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    RÖTTINGEN

    Geheimtipps zur LGS: Gegen alles ein Kraut gewachsen

    Der kleine Torbogen neben der Burg Brattenstein ist unscheinbar. Dass er in ein Refugium für die Liebhaber heimischer Kräuter führt, lässt sich nur schwer erahnen. 70 verschiedene Arten von Heil-, Wild- und Küchenkräutern gedeihen dort und machen den Röttinger Paracelsus-Garten zugleich zu einem schattigen Ruhepol im Alltagsgetriebe.

    Ödnis an der Burgmauer

    Als „Brennnessel-Plantage“ beschreibt Michael Gura den Zustand, den er und seine Mitstreiter vorgefunden haben. 2003 war das, als die ersten Ideen zum Kräutergarten reiften. Ein Verein hatte damals einen Weinlehrpfad eingerichtet, ein anderer den Kneipp-Weg. Der private Kreis von Hobbygärtnern, ein rundes Dutzend, wollte ebenfalls einen Beitrag zur Verschönerung des kleinen Städtchens leisten und wurde in der Ödnis neben der Burgmauer fündig.

    Das Gelände wurde eingeebnet und gestaltet. Unterstützt vom Gartenbaufachberater des Landkreises entstanden in zahlreichen Wochenend-Aktionen Trockenmauern und die Beete, gesäumt von Kieswegen. Auch einen kleinen Laubengang haben die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs aufgerichtet, in dessen Schatten es sich auch an den heißesten Sommertagen aushalten lässt.

    Paracelsus als Namensgeber

    Auf der Suche nach einem Namensgeber wurde man in Paracelsus fündig. Der 1493 in der Schweiz geborene Arzt und Philosoph gilt als einer der Wegbereiter der modernen Medizin. 2006 endlich konnte der Paracelsus-Garten feierlich eröffnet werden.

    An diesem Nachmittag stehen Pflegearbeiten auf dem Programm. Weil die Stadt Röttingen während der Frankenfestspiele Ehrengäste im Paracelsus-Garten empfängt, will sich das Team um Michael Gura keine Blöße geben. Heute sind seine Frau Ingrid, Brigitte und Wolfgang Stephan sowie Anja Cerdini gekommen, um Unkräuter zu zupfen, den Boden zu lockern und Verdörrtes und Verblühtes zu entfernen.

    Pflanzaktion im Frühjahr

    Nach der alljährlichen Pflanzaktion im Frühjahr für die einjährigen Kräuter hält sich der Arbeitsaufwand in Grenzen. Zehn Aktive kümmern sich heute um den Kräutergarten, zumeist Ehepaare, die jeweils für eine Woche das Gießen und kleinere Pflegearbeiten übernehmen. „Das sind alles Leute, die gerne im Garten schaffen“, erzählt Michael Gura. Einige sind von der ersten Stunde an dabei, andere kamen neu hinzu.

    „Wir versuchen die Leute bei der Stange zu halten“, so Gura. Wenn der Waldmeister blüht, gibt's deshalb eine kleine Feier mit Maibowle. Und im Herbst, wenn die Beete abgeräumt sind, treffen sich die Hobbygärtner zu einer gemeinsamen Brotzeit, um das Gartenjahr gemütlich abzuschließen.

    Wenig bekannte Gewächse

    Für die meisten Kräuter sei der Standort mit dem kalkhaltigen Boden, der vielen Sonne und einigen schattigen Ecken geradezu ideal. Im Wildkräuterbeet wachsen Arten, wie sie auch in den Röttinger Weinbergen vorkommen: Huflattich, Königskerze und Schafgarbe, aber auch weniger bekannte wie der Kleine Odermenning oder das Herzgespann. Eine Broschüre, die im Garten aufliegt, informiert über ihre Verwendung und ihre heilende Wirkung.

    In den übrigen Beeten sind viele alte Bekannte anzutreffen, vom Bohnenkraut über den Estragon, den Liebstöckel, den Thymian, den Lavendel bis hin zur Kapuzinerkresse. Aber auch den Wermut findet man dort, die Weinraute, den Ysop, das Marienblatt, die Tripmadam oder den besonders attraktiven Muskateller-Salbei. Kleine Steintafeln geben den Besuchern Orientierung.

    Anlaufpunkt für Besucher

    Inzwischen ist das Paracelsus-Gärtchen zu einem beliebten Anlaufpunkt für Besucher der Stadt geworden. „Man merkt es daran, wie schnell die Prospekte abnehmen“, sagt Michael Gura. Kein Wunder also, dass das Gärtchen auch als einer der besonderen Orte zur Landesgartenschau ausgewählt wurde. Und wer gerne einmal probieren möchte, wie die weniger bekannten Kräutlein schmecken, der ist herzlich eingeladen, ein Blättchen zwischen den Fingern zu zerreiben. „Solange niemand seinen Jahresbedarf deckt, ist das kein Problem“, sagt er.

    Dafür sind es die Schnecken, die den Kräutergärtnern zu schaffen machen, gerade an den zarten Küchenkräutern. „Wenn man nicht ständig auf der Hut ist, fressen die uns alles weg.“ Auf Hut müssen die Hobby-Gärtner auch sein, was die Pflege der Pflanzen angeht. „Die Kräuter sind sehr eigenwillig“, weiß Michael Gura aus Erfahrung, „die einen muss man mühsam hochpäppeln, die anderen muss man eindämmen, damit sie nicht alles überwuchern.“

    Wenn alle Pflege nicht geholfen hat, muss manchmal auch nachgepflanzt werden. Inzwischen kennt Gura die Stellen genau, wo er welche Wildkräuter in der Röttinger Flur findet. Die Küchenkräuter stammen aus einer spezialisierten Gärtnerei in Albertshofen.

    Kräuter und Kunst

    Bereichert wird der Naturgenuss durch die Kunst. Der Eisinger Bildhauer Herbert Mehler, früher im benachbarten Riedenheim zu Hause, hat dem Paracelsus-Garten ein paar seiner modernen Stahl-Skulpturen als Leihgabe überlassen. Und wer nicht genug bekommen kann von ungewöhnlichen Objekten, auf den wartet der Röttinger Sonnenuhren-Weg.

    25 solcher Zeitmesser sind in und um das Städtchen zu finden. Die meisten der kleinen Kunstwerke hat der 2010 verstorbene Schlossermeister Kurt Fuchslocher gebaut, jede nach einem anderen, verblüffenden Prinzip. Idealerweise sollte dieser Spaziergang auch ans Ufer des Mühlbachs führen, das vor einigen Jahren zu einem Naherholungsgelände umgestaltet wurde und von dem aus sich das Tauberstädtchen in der Abendsonne von seiner schönsten Seite zeigt.

    Geheimtipps der Landesgartenschau

    Im Rahmen der Landesgartenschau machen Stadt und Landkreis Würzburg auf elf besondere Orte in der Region aufmerksam, die es ebenfalls zu entdecken lohnt.

    1. Würzburg: Landesgartenschaugelände 1990 2. Würzburg: Ringpark 3. Würzburg: Schutzgebiet Bromberg-Rosengarten 4. Ochsenfurt: Mainufer 5. Röttingen: Paracelsus-Kräutergarten und Sonnenuhrenweg 6. Rottendorf: Wasserschloss 7. Güntersleben: Dürrbachpark 8. Gramschatzer Wald: Walderlebniszentrum 9. Veitshöchheim: Uferpromenade 10. Erlabrunner Badesee 11. Eisingen: Skulpturenpark Erbachshof

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