• aktualisiert:

    Würzburg

    Gefährdung von Kindern in Zeiten von Corona

    Seit vier Wochen sind Mädchen und Jungen ohne Kitas und Schulen, ohne Spielplätze und Freizeitangebote. Viele Familien geben sich viel Mühe, ihren Kindern diese Zeit der Einschränkungen gut zu meistern und das beste aus der Situation zu machen. Viele kriegen dies gut hin.

    Leider gibt es aber Erwachsene, die das nicht können - oder wollen. Manche Eltern sind schlichtweg überfordert, weil sie alleinerziehend sind, psychisch krank oder selbst voller Angst bezüglich ihrer Existenz oder Gesundheit, heißt es in einer Pressemitteilung von Wildwasser Würzburg. Manche wissen nicht, wie sie mit der räumlichen Enge umgehen sollen, haben weder Garten noch Balkon, wo die Kinder draußen spielen können. Andere geraten in Stress und die innere Spannung steigt an. Es fehlen die Auszeiten mit Schule, Kindergarten oder Verwandtenbesuch. Sie schaffen es nicht mehr, mit den Kindern geduldig umzugehen. Dann kann es sein, dass Eltern gewalttätig werden, die Kinder anschreien, demütigen oder schlagen, ohne es zu wollen.

    Gewalt im Internet wird zunehmen

    Für diese Eltern hat die Stadt Würzburg in Kooperation mit den Beratungsstellen Postkarten und Plakate gedruckt, um sie unter dem Motto "Reden hilft" zu ermutigen (www.wuerzburg.de/redenhilft). Diese werden in den Geschäften verteilt und aufgehängt, die geöffnet sind. Jede und jeder darf bei den genannten Stellen anrufen, sich entlasten und wird Tipps und Verständnis für diese schwere Zeit bekommen. Nicht alle schaffen es, diese Ausnahmesituation als Chance zu begreifen und niemand muss sich schämen, wenn man bei dem Stress mal "durchdreht".

    Sorgen machen uns aber auch die Kinder und Jugendlichen, deren Eltern die Situation nun gezielt ausnutzen. Täter und Täterinnen sind die ganze Zeit zuhause, für die betroffenen Kinder gibt es kein Entrinnen. Weil die Mädchen und Jungen einfach verschwunden sind und sie sich nicht selbst nach außen wenden können, wird niemand ihre Not sehen. Zudem wird die Gewaltausübung im Internet und über sexualisierte Cybergewalt zunehmen und betroffene Kinder schädigen.

    Nicht wegschauen und Zivilcourage zeigen

    Wildwasser Würzburg unterstützt daher den Aufruf des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Wege zu suchen, um auch diesen Kindern zu vermitteln: "Du bist nicht alleine. Es gibt Hilfe." Auf der Website www.kein-kind-alleine-lassen.de finden Menschen Flyer, die sie ausdrucken und im Hausflur, im Ladenfenster oder im Supermarkt aushängen können. Darauf stehen die wichtigsten Notrufnummern oder Tipps für Kinder und Jugendliche, was sie tun können, wenn sie in Gefahr sind und wo sie jemanden erreichen, der ihnen hilft.

    Gerade jetzt ist es besonders wichtig aufmerksam zu sein – im Umfeld, im Freundeskreis oder der Nachbarschaft – und nicht wegzuschauen, sondern Zivilcourage zu zeigen. Sie können Betroffenen Unterstützung anbieten. "Wenn Sie vielleicht als Opa oder Tante wissen, dass die Kinder in Bedrängnis sein werden, melden Sie sich in den Beratungsstellen und sprechen Sie – auch anonym – Ihre Befürchtungen und Unsicherheiten an. Dabei geht es nicht darum, Nachbarn zu "bespitzeln", sondern darum, die Kinder und ihre Nöte zu wahrzunehmen", heißt es in der Pressemitteilung von Wildwasser. Wenn man unsicher ist, wie etwas einzuschätzen ist, kann eine telefonische oder E-Mail Beratung Sicherheit im Handeln geben.

    Drei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Würzburg-Newsletter!

    Bearbeitet von Lena Berger

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!