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    Röttingen

    Frankenfestspiele: Theater braucht kein kreatives Chaos

    Einen Szenenfoto aus dem Musical "Hello, Dolly!" könnte symbolhaft für das harmonische Team stehen, das Intendant Lars Wernecke zusammengeschnürt hat. Foto: Gerhard Meißner

    Der Vetter aus Dingsda hat seine Liebste gefunden. Damit ist auch die dritte und letzte Premiere der Frankenfestspiele gelaufen. Bühnenbildner Dirk Immich und Kostümbildnerin Angela C. Schuett brechen die Zelte ab.Ihre Arbeit ist erledigt. Auch Choreografin Julia Grunwald und Regisseur Björn Reinke haben nicht mehr viel zu tun. Nur der neue musikalische Leiter Rudolf Hild und seine 15 Musikerkollegen müssen bis zum Ende durchhalten.

    Jetzt liegt es allein an den Schauspielern, die Ideen der Regie mit Leben zu füllen. Und das haben sie in der ersten Vorstellung der Operette mit Bravour geschafft. Sagt zumindest Intendant Lars Wernecke, der sein Ensemble bei der nächtlichen Premierenfeier mit Lob überschüttet. Nicht nur die Bühnenprofis, auch die Amateur-Spieler des Extra-Ensembles, die Mitarbeiter von Stadtverwaltung und Bauhof und nicht zuletzt die rund 150 Ehrenamtlichen, die in den unterschiedlichsten Funktionen seinen ersten Röttinger Festspielen zum Erfolg verholfen haben.

    "Für mich ist es perfekt gelaufen", sagt Wernecke. Nicht nur die Operette "Der Vetter aus Dingsda", auch das Musical "Hello, Dolly!" und die Komödie "Glorious" seien Hightlights geworden. "Die Produkte stimmen. Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Leute Lust haben, hierher zu kommen."

    Gesangliche Qualität, gemischt mit Witz und Einfallsreichtum von Regisseur Björn Reinke, machen aus der Operette "Der Vetter aus Dingsda" einen unterhaltsamen Ohrenschmaus.  Foto: Gerhard Meißner

    Jeder von Werneckes Vorgängern hat die Frankenfestspiele auf seine Weise weiterentwickelt.Was den neuen Intendanten auszeichnet, sei das harmonische Miteinander innerhalb des Ensembles und die strukturierte Herangehensweise, mit der Wernecke das schmale Festspielbudget in großes Theater verwandelt hat, sagt Bürgermeister Martin Umscheid. "Bisher haben mir alle gesagt, dass zum Theater ein kreatives Chaos dazugehört", so Umscheid augenzwinkernd, "dass es auch ohne Chaos geht, war mir neu."

    "Bisher haben mir alle gesagt, dass zum Theater ein kreatives Chaos dazugehört; dass es auch ohne Chaos geht, war mir neu."
    Martin Umscheid, Bürgermeister

    Harmonie in der Truppe sei ihm ganz wichtig. Das beginne schon bei der Wahl der Mitarbeiter und dem Casting der Schauspieler. "Freilich gelingt das nicht immer", sagt Wernecke, aber vielleicht seien es ja die sieben Semester Psychologie-Studium, die sich auszahlen. "Vielleicht ist es aber einfach ein Talent von mir, zu integrieren und zu motivieren."

    An Motivation darf es nicht fehlen, denn am Geld kann es kaum liegen, dass Jahr für Jahr rund 50 hochklassige Profis auf, vor und hinter der Bühne den Weg nach Röttingen finden. Samt aller Bau- und Materialkosten steht den Festspielen ein Budget von rund 750 000 Euro zur Verfügung. Da bleibt keine Luft für üppige Gagen.

    Als Meisterin der Dissonanzen erweist sich Susanne Jansen in der Komödie "Glorious!" über das Leben von Florence Foster  Foto: Evelyn Fischer

    Was er und die übrigen Mitglieder des Ensembles dafür schätzen, sei die große Entfaltungsfreiheit, die ihnen die Frankenfestspiele bieten. "Wofür es an großen Theatern ganze Abteilungen gibt, darum kümmert sich in Röttingen eine Person, aber das dafür zuverlässig und mit Hingabe."

    "Die Produkte stimmen. Jetzt hoffe ich natürlich, dass die Leute Lust haben, hierher zu kommen."
    Lars Wernecke, Intendant

    Wie man in den Wald ruft, so schallt's zurück: "Ich hab selten eine so harmonische und gut geplante Vorbereitung erlebt", sagt technischer Leiter und Bauhof-Chef Udo Beil. Und auch sein Mitarbeiter Wolfgang Bauer, hauptsächlich mit dem Kulissenbau beschäftigt, hat die kollegiale Zusammenarbeit mit Intendant Lars Wernecke und Bühnenbildner Dirk Immich schätzen gelernt. Keine Extrawürste, keine panischen Änderungen in letzter Sekunde, stattdessen ein klares planerisches Konzept.

    Lars Wernecke möchte auch im kommenden Jahr mit der gleichen Führungs-Crew antreten. Die meisten von ihnen hätten bereits fest zugesagt, erzählt er. "Es ist ein Team, das zusammengewachsen ist."

    Setzt auf harmonische Zusammenarbeit: der neue Intendant der Röttinger Frankenfestspiele Lars Wernecke. Foto: Gerhard Meißner

    Er selbst beschäftigt sich inzwischen längst mit der Spielzeit 2020. Das Erfolgsmusical "Sugar - Manche mögen's heiß" nach der gleichnamigen Filmkomödie von Billy Wilder steht dann auf dem Spielplan. Mit der Bühnenfassung der Komödie "Ziemlich beste Freunde" will Wernecke die Freunde des zeitgenössischen Schauspiels nach Röttingen locken. Und den Operetten-Part vertritt "Orpheus aus der Unterwelt", Jacques Offenbachs Parodie auf die griechische Götterwelt, bekannt durch den berühmten Can-Can.

    "Hello, Dolly!", "Glorious" und "Der Vetter aus Dingsda" laufen noch bis zum 18. August. Außerdem stehen noch drei Sonderveranstaltung auf dem Programm. Am Dienstag, 16. Juli, ist Kabarettist Django Asül zu Gast, am Dienstag, 13. August, tritt Tatort-Pathologe Jan Josef Liefers mit seiner Band "Radio Doria" auf. Zu einem besonderen Höhepunkt könnte der Festspiel-Cocktail am Sonntag, 28. Juli, werden, wenn die Ensemble-Mitglieder die weniger bekannten Seiten ihres Könnens zum Besten geben.

    Zu einigen Vorstellungen verkehrt ab Würzburg der vergünstigte APG-Festspielbus. Weitere Infos und Karten im Festspielbüro im Röttinger Rathaus, Tel. (0 93 38) 97 28-55, oder unter www.frankenfestspiele.de.

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