• aktualisiert:

    Röttingen

    Frankenfestspiele: Zuschauerbilanz löst keine Diskussion aus

    Das Musical "Hello, Dolly!" war der Publikumsrenner bei den diesjährigen Frankenfestspielen in Röttingen. Doch wie soll es mit dem Sommertheater auf Burg Brattenstein weitergehen? Foto: Gerhard Meißner

    17 638 Gäste besuchten die Röttinger Frankenfestspiele 2019, sei es als Zuschauer bei den Hauptstücken, dem Kindertheater oder bei den Sonderveranstaltungen. Erstmals legte die Verwaltung dem Stadtrat eine detaillierte Aufstellung vor, die auch Freikarten für Sponsoren, Ehrengäste und Helfer enthielt. Welche Schlüsse man nun daraus zieht, blieb offen.

    Aus der Fraktion der Unabhängigen Bürger (UBR) war im Frühjahr schon die Forderung nach genauen Zahlen zur Entwicklung von Zuschauern und Kartenerlösen laut geworden. Vor allem schien dabei zu interessieren, wie viele Eintrittskarten tatsächlich verkauft und wie viele kostenlos vergeben werden, etwa an die Ehrengäste bei den Premieren.

    Zur Zählung extra Karten ausgegeben

    "Die Erhebung war eine durchaus schwierige Arbeit, die die Verwaltung viel Zeit gekostet hat", sagte Röttingens Bürgermeister Martin Umscheid. Bislang seien beispielsweise die Besucher bei Veranstaltungen ohne Eintrittsgeld oder die Freikarten an Schauspieler, Helfer und Musiker nur geschätzt worden. Jetzt mussten extra Zählkarten ausgegeben werden.

    Tatsächlich sind in den ausgegebenen Tickets 10 219 bezahlte Eintrittskarten für die Hauptstücke enthalten. Die Stadt bezahlte 84 Karten für die Stadträte und ihre Partner, 421 für Ehrengäste und 351 weitere für ehrenamtliche Helfer. Für die Kindervorstellungen des Jungen Theaters wurden insgesamt 2541 Karten verkauft. 1849 zahlende Besucher wurden bei den Sonderveranstaltungen gezählt, also beispielsweise beim Konzert des Heeresmusikkorps Veitshöchheim oder dem Auftritt von Jan Josef Liefers und seiner Band.

    "Die Erhebung hat die Verwaltung viel Zeit gekostet."
    Martin Umscheid, Bürgermeister

    Bleiben die 781 Besucher der kostenlosen Veranstaltungen wie die Festspiel-Matineen sowie die Freikarten. So wurden unter anderem 162 Tickets an Senioren- und andere karitative Einrichtungen verschenkt, 146 gingen an Sponsoren gemäß den getroffenen Vereinbarungen und 78 Karten wurden an Pressevertreter zur Berichterstattung und für Verlosungen aus Werbezwecken ausgegeben, erklärte Bürgermeister Umscheid in der Sitzung.

    Die Frage nach der Leistungsfähigkeit

    Unschwer ist zu erkennen, dass dem Wunsch der UBR-Fraktion nach genauen Zahlen ein gewisses Misstrauen gegenüber den Festspielen zugrunde liegt. Vor allem in der Frage, ob sich Röttingen den sommerlichen Kulturbetrieb weiter leisten kann und soll. Im Frühsommer lag die Abrechnung für die Spielzeit 2018 vor, die, wie in den Vorjahren, mit einem planmäßigen Fehlbetrag zu Lasten der Stadt von rund 130 000 Euro abgeschlossen wurde.

    Stadtrat Hartmut Eichinger (UBR) nahm die Zahlen als Anlass zur Grundsatzfrage. Er verwies darauf, dass die drohende Krise in der Automobilindustrie auch für die Gewerbesteuereinnahmen Röttingens Folgen haben werde, nachdem ein großer Zulieferer ortsansässig sei. Auch die steigende Konkurrenz sommerlicher Kulturveranstaltung in der Umgebung müsse Anlass sein, das Konzept der Festspiele grundsätzlich zu überdenken, sagte Eichinger damals. Bürgermeister Umscheid (CSU) und Stadtrat Albrecht Haag (CSU/Freie Bürger) warfen ihm "Schaufensterreden" vor.

    Keine Diskussion über die Besucherzahlen

    Wer nach Bekanntgabe der Besucherzahlen eine Grundsatzdebatte im Stadtrat erwartet hatte, wurde enttäuscht. Das Gremium nahm die Statistik unkommentiert und scheinbar ungerührt zur Kenntnis. Dabei hatte man kurz zuvor noch Geschlossenheit gezeigt, was die Werbung für die Festspiele angeht. Demnächst sollen an der Autobahn A 7 nahe der Abfahrt Uffenheim-Langensteinach und später an der A 3 Schilder mit der Aufschrift "Frankenfestspiele Röttingen" aufgestellt werden. Auch entlang der Bundes- und Staatsstraßen wird die Werbetrommel gerührt. Einstimmig erhielt die Verwaltung den Auftrag, entsprechende Anträge an die Straßenbauämter zu stellen.

    Ganz am Ende der öffentlichen Sitzung wurden die Festspiele dann noch einmal zum Thema. Weil die Debatte aus der August-Sitzung nach Ansicht von Eichinger nicht ausreichend im Sitzungsprotokoll wiedergegeben sei, forderte er eine entsprechende Korrektur. Sein Antrag wurde aber von allen übrigen Stadträten von CSU/FB und UBR geschlossen abgelehnt.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!