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    BIEBEREHREN-BUCH

    Gegeneinander statt Miteinander

    Mit einem Trauerflor am Eingang bekundet dieser Bucher Hofbesitzer sein Bedauern über das gescheiterte Zusammenlegungsve... Foto: H. GRIMM

    Das Beschleunigte Zusammenlegungsverfahren (BZ) Buch 3 ist gescheitert. Der Trauerflor, den Marlene und Reinhold Ulsamer vor ihrem Anwesen angebracht haben, spiegelt die Stimmung der Befürworter des Verfahrens wider.

    Laut dem Vorsitzenden des Vorstands der Teilnehmergemeinschaft Bauoberrat Andreas Kubenka vom Würzburger Amt für ländliche Entwicklung (ALE) wurde in einer nichtöffentlichen Versammlung, zu der sich vor einigen Tagen rund 30 Teilnehmer einfanden, kein Einvernehmen erzielt.

    In dem 2008 angeordneten Verfahren war geplant gewesen, die 36 zersplitterten Besitzstände mit 41 Beteiligten auf einer 254 Hektar großen Fläche neu zu ordnen. Im Frühjahr 2015 gab es acht Einwände gegen die zugedachte Verteilung darunter vier Widersprüche gegen die Wertermittlung.

    Laut Andreas Kubenka zeigte sich in der Versammlung, dass ein Vertrauen unter den Teilnehmern nicht aufzubauen war. Dazu sei das Vertrauensverhältnis zum ALE völlig zerrüttet. Daraus, so der Bauoberrat, ergab sich als einzige Konsequenz die Einstellung des Verfahrens.

    Wenn sich, wie er sagte, die erhitzten Gemüter beruhigt haben, bietet das ALE den Buchern die Möglichkeit, erneut eine BZ zu beantragen. Wie der Leiter der ALE, Abteilung Land- und Dorfentwicklung Robert Bromma erklärt, sieht das Flurbereinigungsgesetz ausdrücklich vor, dass bei fehlender Einigung der Grundstückseigentümer ein Beschleunigtes Zusammenlegungsverfahren eingestellt werden kann.

    Wie er mitteilt, kommt es selten vor, dass so eine große Uneinigkeit herrscht in einem BZ, das ja vom Ansatz her weitgehend auf Freiwilligkeit ausgerichtet und angewiesen ist. Anscheinend, so Robert Bromma, der an der Versammlung in Buch teilgenommen hat, haben die Grundeigentümer von Buch zu hohe Verbesserungserwartungen in das Verfahren gesetzt oder waren nicht in der Lage oder willens bei der Suche nach tragfähigen Lösungen und Kompromissen mitzuwirken.

    Wenn die Grundeigentümer, so Robert Bromma, mit neuen, gemeinsam gefundenen Lösungsvorschlägen auf das ALE Unterfranken zukommen, besteht von Seiten des Amtes weiterhin die Möglichkeit, über die Realisierbarkeit zu sprechen. Diese Angebote seien aber in der Vergangenheit leider zu wenig genutzt worden.

    Da ein solches Projekt nur gemeinsam zu bewältigen sei, sollte es seiner Meinung nach jetzt das Ziel aller sein, die Missstimmungen im Ort abzubauen, um wieder einen normalen, vertrauensvollen Umgang miteinander pflegen zu können.

    Auch Bürgermeister Engelbert Zobel ist der Meinung, dass in Buch nicht genug miteinander gesprochen worden ist. Für das Ortsoberhaupt bestätigte sich in der Versammlung, dass einige wenige Teilnehmer auch weiterhin nicht kompromissbereit sind. Durch ihre ablehnende Haltung verbauen sie, so der Bürgermeister, auch die Zukunft ihrer Kinder.

    Während der Großteil der Teilnehmer mit der Zuteilung ihrer neuen Flächen zufrieden war, wehren sich aktuell noch sieben Grundbesitzer weiterhin gegen die Neuordnung. Dass mit den Befürwortern und den Kritikern Parteien entstanden sind und der Streit Einzug gehalten hat in dem rund 90 Einwohner zählenden Dorf, darüber zeigen sich Marlene und Reinhold Ulsamer betroffen.

    Der Landwirt, der als Obmann der Feldgeschworenen amtiert, sieht das Scheitern der BZ nicht zuletzt darin, dass den Parteien die Bereitschaft fehlt, sich zusammenzusetzen um das eine oder andere Problem zu bereinigen.

    Für Marlene Ulsamer ist es kaum nachvollziehbar, dass Flurneuordnungen in ganz Bayern möglich sind – nur im kleinen Buch nicht. „Ihr verbaut den Jungen die Chance für die Zukunft,“ sagte einer der Versammlungsteilnehmer.

    Diese Meinung teilt auch Andreas Betz. Mit Unverständnis reagiert er auf die Widerstände der Landwirte. Durch das Scheitern der BZ ist nach den Worten des Grundbesitzers, die Chance vertan, die Bewirtschaftung der Flächen zu verbessern und die Zukunft der Hofnachfolger zu sichern.

    Der örtliche Beauftragte der Teilnehmergemeinschaft Ludwig Ulsamer, der dem Amt für ländliche Entwicklung Fehler und Versäumnisse ankreidet, wollte sich zu der Einstellung des Verfahrens nicht weiter äußern.

    Zusammenlegung

    Das Beschleunigte Zusammenlegungsverfahren ist die vereinfachte und schnellere Variante des Regelverfahrens der Flurbereinigung.

    Dieses Verfahren kommt dann zum Einsatz, wenn lediglich eine Neuordnung der betreffenden Grundstücke notwendig ist und die Neuanlage von Wegen und Gewässern auf die nötigsten Maßnahmen beschränkt werden kann.

    Für ein solches Zusammenlegungsverfahren ergibt sich eine durchschnittliche Laufzeit, ab der Anordnung des Verfahrens über den Besitzübergang bis zur Schlussfeststellung von etwa zehn Jahren.

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