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    RÖTTINGEN

    Gaudigipfel auf Burg Brattenstein

    Er war ja schon vorher da. Für das Musical „Spamalot“ lieh Wolfgang Krebs dem lieben Gott seine Stimme – Horst Seehofers Stimme, um genau zu sein. Jetzt war Wolfgang Krebs auch im Original bei den Röttinger Frankenfestspielen zu sehen. Gemeinsam mit den „Bayerischen Löwen“ lud er zum „Gaudigipfel“ auf die Burg Brattenstein.

    Wolfgang Krebs im Original? Genau genommen ist er, was seine Bühnenpräsenz angeht, eher eine Ansammlung von Fälschungen. Krebs kann sie alle, ob Horst Seehofer, Ministerpräsident Markus Söder oder Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wobei sich gerade der Bundesinnenminister und CSU-Vorsitzende in jüngster Zeit als idealer Stichwortgeber erweist.

    Vom Messias zur Witzfigur

    Vom eigenen Sendungsbewusstsein durchdrungen, tritt Seehofer zum Auftakt des Abends vors Publikum, um sinnreich seine Rolle zu reflektieren. „Heute morgen war ich noch Innenminister.“ Wenngleich zu bedenken sei: „Du schläfst abends als Messias ein und wachst als Witzfigur wieder auf.“

    Dass Wolfgang Krebs in dieser Rolle beim Publikum noch nicht recht zu zünden vermochte, mag daran liegen, dass sich der echte CSU-Vorsitzende und die Parodie in den letzten Wochen bedenklich nahe gekommen sind. Dafür ließen es die „Bayerischen Löwen“ vom ersten Ton an mit ihrem „Blechblas-Rock 'n' Roll“ richtig krachen.

    Können und Showtalent

    In der Besetzung mit zwei Trompeten, Basstrompete, Posaune und Tuba beweisen Dominik Glöbl, Christian Striegl, Franz Eisenschink, Michael Wallner und Florian Blöchl nicht nur herausragendes musikalisches Können, sondern auch Showtalent. Allen voran Frontmann Glöbl, der es in der bavarisierten Blasmusik-Version der Queen-Klassiker „Under Pressure“ und „Somebody to love“ auch gesanglich zu höchsten Tönen bringt.

    Wolfgang Krebs tritt als Markus Söder auf die Bühne, macht erst einmal ein Selfie mit dem Publikum im Hintergrund und beginnt die Leistungen, die die Staatsregierung für Röttingen gebracht hat, in höchsten Tönen zu loben. Krebs hat sich gut auf seinen Auftritt vorbereitet, beweist Detailkenntnis, etwa was die Umgestaltung des Burghofs angeht. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im rosafarbenen Jackett hingegen sinniert er über die schroffe Herzlichkeit der Bayern und geht der Frage nach, warum hierzulande kaum einer die Kanzlerin erkennt.

    Wolfgang Krebs in seiner Paraderolle

    Zur Hochform läuft Wolfgang Krebs allerdings erst in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber auf. Krebs skizziert den CSU-Ehrenvorsitzenden und Jäger des verlorenen Satzes aufs Köstlichste. Der verteilt – äh – artig Komplimente an die Franken, redet sich gestenreich in Rage und stellt am Ende sogar die bayerische SPD unter Artenschutz: „Wir stoppen die Bejagung, bis sich der Bestand erholt hat.“

    Was bleibt, ist ein rundherum vergnüglicher Abend. Eine gelungene Abwechslung im Programm der Frankenfestspiele, die noch bis zum 19. August mit dem Musical „Spamalot“, den „Drei von der Tankstelle“ und dem Singspiel „Im Weißen Rössl“ ihren Fortgang nehmen. Die nächste Sonderveranstaltung ist der musikalische Festspiel-Cocktail am Sonntag, 29. Juli, in dem die Mitglieder des Ensembles zeigen, was sie abseits ihrer Rollen noch alles können.

    Karten bei der Tourist-Info Röttingen, unter www.frankenfestspiele.de oder beim Ticketservice der Main-Post, Tel. (09 31) 60 01 60 00.

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