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    Veitshöchheim

    Frankenwein: Der Prädikatswein ist tot – es lebe die Grosse Lage

    Wer besonders guten Frankenwein trinken will, muss in Zukunft nach "Ersten Lagen" oder "Grossen Lagen" suchen: Die Bezeichnung "Prädikatswein" wird in Zukunft, zumindest bei den trockenen Weinen immer weniger verwendet werden. Unser Bild zeigt Weinstöcke am Steinberg in Würzburg im Sommer. Foto: Daniel Peter

    Frankens Winzerverabschieden sich von Begriffen wie "Prädikatswein" oder "Kabinett"; zumindest was trockene Weine angeht. Stattdessen wollen sie die Weinlage wie etwa "Würzburger Stein" als Qualitätsmerkmal etablieren. Der Wechsel der Begrifflichkeiten war ein großes Thema bei den Fränkischen Weinwirtschaftstagen in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg). Verwirrend für den Verbraucher könnte sein, dass die neuen Begriffe nur für trockene Weine gelten, denn an den Bezeichnungen für süße Weine soll sich vorerst nichts ändern.

    Die Lage steht im Vordergrund

    "Einen Beschluss als solchen haben wir nicht gefasst. Das wird sicher noch seine Zeit dauern", berichtet Winzer Karl Schmitt, der in Randersacker (Lkr. Würzburg) das Weingut "Schmitt's Kinder" betreibt. Aber die fränkischen Winzer hätten sich die neue Weinqualitätsauszeichnung als klare Vorgabe gegeben. "Wir nähern uns mit den neuen Bezeichnungen dem romanischen, speziell dem burgundischen System an, bei dem ja immer schon die Lage im Vordergrund stand", sagt Schmitt. "Je enger die Bezeichnung, umso besser die Qualität" – das sei in Zukunft der Leitsatz, an dem sich der Verbraucher orientieren könne.

    Doch auch wenn der Wechsel der Begrifflichkeiten in diesen Tagen in Veitshöchheim diskutiert wurde, sind viele fränkische Winzer und Weintrinker mit den neuen Namen durchaus schon vertraut. Der Verband der Prädikatsweingüter (VdP), dem viele fränkische Winzer angehören, hat sich schon 2012 verpflichtet, statt der früher üblichen Bezeichnungen "Prädikatswein" und "Kabinett" die Begriffe "Gutswein", "Ortswein", "Erste Lage" und "Grosse Lage" zu verwenden, wobei "Gutswein" sozusagen den Basiswein und "Grosse Lage" den besten Wein beschreibt.

    International besser verständlich

    Dabei habe man zwar festgestellt, dass die Umstellung nicht ganz leicht falle, weil nun mal die alten Bezeichnungen in den Köpfen der Winzer und Kunden gespeichert sei. "Aber abgelehnt haben die Kunden die neuen Namen nicht. Sie waren eher überrascht", sagt Horst Sauer, der im Volkacher Ortsteil Escherndorf (Lkr. Kitzingen) Wein anbaut. Er komme mit der Umstellung "super" klar, sagt er.

    "Wir denken bei der Umstellung ja durchaus auch an unsere Kunden", erklärt Wolfgang Luckert vom Zehnhof Luckert, einem Weingut in Sulzfeld (Lkr. Kitzingen). Für die Mehrzahl der jüngeren Kunden seien die neuen Bezeichnungen sicher verständlicher und attraktiver. Für den Export der fränkischen Weine seien die international besser verständlichen Begriffe notwendig – die EU-Weinmarktverordnung von 2009 sieht schließlich die Herkunftsangabe vor. "Am wichtigsten bei einem Glas Wein ist aber doch nicht, was draufsteht. Am wichtigsten ist doch immer, ob der Wein schmeckt", findet Luckert.

    Reben an ungewohnten Orten

    Laut dem Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Hermann Kolesch, geht es auch darum, fränkischen Wein von anderen Weinbaugebieten in Bayern abzugrenzen. Nach der Liberalisierung des Weinmarktes 2016 ist nämlich die Anbaufläche von Wein nicht mehr auf traditionelle Weinbaugebiete beschränkt: Es sprießen mittlerweile auch an ungewohnten Orten Reben, etwa am Ammersee und in Passau. "Höchste Zeit, dass sich die geschützte Ursprungsbezeichnung 'Franken' klar abgrenzt."

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