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    Würzburg

    GalerieProfessorium: Schrei es durch die Blume!

    Collagenelemente, belichtet auf wetterfeste Folie, klebte Melinda Hillion an die Galeriewand in der Aumühle. Foto: Joachim Fildhaut

    Bilder von Menschen, Pflanzen, Häusern und ähnlichen Dingen klebt die Mainstockheimer Künstlerin Melinda Hillion zu plakativen Botschaften zusammen. Fotos und kleine Buchstabengruppen sind schwarzweiß, die Farben in Pastell- oder Neonanmutung. All das stiftet Einheit unter den 36 Exponaten, von denen jedes eine neue Idee bringt.

    Pflanzlich ist das Leitmotiv der Ausstellung "Flower Power", die bis 10. Mai in der Galerie Professorium hängt. Die Menge und die vielen feinen Unterschiede machen die Ausstellung so sinnvoll. Wenn man nur ein oder drei Hillion-Werke vor Augen hat, lässt sich zum Beispiel nicht ermessen, wie genau die Künstlerin all ihre technischen Mittel einsetzt. Da sitzt jeder Riss millimetergenau an der richtigen Stelle. Da sind die Augen der Liebenden mit einem Rosa überklebt, das keine zehn Prozent undurchsichtiger sein dürfte. Von den Gradwinkeln der schräg stehenden Figuren ganz zu schweigen.

    Klassische Großmeister der Collage

    Die formale Brillanz trägt dazu bei, dass die Bilder eins sind: schön. Melinda Hillion erinnert an die klassischen Großmeister der Collage, die Dadaisten aus der Zeit des ersten Weltkriegs und ihre surrealistischen Nachfolger. Nur dass sie statt der Aggression eines John Heartfield und der Provokation eines Max Ernst einfach Schönheit einsetzt. Das verwirrt ebenso und hindert den Betrachter daran, die gebürtige Französin Epigonin zu nennen.

    Surrealistische Collagen

    Hinzu kommt: Hillion hat das Problem von Text und Bild gelöst. Wörter – ob als Bildbestandteil oder als Werkname – brechen immer in die Selbständigkeit des Visuellen ein. So haben die surrealistischen Collagen immer einen Überschuss, dadaistische einen Unterdruck an Bedeutung. Diese irritierende Unausgewogenheit ist bei Melinda Hillion ausgeglichen. Das kommt mit daher, dass sie sehr wenige Wörter macht. Die wirken leichter integriert, wenn das auch nicht unbedingt bedeutet, dass die Aussage leicht verständlich ist. Aber die Plakathaftigkeit ihrer Erfindungen schreit förmlich nach einer Parole, wenigstens einem Markennamen. Man ist es gewohnt, dass solche optischen Botschaften auch Buchstaben enthalten.

    Ein Dinosaurier "müsste vor Glück schreien". Hochhäuser gedeihen und versinken mit dem Stand der Vegetation. Wuchtbrummen nutzen "die Waffe der Frau", um den Sommer ausklingen zu lassen. Nein, eindeutiger muss die Nachricht nicht sein.

    Von Max Ernst bis zum Golf

    Außerdem wendet sich der Blick des Galeriebesuchers eh schon wieder von dem Inhalt ab und dem schieren Material zu. Schon die Herkunft des benutzten Papiers verblüfft durch Vielfalt. Hintergrund sind oft alte kleingeblümte französische Tapeten. Ausgeschlachtet hat Hillion ein Farbmusterheft. Die Zeitschriftenillustrationen beginnen historisch dort, wo Max Ernst aufgehört hat, und enden bei der Präsentation des ersten Viertürer-VW-Golf. Die Preise schwanken zwischen 200 bis 350 Euro. Zehn Werke waren nach der Vernissage am ersten Aprilsonntag  schon verkauft.

    Zu sehen ist die Ausstellung in der Innere Aumühlstr. 15 noch bis zum 10. Mai. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag 18 bis 21. Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.

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