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    Klingholz

    Für den Ernstfall: So funktioniert ein Blaulichtsimulator

    Blaulichtfahrt im Simulator: Im Bild von links Landrat Eberhard Nuß, Geschäftsbereichsleiterin Eva Löffler, der Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung, Paul Justice, und Kreisbrandrat Michael Reitzenstein.  Foto: Gerhard Meißner

    Mit Blaulicht und Tatü-Tata durch eine Stadt zu fahren, bedeutet puren Stress. Haben die  übrigen Verkehrsteilnehmer die Situation erkannt? Bilden Autofahrer eine Rettungsgasse? Welche Gefahr lauert hinter der nächsten Kurve? Kreisbrandrat Michael Reitzenstein kennt die Anspannung nach 30 Jahren hauptberuflicher Tätigkeit bei der Feuerwehr nur zu gut. Mit Schulungen und Trainings versucht die Landkreis-Feuerwehr Fahrer auf brenzlige Situationen vorzubereiten. Ein Fahrsimulator leistet dabei wertvolle Dienste.

    Die drei großen Monitore vor der Frontscheibe versetzen den Fahrer in eine realitätsnahe Szenerie. Das Cockpit ist dem eines Mannschaftswagens nachempfunden: Lenkrad, Tacho, Gas, Bremse und der Knopf zum Einschalten des Sondersignals. Beim Tritt aufs Gaspedal erscheint es wirklich, als setze sich das Fahrzeug in Bewegung. Der Sitz bewegt sich leicht und ahmt so die Fließkräfte in Kurven nach. Selbst wenn man versehentlich eine Gehsteigkante touchiert, wird dies spürbar. Nach wenigen Sekunden hat man so tatsächlich das Gefühl, in einem richtigen Fahrzeug zu sitzen. Wer aber an die berühmte eingebaute Vorfahrt glaubt, nachdem das Blaulicht eingeschaltet wurde, wird schon nach den ersten virtuellen Metern eines Besseren belehrt.

    Bei Rot über die Ampel

    Ein Autofahrer macht nicht ausreichend Platz und zwingt den Fahrer zu einem Ausweichmanöver mit gefährlicher Nähe zum Gegenverkehr. Beim Überfahren einer roten Ampel schießt ein Pkw über die Kreuzung, der das Feuerwehrfahrzeug nicht bemerkt hat. Obwohl es sich um eine gefahrlose Simulation handelt, tritt unerfahrenen Fahrern bereits jetzt der Schweiß auf die Stirn. "Machen Sie es wie an einem Stoppschild und tasten Sie sich in die Kreuzung vor", belehrt Sandra Reichert.

    Reichert ist Mitarbeiterin an der Feuerwehrschule in Regensburg, wo auch der Fahrsimulator stationiert ist, reist aber nahezu das ganze Jahr durch den Freistaat. Der Simulator gehört dem Landesfeuerwehrverband und wurde mit Unterstützung der Bayerischen Versicherungskammer angeschafft. Den laufenden Betrieb finanziert das bayerische Innenministerium.

    Sonderrechte nur mit Martinshorn

    Eine Woche lang ist der Fahrsimulator am Feuerwehrzentrum des Landkreises im Gewerbepark Klingholz stationiert. Fünf Gruppen zu je sechs Teilnehmern haben während dieser Zeit die Gelegenheit, an der Schulung teilzunehmen. In ihren heimischen Feuerwehren sind sie als Maschinist tätig. Damit fällt ihnen auch die Aufgabe als Fahrer zu. Im theoretischen Teil werden sie über die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Einsatz von Blaulicht und Signalhorn geschult. Dort erfahren die Feuerwehrleute unter anderem, dass sie trotz Sondersignal für mögliche Unfälle in der Verantwortung stehen – und dass ihre Sonderrechte nur gelten wenn Blaulicht und Horn eingeschaltet sind. Dann geht es zum praktischen Teil.

    "Es geht nicht darum, die Fahrkünste zu verbessern, sondern darum, mit brenzligen Situationen umzugehen."
    Michael Reitzenstein, Kreisbrandrat

    "Es geht nicht darum, die Fahrkünste zu verbessern, sondern darum, mit brenzligen Situationen umzugehen", sagt Kreisbrandrat Michael Reitzenstein. Und solche Situation sind bei einem realen Einsatz eher die Regel als die Ausnahme. "Man muss jederzeit abschätzen können, wie der andere Verkehrsteilnehmer reagiert." Dass dies nicht immer gelingt, beweist die Statistik. Das Unfallrisiko sei bei Einsatzfahrten rund viermal so hoch wie im normalen Straßenverkehr, so Reitzenstein.

    Fahrer dürfen sich nicht ablenken lassen

    Anhand der Alarmierungslage entscheidet die Leitstelle darüber, welche Feuerwehren alarmiert und welche Einsatzmittel abgerufen werden. Was ihnen bevorsteht, erfahren die Einsatzkräfte in der Regel erst auf dem Weg zum Einsatzort über Funk. Der Fahrer müsse lernen, sich davon nicht  ablenken lassen, sondern sich voll auf seine Ausgabe zu konzentrieren, sagt Reitzenstein. "Gerade junge, unerfahrene Maschinisten müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie die Verantwortung für neun Leute haben, die mit im Fahrzeug sitzen."

    Unterschiedliche Szenarien

    Die unterschiedlichsten Szenarien vom Stadtverkehr bis zur Einsatzfahrt auf der Autobahn hat der Simulator zur Verfügung. Die Schulungsbedingungen für die Fahrer seien dadurch erheblich verbessert worden, meint Kreisbrandrat Reitzenstein. Allein auf die virtuelle Realität will die sich Landkreis-Feuerwehr allerdings nicht verlassen. Regelmäßig finden deshalb Fahrsicherheitstrainings statt, bei denen die Fahrer mit dem Fahrzeug ihrer eigenen Feuerwehr auf einem abgesperrten Parcours üben dürfen.

    Als oberster Dienstherr der 112 freiwilligen Feuerwehren im Landkreis nahm auch Landrat Eberhard Nuß die Gelegenheit wahr, um am Simulator seine Fahrkünste zu erproben. Und er war sichtlich erleichtert, als er sein Ziel unfallfrei erreicht hat. Leider stehe der Fahrsimulator nur einmal im Jahr im Landkreis zur Verfügung, bedauert Michael Reitzenstein: "Am liebsten wäre mir, wenn wir ihn zwei, drei Mal im Jahr da hätten."

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