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    Frühjahrsvolksfest: Endspurt am ersten Ferienwochenende

    Welda Heinen aus Worms mit ihrem Bearded Collie - Schafspudel Charlie IV. Sie ist mit von Heinen's Spielcasino seit 1969 ohne Unterbrechung auf dem Frühjahrsvolksfest. Foto: Thomas Obermeier

    Zufriedene Gesichter gab es am Montagabend bei der Halbzeit-Pressekonferenz des Frühjahrsvolksfestes im fränkisch geschmückten Festzelt der Wirtsfamilie Hahn auf der Talavera. "Da geht einem das Herz auf, wenn man solche 14 Tage sieht", fasste Ordnungsreferent Wolfgang Kleiner das Geschehen aus städtischer Sicht zusammen. Hatten die Organisatoren zu Beginn des ersten großen Volksfestes in Bayern noch vorsichtig auf 200 000 Besucher in den zwei Volksfestwochen gehofft, so zeigte Kleiner sich jetzt sehr zuversichtlich: "120 000 Besucher haben wir bereits gezählt, die 200 000 werden wir erreichen", sagte er. "Wir haben alle zusammen viel richtig gemacht, um alle kulturellen und sozialen Schichten zu erreichen."

    "So einen Auftakt wie in diesem Jahr wünschen wir uns eigentlich immer", blickte Ordnungsamtsleiter Uwe Zimmermann auf das erste Festwochenende zurück, an dem Platz und Zelt aus allen Nähten zu platzen drohten. Er nahm den Andrang als Beweis, dass sowohl die Stadt bei der Zusammenstellung des Angebotes auf dem Platz, wie auch die Wirtsfamilie Hahn bei der Auswahl des Programms im Festzelt das richtige Gespür gehabt hätten. "Mit diesem Auftakt des Jahres kann man sich auf Kiliani am 4. Juli freuen", so Zimmermann.

    "Ich bin als Schaustellerin geboren, ich werde als Schaustellerin sterben."
    Welda Heinen, Heinen's Spielcasino

    Er zitierte aus der Bilanz der Polizei: "Eine Körperverletzung, ein verbotenes Taschenmesser, ein Fahrrad- und ein Handtaschendiebstahl, mehr gab es nicht." Allerdings sei dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) der Stadt negativ aufgefallen, dass Jugendliche ihren Alkohol vermehrt selbst mitbringen würden. "Auch die Herrschaften, die meinen, sie müssten wildpinkeln, werden vom KOD zur Kasse gebeten", sagt er. Für die Rettungsdienste zog Stefan Krüger vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Bilanz: 46 Festbesucher hätten die Hilfe der ehrenamtlichen Sanitäter in Anspruch genommen, lediglich zwei Patienten seien vom Rettungsdienst zur Behandlung in eine Klinik transportiert worden. 

    Robért Hempen aus Oldenburg, Chef des "Big Bamboo", mit seinem achtjährigen Sohn Charlie und den Mitarbeitern Lorand und Atti Bereczki. Das Big Bamboo hatte mit rund 500 Kilometern die weiteste Anreise. Foto: Thomas Obermeier

    "Für uns Schausteller ist das Wetter ausschlaggebend, das spüren wir in der Kasse", stellte Schaustellersprecher Heiner Distel jr. fest. "Wir sind da auf einem sehr guten Weg", zeigte auch er sich zufrieden und hoffte, dass sich der Platz am Familiennachmittag am Mittwoch mit halben Preisen sowie am ersten Ferienwochenende noch einmal ordentlich füllen möge. Tanja Göbel, Service-Chefin im Hahn'schen Festzelt, berichtete, dass ihre ersten Gäste sogar aus Frankfurt angereist waren, um ein gutes Fränkisches Schäufele zu verspeisen. Und Theresa Weidel, Veranstaltungs-Chefin im Festzelt, freute sich auf die noch bevorstehenden Tage mit regionalen Kapellen und "Krachern" aus der Volksfestszene. "Die kleine Schwester von Kiliani wird langsam erwachsen", so Hofbräu-Chef Norbert Lange.

    "Unsere Branche war schon immer die Show"

    Das erste große Volksfest in Bayern hat ein großes Einzugsgebiet - auch was die Schausteller betrifft. 500 Kilometer hat das Laufgeschäft "Big Bamboo" von Robért Hempen aus Oldenburg auf der Autobahn zurückgelegt, die weiteste Anreise eines Schaustellers.  Bereits in der siebten Generation führt er die Schaustellertraditon seiner Familie fort, erzählt er; sein achtjähriger Sohn Charlie steht im dunkelblauen Anzug und mit weißem Panamahut schon bereit.

    "Ob Marionettentheater oder Showbude, unsere Branche war schon immer die Show", erzählt der Vater. Das Big Bamboo sei dabei etwas Besonderes: "Wir arbeiten mit Animateuren." Bislang sei das Geschäft gut gelaufen, man habe schon beim Aufbau gemerkt, dass die Leute sich für das Volksfest interessierten, sagt er.

    Jeremy Hübsch vom Ringel'ling ist mit 18 Jahren der jüngste Schausteller auf dem Platz. Foto: Thomas Obermeier

    Seit dem Mittelalter ist die Familie als "fahrendes Volk" unterwegs

    Der jüngste Schausteller auf dem Platz ist mit 18 Jahren Jeremy Hübsch vom "Ringel'ling". "Meine Oma war schon im Geschäft, wir sind mit dem Business aufgewachsen", erzählt er. Die ganze Familie, Mutter, Vater und Geschwister sind ebenfalls als Schausteller unterwegs. "Ich hatte die Option auf eine Ausbildungsstelle, wollte dann aber doch bei der Familie bleiben." Bis jetzt sei das Geschäft "eigentlich ok" gewesen. "Montags war es etwas ruhiger, aber am Familientag und am Wochenende ist es immer gut", so der 18-Jährige.

    "Ich bin als Schaustellerin geboren, ich werde als Schaustellerin sterben", sagt Welda Heinen von Heinen's Spielcasino. Sie ist an ihrem zotteligen Bearded Collie Charly zu erkennen, der seine feuchte Hundenase oft neugierig über den Tresen hält. Seit dem Mittelalter sei ihre Familie als "fahrendes Volk" unterwegs, berichtet sie. "Die sind als Gaukler, Musikanten, Artisten oder Theaterleute von Ort zu Ort gezogen, ich bin in einem Wohnwagen geboren." Als Schulkind wollte sie eigentlich nicht in die Fußstapfen ihrer Vorfahren treten. "Erst als ich 20 war, hat es "Klick" gemacht."  Auch sie ist zufrieden mit dem Geschäft. "Ich bin seit 1969 an jedem Frühjahrsvolksfest hier, das ist ein Teil meines Lebens", sagt sie. Und der Wetterbericht fürs Wochenende ist nicht so schlecht: zwar kühl, aber trocken.

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