Vorbereitungen auf die Spielzeit 2020, um im gleichen Kostenrahmen anspruchsvolle Theaterunterhaltung auf die Burg Brattenstein zu bringen, so der Intendant. Zur Stückeauswahl will sich er sich allerdings nicht äußern, bevor die Preisverhandlungen mit den Verlagen abgeschlossen sind.

    Förderung für die heimische Wirtschaft

    Ziel müsse weiterhin sein, die Zuschauerzahlen langfristig nach oben zu bringen und damit den Fehlbetrag zu reduzieren, mahnte UBR-Stadtrat Hartmut Eichinger. Albrecht Haag (CSU/FB) hielt dem entgegen, dass die Festspielbesucher im Gegenzug auch viel Geld in den Röttinger Beherbergungsbetrieben, Gasthäusern und Weingütern lassen. Deshalb sei es angemessener, eher von Wirtschafts- und Tourismusförderung zu sprechen, als von einem Defizit.

    Dass die Schlussabrechnung erst jetzt vorgelegt werden konnte, hat nach den Worten von Bürgermeister Martin Umscheid verwaltungstechnische Gründe. Erst mit Abschluss des Haushaltsjahres können bestimmte Kostenpositionen, etwa die vom Bauhof aufgewendeten Arbeitsstunden, den verschiedenen Aufgabenbereichen zugeordnet werden.

    Weil die personellen Kapazitäten der Verwaltungsgemeinschaft beschränkt sind, könne dies nicht früher erfolgen. Andernfalls müsse die Stadt eigenes Personal mit der Abrechnung der Festspiele beschäftigen. Der Stadtrat hatte sich vor Jahren bereits in einem Grundsatzbeschluss mit dieser Vorgehensweise einverstanden erklärt.

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